Samstag, 28. Dezember 2013
Guillaume Long: Kann denn Kochen Sünde sein?
Der Zeichner Guillaume Long betreibt auf der Webseite der französischen Tageszeitung Le Monde seit Jahren einen Blog mit dem selbsterklärenden Titel "À boire et à manger". Hier unterhält und informiert der Hobbykoch und Feinschmecker seine Leserschaft mit gezeichneten Anekdoten rund um Essen und Trinken, Rezepten und Warenkunde. Mit "Kann denn Kochen Sünde sein" hat der Carlsen-Verlag jetzt viele dieser witzigen Comics auch einer deutschsprachigen Leserschaft zugänglich gemacht. Und weil es so viele vielversprechende Rezepte enthält, stelle ich dieses wunderbare Buch nicht in den Comicschrank sondern in das Regal mit den Kochbüchern. Außerdem habe ich jetzt Hunger!
Lecker! Unbedingt lesen!
Mittwoch, 25. Dezember 2013
Manfred H. Krämer: Tod im Saukopftunnel
Auch dieser Roman von Herrn Krämer erzählt einen komplizierten Kriminalfall, ist spannend bis zur letzten Seite und seine sprachliche Qualität ist besonders lobend zu erwähnen.
Ein tolles Buch! Lesen, und zwar sofort!
Dienstag, 17. Dezember 2013
Manfred H. Krämer: Die Skorpionin
Als ihr eines Tages der Ehemann durch Mord genommen wird und einige Jahre später das Kind in den Suizid getrieben, ahnt sie noch nicht, was dahinter steckt. Später, viel später erkennt sie die Zusammenhänge und ersinnt einen grausamen Racheplan. Doch zuerst muss sie den Mörder aus dem Gefängnis befreien.
Ich will es kurz machen: Dieser Roman ist der beste, den ich bisher von Herrn Krämer gelesen habe. Geschickt verknotet er mehrere Zeitebenen miteinander, gekonnt und sprachlich brillant setzt er die unterschiedlichsten Stilmittel ein. Die Charaktere werden plastisch und begreifbar, ihre Motive glaubwürdig.
Ein tolles Buch! Unbedingt lesen, und zwar sofort!
Donnerstag, 5. Dezember 2013
Manfred H. Krämer: Mordsquilt
Und wieder legt Manfred H. Krämer einen brillant ausgeknobelten Krimi vor. In fünf Episoden, die locker auch als makabere Kurzgeschichte durchgehen würde, schildert er die verschiedenen Verbrechen. Dabei lernt man die Motive kennen, die Menschen zu Mördern machen können. Dass die fünf Damen mit dieser Nummer nicht durchkommen, ist von Anfang an klar. Aber am Ende tut es einem fast leid, dass sie erwischt werden.
Ein tolles Buch!
Unbedingt lesen!
Sonntag, 24. November 2013
Manfred H. Krämer: Spargelmord
Wieder ein sprachlich hervorragender und sehr spannender Krimi des Herrn Krämer. Sehr zu empfehlen!
Lesen, und zwar sofort!
Sonntag, 10. November 2013
Anne Riebel: Silvaner trocken - oder ein tödlicher Tropfen
Die Winzerin Josefine Laux und die mit ihr befreundete Buchhändlerin Charlotte Messerschmidt beginnen, sich für den Fall zu interessieren und ermitteln heimlich auf eigene Faust. Die Spuren führen weit in die Vergangenheit. Sehr weit!
Sprachlich sehr schön und mit einem recht komplexen Plot ausgestattet ist dieser spannende Roman eine überaus fesselnde Lektüre. Sehr zu empfehlen, bitte mehr davon, Frau Riebel.
Unbedingt lesen!
Samstag, 26. Oktober 2013
Manfred H. Krämer: Kohlemord
Ich möchte es kurz machen: Das Buch von Manfred H. Krämer enthält eine komplexe und gut recherchierte Geschichte aus der Welt der Binnenschiffahrt. (Ich verweigere mich an dieser Stelle aus ästhetischen Gründen der neuen Rechtschreibung.)
Der Roman ist sprachlich ein Genuss und spannend bis zur letzten Seite. Selbst der kurze Epilog bietet noch eine Überraschung. Dass immer wieder Internetadressen eingestreut sind, die einen zu schönen Fotos der Schauplätze führen, rundet den Lesegenuss ab.
Ein tolles Buch! Unbedingt lesen, und zwar sofort!
Und jetzt gehe ich zum Bücherdealer meines Vertrauens und bestelle alles, was der Autor bisher geschrieben hat. Vielen Dank an Andrea für diesen Tipp!
Sonntag, 20. Oktober 2013
Mark Millar, Steve McNiven: Wolverine - Old man Logan
Diese und viele weitere Fragen beantwortet das Comicbuch aus der Feder von Mark Millar mit den brillanten Zeichnungen von Steve McNiven. Es zeigt einen einen gealterten James Howlett (Logan/Wolverine), der sich in Kalifornien zur Ruhe gesetzt hat. Amerika ist längst nicht mehr das saubere, aseptische Amerika der Superhelden-Ära. Inzwischen wird es von wenigen Superschurken regiert, die ein grausames Regime führen und die Bevölkerung drangsalieren. Auch Logan und seine Familie werden terrorisiert und zahlen regelmäßig Schutzgeld. Selbst als man ihn fürchterlich verprügelt, wehrt er sich nicht. Er scheint gebrochen.
Definitiv kein Kindercomic, aber wer die spannenden Geschichten aus dem Marvel-Verlag schätzt, sollte sich diesen besonderen Leckerbissen nicht entgehen lassen.
Zeit, ein Wenig Werbung für den neuen Comicbuchladen in Neustadt an der Weinstraße zu machen. Im Nerd-O-Rama in der Klemmhofpassage wird man kompetent beraten und kann in Ruhe stöbern. Der Laden ist noch ganz neu und die Regale folglich noch nicht übermäßig gefüllt. Also unterstützt ihn bitte und gebt ihm etwas Zeit.
Freitag, 18. Oktober 2013
Manfred Spitzer: Digitale Demenz
Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen
Der Psychiater und Neurowissenschaftler Spitzer erläutert in seinem umstrittenen Buch, welche negativen Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung der frühzeitige und exzessive Konsum digitaler Medien bei Kindern und Jugendlichen hat. Er legt dar, dass dieser Konsum nicht nur nicht nützlich ist, sondern kurz- mittel und langfristig äußerst schädlich. Da er seine leidenschaftlich vorgetragenen Thesen mit überprüfbaren wissenschaftlichen Quellen untermauert, besteht für mich kein Grund, ihm das nicht zu glauben. Immerhin ist er Fachmann auf dem Gebiet der Neurobiologie, und kann somit die Relevanz der zitierten Studien einschätzen.
Ein erschreckendes Buch, das zu lesen ich meinen Kolleginnen und Kollegen ebenso dringend empfehle wie Eltern von Kindern und Jugendlichen.
Freitag, 11. Oktober 2013
Andreas Izquierdo: Das Doppeldings
Der Reporter Jupp Schmitz erscheint für das Dörresheimer Wochenblatt an der Unfallstelle. Er findet eine fremdartig aussehende, schwere Silbermünze in der Nähe des Unfallorts und steckt diese ein. Bald darauf bekommt er ebenso unerwarteten wie unerwünschten Besuch in seiner Wohnung.
Die Eifelkrimis des Herrn Izquierdo sind originell, spannend und lustig. Der Autor hält den Leser nicht künstlich dumm, sondern gibt ihm von Anfang an die gleichen Hinweise, die auch seine Protagonisten erhalten. So kann man mitknobeln und ggf. den Fall selbstständig lösen. Aber das ist nicht einfach.
Unbedingt lesen!
Freitag, 4. Oktober 2013
Josef Kraus: Helikoptereltern
Aber das Zitat zeigt noch mehr: Das Gejammer der jeweiligen älteren Generation über den Nachwuchs ist ein zeitloses Phänomen, vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Man sollte es also nicht überbewerten, wenn Jugendliche nicht in allem den Erwachsenen nacheifern und sich von diesen bewusst distanzieren. Dennoch lohnt es sich, einen kritischen Blick auf junge Menschen zu werfen, und sie nicht in allem gewähren zu lassen. Dafür sind wir schließlich Erzieher, Lehrer, Verwandte und Eltern.
Josef Kraus, Schulleiter, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und somit sicher ein Profi, widmet sich in seinem Buch den in den letzten Jahren immer häufiger zu beobachtenden Problemen wie Unselbstständigkeit, Frustrationsintoleranz sowie abnehmende Lebenstüchtigkeit bei jungen Menschen. Bei der Suche nach den Ursachen setzt er bei solchen Eltern an, die ihre Kinder überbehüten und verhätscheln. Er nimmt aber auch kein Blatt vor den Mund wenn es um die Kritik am immer weniger fordernden Bildungssystem geht.
Vieles kommt mir als Lehrer bekannt vor, einiges habe ich selbst schon erlebt und beobachtet. Mit seinen Erklärungsversuchen hat mir Herr Kraus nun wertvolle Hilfen zum Umgang mit solchen Kindern bzw. ihren Eltern an die Hand gegeben.
Ein wichtiges und spannendes Buch.
Unbedingt lesen!
Samstag, 21. September 2013
Andreas Izquierdo: Schlaflos in Dörresheim
Auch dieser Roman von Andreas Izquierdo ist wieder sehr spannend, komplex konstruiert und witzig geschrieben. Ich kann das Buch von ganzem Herzen empfehlen.
Unbeding lesen!
Samstag, 7. September 2013
Andreas Izquierdo: Jede Menge Seife
Der Autor schafft es, mit fein gezeichneten Charakteren und skurrilen Einfällen für die Handlung einen Roman zu erschaffen, der ebenso spannend wie lustig ist. Sehr zu empfehlen. Ich freue mich schon auf die beiden anderen Romane aus dieser Reihe, die schon bereit liegen, um von mir verschlungen zu werden.
Lesen, und zwar sofort!
Sonntag, 1. September 2013
Jens Lossau, Jens Schumacher: Der Schädelschmied
Das neueste Werk des Autorenteams Lossau/Schumacher sprüht mal wieder vor Witz und Einfällen. Die Kriminalgeschichte ist verzwickt und spannend, und dem sie umgebenden Fantasyszenario fehlt völlig der sonst vielfach in diesem Genre übliche Kitsch und Pathos.
Es gibt ein altes Trollsprichwort, und das geht so:
Ein gelungenes Buch, das zu lesen ich dringend empfehle!
Dienstag, 6. August 2013
Andreas Izquierdo: Saumord
Andreas Izquierdo legt einen spannenden und intelligent geschriebenen Kriminalroman vor. Er geizt nicht mit Hinweisen, die den aufmerksamen Leser zum Mitraten anregen, doch allzu schnell kommt man dem Täter nicht auf die Schliche. Geradezu hinreißend sind die eingestreuten Dialektsequenzen.
Ein tolles Buch! Lesen!
Donnerstag, 1. August 2013
Bernd Franzinger: Familiengrab
Auch dieser inzwischen elfte Roman aus der Tannenberg-Serie besticht durch ein psychologisch durchdachtes Täterprofil. Die Ermittlungen sind spannend und regen zum Mitraten an. Aber Tannenberg ist ist immer auch ein Wenig "Lindenstraße". Wer Tannenberg liest, liest immer auch Familiengeschichten und Tratsch aus der Kaffeebude. Das muss man nicht mögen, man kann aber. Und letzten Endes sind Polizisten ja auch nur Menschen, und das kann man in einem Krimi ja durchaus auch einmal thematisieren.
Ein schönes Buch! Lesen!
Montag, 22. Juli 2013
Jean Amila: Mond über Omaha
Das Unglück nimmt seinen Lauf, als einer seiner französischen Gärtner stirbt. Dieser nimmt gleich mehrere Geheimnisse mit in sein Grab, und diese enthüllen sich jetzt nach und nach. Es geht um den Inhalt der Gräber auf dem Heldenfriedhof.
In diesem brillanten Roman aus dem Jahr 1964 geht es auch um ein Stück Vergangenheitsbewältigung. Was geschah wirklich bei der Landung in der Normandie? Wer hat die meisten amerikanischen Soldaten auf dem Gewissen? Wie hoch waren die Kollateralschäden? Wie wurden die Amerikaner von der befreiten französischen Bevölkerung gesehen?
Dass dabei, ganz nebenbei, auch noch die Geschichte eines moralisch nur schwer einzuordnenden Mordes erzählt wird, macht das Buch nur um so spannender.
Ein tolles Buch! Lesen!
Montag, 15. Juli 2013
Terry Pratchett: Steife Prise
Kommandeur Mumm ist so etwas wie der John McClane des Scheibenwelt-Paralleluniversums. Aufgewachsen auf der Straße, ist er ein knallharter Kämpfer gegen das Verbrechen und doch verständnisvoll, wenn es um kleine Gaunereien geht. Wo er auftaucht, geht es dem Verbrechern an den Kragen, und zwar äußerst handfest.
Ein schönes, lustiges und spannendes Buch aus der Feder des Meisters.
Unbedingt lesen!
Sonntag, 30. Juni 2013
Timur Vermes: Er ist wieder da
ER ist zunächst verwirrt ob all der ungewohnt erscheinenden Dinge, die er beobachtet, doch der Leser merkt schnell: ER hat eine hervorragend ausgeprägte Beobachtungsgabe und findet sich gut zurecht im modernen Berlin. Ein Kioskbesitzer leistet Starthilfe, weil er ihn für einen genialen Comedian hält und vermittelt Kontakte zum Fernsehen. ER nutzt das Medium, als habe er es selbst erfunden - was der historischen Wirklichkeit ja durchaus nahe kommt. Und so gewinnt ER bei seiner rasch entstehenden Fangemeinde Einfluss.
Timur Vermes liefert ein brillantes Gedankenexperiment ab! Lacht man am Anfang des Buches noch ÜBER den großen Diktator, so ist man nach und nach von seiner raschen Auffassungsgabe und enormen Anpassungsfähigkeit fasziniert. Irgendwann lacht man nicht mehr ÜBER ihn, sondern MIT ihm. Spätestens da wurde mit klar, dass dies ein wichtiges und gutes Buch ist. Und das sollte man lesen, nicht sich vorlesen lassen. Und das alles sofort!
Daumen hoch und fünf Sterne!
Mittwoch, 5. Juni 2013
Richard Dawkins: Das egoistische Gen
Was ist eigentlich die Triebfeder des Lebens, was treibt Evolution an?
Lernte ich in meiner Kindheit und Jugend noch in den Fernsehdokumentationen dieser Zeit, dass die Erhaltung der Art Ziel allen Handelns innerhalb der Reiche des Lebendigen ist, so merkten nicht nur aufmerksame Wissenschaftler bald, dass diese Hypothese zu einfach gestrickt ist und man damit bei weitem nicht alle biologischen Phänomene befriedigend erklären kann. Schon gar nicht die Evolution selbst, die ja ständig neue Arten hervorbringt. Auch die später geäußerte Vermutung, das möglichst häufige Verbreiten der eigenen Gene in die nächste Generation sei die ursprüngliche Motivation allen Lebens bringt nicht in jedem Fall weiter.
Dawkins schlug Mitte der 70er Jahre eine völlig andere Sichtweise vor: Er betrachtete die Vorgänge von Variation, Mutation und Selektion direkt aus der Perspektive der Gene selbst. Am Anfang waren lediglich kleine Moleküle, die die Fähigkeit hatten, sie selbst zu replizieren. Er nennt sie deshalb Replikatoren. Diese Replikation läuft nicht immer völlig fehlerfrei ab, so entstanden mit der Zeit Variationen der Replikatoren. Manche Replikatoren konnten sich besser replizieren, manche weniger gut. Erstere nahmen deshalb an Häufigkeit zu, die letztgenannten starben mit der Zeit aus. Irgendwann schlossen sich Replikatoren zusammen. Sie replizierten sich als Gruppe. Einige Gruppen von Replikatoren konnten neben Kopien ihrer selbst auch andere Moleküle produzieren, die bei der Replikation nützlich waren. Sei es, dass diese Moleküle die Replikation selbst beschleunigten, sei es, dass sie halfen, Baumaterial für die Replikation zu gewinnen, indem sie andere Replikatoren in ihre Bestandteile zersetzen. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Replikatoren mit der Zeit "lernten", sich mit einer Hülle zu schützen. Die ersten, primitiven Zellen erschienen auf der Bildfläche. Diese Zellen waren nun die Überlebensmaschinen der Replikatoren. Schließlich schlossen sich diese wiederum zu Gruppen zusammen und so weiter.
Dawkins Sichtweise aus der Perspektive der Gene ist nur eine der möglichen Neuinterpretation der darwinschen Evolutionslehre. Von allen mir bisher bekannten fasziniert sie mich jedoch am meisten. Diese Ausgabe seines Werks beinhaltet gegenüber der Erstauflage noch zahlreiche Ergänzungen und Verbesserungen in Form von umfangreichen Fußnoten, sowie zwei erst für diese Auflage verfasste Kapitel.
Dawkins ist inzwischen eine der Leitfiguren einer modernen, wissenschaftlich orientierten Atheismusbewegung. Ironischerweise stammt das mir vorliegende Buch, welches ich gebraucht erworben habe, aus dem Bestand der Bücherei einer Pfarrgemeinde in Süddeutschland. Dort wurde es aussortiert. Ein Schurke, wer böses dabei denkt.
Ein tolles und absolut lesenswertes Buch. Und da es sich, von einer einzigen Fußnote abgesehen, ausschließlich mit Wissenschaft beschäftigt, kann ich es wirklich jedem klar denkenden Menschen empfehlen. Bei einigen anderen Werken des Autors bin ich da etwas vorsichtiger.
Dienstag, 4. Juni 2013
Walter Moers: Der Pinguin
Ein verliebtes Eskimopärchen bekommt Besuch von einem ziemlich merkwürdigen Pinguin, der sich aufdringlich in ihrem Zuhause breit macht. Innerhalb kürzester Zeit geht in dem kleinen Iglu drunter und drüber. Und das völlig ohne Worte.
Die Geschichte ist brutal, versaut und zum Brüllen komisch. Ein echter Moers also! Allerdings handelt es sich um die Neuauflage eines Comics, der bereits 1997 unter dem Namen "Wenn der Pinguin zweimal klopft" im Eichborn Verlag erschienen ist. Jetzt erlebt die kleine Moritat ein Comeback in Farbe und als recht hübsch gemachtes Büchlein. Ob dies den Preis wert ist, muss jeder für sich entscheiden.
Sonntag, 12. Mai 2013
Michael Schmidt-Salomon, Helge Nyncke: Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel
Wenn der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung höchstpersönlich zur Feder greift um ein Kinderbuch zu schreiben, dann erwartet der eine oder andere Leser vermutlich ätzende Religionsschelte und sauertöpfisches Genörgel. Doch diese Erwartungen werden mit diesem Werk nicht erfüllt. Das Gegenteil ist der Fall:
Man liest eine lustige, kindgerecht erzählte und bebilderte Geschichte um die Abenteuer eines kleinen Ferkels, das zufällig von Gott erfährt und neugierig wird. Zusammen mit seinem besten Freund dem Igel macht es sich auf die Suche nach Gott. Was die beiden dann finden, sind jedoch lediglich drei Vertreter der großen Weltreligionen, die sie um Hilfe bei ihrer Suche bitten. Letzten Endes kann jedoch keiner der drei sie überzeugen. Als Rabbi, Priester und Mufti sich schließlich zu streiten beginnen und dabei sogar recht handgreiflich werden, suchen die beiden Helden der Geschichte nicht mehr weiter nach Gott, sondern das Weite. Sie erklären die Suche für beendet. Die Geschichte endet da, wo sie auch angefangen hat: Ferkel und Igel haben zwar immer noch keine Ahnung, wer oder was dieser Gott ist, wollen das jetzt aber auch nicht mehr so genau wissen. Die kurze Begegnung mit den drei Gottesmännern hat ihnen völlig gereicht. Es fehlt ihnen nichts in ihrer friedlichen, kleinen Welt.
Ich bin grundsätzlich gegen frühkindliche Indoktrinierung. Wer als Erwachsener beschließt, an einen Gott zu glauben oder dies nicht zu tun, der hat meinen Respekt sicher, sofern er solche freien Entscheidungen auch bei anderen Menschen respektiert. Kinder jedoch, die intellektuell noch gar nicht dazu in der Lage sind, Rationales von Irrationalem zu trennen, sollte man mit bizarren Konzepten wie "Hölle", "Sünde" oder gar "Erbsünde" nicht belasten. Für moralisches Handeln braucht es keine Bibel und keinen Koran. Wer seine Kinder zu moralischen Menschen erziehen möchte, sollte diese verstörenden Bücher verstecken und dem Nachwuchs die Lektüre untersagen. Wer etwas anderes behauptet, hat diese Bücher wahrscheinlich entweder unvollständig oder überhaupt nicht gelesen.
Was aber ist mit Kindern, die in christlichem, jüdischem oder islamischem Glauben unterwiesen und erzogen wurden? Sollte man denen das Buch von Michael Schmidt-Salomon zu Lesen geben um sie von diesem Glauben abzubringen? Meiner Meinung nach würde das eher schaden als nutzen. Es würde eher verwirren und verunsichern. Es wäre ebenfalls eine Art der Indoktrination. Und dass ich dagegen bin, habe ich ja bereits deutlich gesagt.
Ich verstehe die Geschichte vom kleinen Ferkel deshalb auch weniger als Kinderbuch, sondern eher als Satire. Trotzdem ist es ein bezauberndes und witziges Buch, das zu Lesen ich jedem Erwachsenen hiermit ausdrücklich empfehle. Für den Einen mag es ein provozierender Denkanstoß sein, für den Anderen einfach nur ein Heidenspaß.
Samstag, 27. April 2013
Richard Dawkins: Der Gotteswahn
Jetzt wird mir klar, warum er in seinem späteren Werk "Die Schöpfungslüge" kaum noch auf Religion eingegangen ist, denn mit diesem Buch ist eigentlich alles zu diesem Thema gesagt.
Auch wenn ich die Meinungen des Herrn Dawkins nicht zu 100% teile halte ich dieses Buch für eines der bedeutendsten Werke zu diesem Thema.
Unbedingt lesen, und zwar sofort!
Achtung: Dieses Buch kann religiöse Gefühle verletzen. Lesen Sie es trotzdem.
Sonntag, 24. März 2013
Peter Wohlleben: Der Wald - ein Nachruf
Doch inzwischen ist es still geworden um den Wald in Deutschland. Zwar veröffentlicht das Umweltbundesamt noch in regelmäßigen Abständen die Waldschadensberichte, aber davon nimmt einfach kaum noch jemand Notiz.
Peter Wohlleben arbeitet für eine kleine Gemeinde in der Eifel als Förster. Er bewirtschaftet den Wald dort weitgehend nach dem Prinzip echter ökologischer Nachhaltigkeit. In seinen inzwischen Jahrzehnten als Förster hat er sich intensiv mit dem Zustand des ihm anvertrauten Forstes beschäftigt und dabei auch immer wieder sein eigenes Handeln auf den Prüfstand gestellt.
Und in diesem Buch fasst er seine bedrückende Bestandsaufnahme zusammen: Der deutsche Wald ist nicht mehr. Er wurde ersetzt durch eine riesige Nutzholzplantage ohne jeden ökologischen Nutzwert. Diese Plantage wird zudem missbraucht als Viehweide für ehemalige Wildtiere, die in viel zu dichten Beständen auf ihren Abschuss warten. Sie wird bewirtschaftet mit einer Artauswahl, Geräten und Chemikalien, die seine Bodenstruktur und Bodenfruchtbarkeit für immer vernichten. Herr Wohlleben erklärt dies allgemein verständlich, ohne ins Triviale abzugleiten. Dabei ist er rückhaltlos offen und sehr mutig.
Ein tolles Buch, dem ich viele Leser wünsche.
Unbedingt lesen, und zwar sofort!
Sonntag, 17. März 2013
Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge
Seit 1982 wird vom führenden US-amerikanischen Meinungsforschungsinstitut in unregelmäßigen Abständen immer wieder die gleiche Umfrage durchgeführt. Rund 44% der US-Amerikaner bekennen sich regelmäßig dabei zu der Aussage "Gott schuf die Menschen irgendwann innerhalb der letzten 10000 Jahre mehr oder weniger in ihrer heutigen Form." Das bedeutet, dass 44% der Bürger der größten Industrienation auf diesem Planeten Evolution schlicht verleugnen. Des Landes, das über die mächtigste Armee der Welt verfügt und das die ersten Menschen zum Mond brachte und lebend wieder zurück.
Das finde ich beängstigend. Und ich bin mit diesem Unbehagen nicht allein. Richard Dawkins, Evolutionsbiologe an der Universität Oxford, teilt meine Befürchtungen und kämpft deshalb seit Jahrzehnten gegen diesen fundamentalistischen Blödsinn an. In diesem Buch holt er zum Rundumschlag gegen Kreationismus und die Anhänger des "intelligent Design" aus. Er sammelt, sichtlich angewidert, ihre schlagkräftigsten "Argumente" und pflückt sie Stück für Stück auseinander. Dabei bleibt er stets sachlich und streng wissenschaftlich in seiner Argumentation, schreibt dennoch allgemeinverständlich, würzt mit einer guten Portion Humor und hütet sich davor, Religion als solche zu verunglimpfen. Denn das hat sie nicht verdient, die Religion. Ebensowenig, wie sie vernagelte und fanatisierte Kreationisten verdient hat.
Ein wichtiges und tolles Buch. Unbedingt lesen, und zwar sofort!
Montag, 4. Februar 2013
Simon Schneeberger: Fundamentalismus für Einsteiger
Unter dem Deckmantel der Satire verbirgt der Autor nur wenig versteckt ein knallhartes Sachbuch. Er weist nach, dass Europa, vermutlich letzte Bastion des Säkularismus, drauf und dran ist, den Intoleranten gegenüber zu tolerant zu werden. Religiöser Fundamentalismus schwappt nicht nur aus der arabischen Welt zu uns, er schickt sich auch an, über den großen Teich aus Amerika kommend den etablierten und vergleichsweise weltoffenen Kirchen das Wasser abzugraben. Und von Südamerika und Afrika aus unterwandern Fundamentalisten schließlich den Vatikan. Wer glaubt, dass die katholische Kirche in ihrem heutigen Zustand schon intolerant und fundamentalistisch ist, der sollte sich lieber anschnallen.
Ein wichtiges Buch! Lesen!
Sonntag, 13. Januar 2013
Stephan Serin: Föhn mich nicht zu
"Um permanentes Chaos im Klassenraum zu vermeiden, muss den Schülern von der ersten Minute an klar sein, wer im Unterricht der Boss ist. In meiner siebten Klasse war das Murat. Aber danach kam gleich ich, denn ich war mit Murat befreundet."
Stephan Serin schildert in seinem 39 kleine Kapitel umfassenden Buch das Leben und Kämpfen eines Junglehrers in einem berliner Gymnasium. Kichert man zu Beginn noch herzlich und leicht schadenfroh beim Lesen in sich hinein, so bleibt einem doch irgendwann das Lachen im Hals stecken. "Das kann doch nicht wahr sein!" denkt man sich "Der übertreibt doch schamlos!".
Aber da ich die Erzählungen einer Kollegin aus einer nahe gelegenen Großstadt kenne, scheint mir allenfalls die Zusammenballung auf 255 Seiten eine Verdichtung im Sinne einer Übertreibung darzustellen. Ich bin davon überzeugt, dass sich jede einzelne Episode etwa so abgespielt hat. Herr Serin hat vielleicht hier und da noch etwas ausgeschmückt, aber ansonsten entspricht dieses Buch dem Stand der Dinge in Großstadtschulen in Deutschland. Zumindest in einigen. Wer immer noch glaubt, Lehrer sei ein einfacher Beruf, der möge dieses unterhaltsame Werk lesen.
Und wieder einmal bin ich froh und dankbar, dass ich auf dem Land lebe und arbeite.
Lesen!
Samstag, 5. Januar 2013
Herbert Weffer: Der rheinische Genitiv und seine Mitläufer
In kleinen, übersichtlichen Kapiteln erklärt Herr Werfer die Eigenheiten der rheinischen Sprache und der rheinischen Mentalität an Fallbeispielen und illustriert dies mit alten Fotos und Postkarten. Für einen Exilrheinländer wie mich ist dieses kleine Büchlein Pflichtlektüre. Für et Hätz un jäjen d'r Kopp! Ich brauch das!
Lesen!






