Mittwoch, 20. Mai 2026

Markus Orths: Die Enthusiasten

Vincent Bär ist Literaturbegeistert. Das hat er von seinen Eltern, die als leidenschaftliche Leser und Büchersammler Teile dieser Leidenschaft an ihre drei Kinder weitergegeben haben. Besonders angetan hat es ihm "Tristam Shandy", ein Roman von Laurence Sterne, dessen 250er Geburtstag sich nähert. Grund genug, sich im nordenglischen Coxworld mit zwei gleichgesinnten Freunden zu treffen, um dem verstorbenen Idol an seinem Grab zu huldigen. 

Dort erhalten sie zeitgleich eine gleichlaufende SMS, ein Unbekannter bietet ihnen die Prüfung und letzten Endes auch den Kauf des handschriftlichen Manuskripts von Tristam Shandys bislang unbekanntem zehnten Kapitel an. Das wäre in Literaturfachkreisen eine Sensation.

Soviel verrate ich normalerweise nicht von der Handlung eines relativ kurzen Romans. Hier kann ich das aber guten Gewissens tun, der die Geschichte hat noch weitere Ebenen, die das Handlungsgespinst ziemlich Komplex machen. Außerdem, ich muss es zugeben, benutzt Herr Orths, den ich ja sonst eher von krachend lustigen Komödie kenne, eine zum Steinerweichen schöne Sprache.

Jetzt habe ich Lust bekommen, selber "Tristam Shandy" zu lesen. Dass der Bücherdealer meines Vertrauens das ebenfalls schon getan hat, und mir sogar wertvolle Tipps bezüglich der besten Übersetzung geben kann, wundert mich nicht. Herr Schwarz ist einfach besser als der Algorithmus von Amazon. 

Lesen!

Und zwar unbedingt und sofort.

Und kauft bei lokalen, inhabergeführten Geschäften!

Sonntag, 17. Mai 2026

Ulrike Herrmann: Geld als Waffe

Boah!

Was die gelernte Journalistin und studierte Historikerin an Analysen raushaut ist ebenso brillant wie beängstigend. Treffend untersucht sie am Beispiel aktueller geopolitischer Krisen die Rolle des Geldes als DIE Kriegswaffe schlechthin. Dabei ist sie mindestens so gut informiert und scharfsinnig wie Tim Marshall. Die Autorin ist Redakteurin bei der TAZ, und ich hatte sie bisher nicht auf dem Radar. Erst durch das Interviewformat "Missverstehen Sie mich richtig" auf YouTube bin ich auf sie aufmerksam geworden und war sofort begeistert.

Lesen. Und zwar sofort!

Mittwoch, 13. Mai 2026

Spektrum der Wissenschaft-Redaktion (Hrsg): Digitalpaket Exoplaneten

 Und zwar alle vier Ausgaben der "kompakt"-Reihe, als da wären:

  • Ferne Welten im Blick (2015)
  • Wie ferne Begleiter entstehen (2017)
  • Fahndung nach extrasolaren Planeten (2020)
  • Die Suche nach der zweiten Erde (2022)
Spektrum kompakt stellt jeweils eine Sammlung von bereits an anderer Stelle veröffentlichten Artikeln dar. Überwiegend entstammen sie den Magazinen "Spektrum der Wissenschaft" und "Sterne und Weltraum" aus dem gleichen Verlag. Manche wurden auch auf Spektrum online erstveröffentlicht oder im
renommierten Wissenschaftsmagazin "science". 

Es handelt sich also nicht um irgendwelchen Hokuspokus. Hier schreiben Wissenschaftler für Laien oder ausgebildete Wissenschaftsredakteure, die sich in diesem Fachgebiet sehr gut auskennen. 
Das vorliegende Digitalpaket stellt also den Stand der Forschung zu diesem Thema zu verschiedenen Zeitpunkten dar, dabei wird ein Zeitraum von etwa zehn Jahren abgedeckt. 
Auch wenn besprochenen Themen teilweise mehrfach aufgegriffen wurden, so wird das Lesen keinesfalls langweilig. Im Gegenteil: Wissenschaft und ihre Methoden entwickeln sich ständig weiter, was gestern noch als unumstößliches Dogma galt, wird morgen aufgrund neuer Methoden vielleicht einfach über den Haufen geworfen. Die Wissenschaft irrt sich quasi von Erkenntnis zu Erkenntnis. Und das ist kein bug. Das ist ein feature!
Seit dem Nachweis des ersten Exoplaneten der um eine Sonne kreist (1995 durch Mayor und Queloz) wurden über 6000 davon entdeckt. Durch das kürzlich gestartete James-Web-Teleskop und weitere erdgebundene sowie im Erdorbit befindliche Instrumente erhofft man sich eine Fülle neuer Entdeckungen.

Doch nicht nur die schiere Zahl beeindruckt. Mit Hilfe der immer weiter verfeinerten Methoden lassen sich eine Fülle neuer Erkenntnisse gewinnen: Umlaufparameter, Masse, Größe und Aufbau, selbst Atmosphären wurden schon nachgewiesen, Hinweise auf ihre Zusammensetzung gesammelt und sogar Exomonde konnten bereits entdeckt werden. Eine unfassbare Leistung. 

Um das zu veranschaulichen stellen Sie sich folgendes Gedankenexperiment vor: Sie stehen nachts auf dem Turm der Stiftskirche in Neustadt. Mit einem Fernglas beobachten auf dem Heidelberger Schloss in fast 40 Kilometern Entfernung eine Kerzenflamme (als Metapher für einen Exoplaneten), die vor einem lodernden Martinsfeuer steht (einer Sonne). Dabei untersuchen Sie aus der Ferne die chemische Zusammensetzung der Kerzenflamme (Atmosphäre) und können auch noch das längst erloschene Zündholz (Mond) nachweisen, mit dem die Kerze angezündet wurde und das jetzt neben der Kerze auf dem Tisch liegt. 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen dabei geht, aber mich fasziniert das. Deshalb kann ich auch nur eine Empfehlung geben: Lesen! Und zwar avanti!