Dienstag, 11. August 2026

Spektrum der Wissenschaft-Redaktion (Hrsg): Gerettet!

Erfolgreicher Naturschutz

Nach all den apokalyptisch anmutenden Themenheften zum Thema Massenaussterben hatte ich mich regelrecht gefreut auf dieses Heft. "Endlich auch mal gute Nachrichten!" dachte ich. "Endlich mal ein Heft, das nicht von Tod und Verderben und der Auslöschung ganzer Lebensgemeinschaften handelt." Ein Hoffnungsschimmer!

Ab er da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. So einfach ist das leider nicht. Bei einem relativ robusten Nahrungsopportunisten wie der Europäischen Auster mag die Wiederansiedlung im ursprünglichen Lebensraum noch funktionieren. Austern sind Filtrierer, die organische Schwebstoffe aus dem Wasser sieben. Ob diese Schwebstoffe aus einem intakten Ökosystem kommen oder nicht, ist ihnen Wurst - sie gedeihen. 

Wo wir gerade bei diesem Thema sind: Austern haben eine sehr interessante Sexualität. Da habe ich echt noch etwas gelernt. Man könnte sagen, dass sie es mit der sexuellen Orientierung nicht so genau nehmen. Fast so wie in Ursula K. Le Guins Roman "Winterplanet" - den könnte ich auch noch einmal lesen.

Ich schweife mal wieder ab. 

Aber: Auch wenn eine Auswilderung von Tieren oder Pflanzen in ihrem natürlichen Lebensraum zunächst geling, heißt das nicht, dass diese langfristig erfolgreich ist. Einerseits sind die Lebensräume oft viel zu stark vom Menschen beeinflusst, zerschnitten und destabilisiert. Andererseits gehen die ausgewilderten Populationen oft nur aus wenigen Individuen hervor. In der Evolution nennt man das einen Genetischen Flaschenhals. Inzucht bleibt nicht aus und vererbbare Krankheiten reichern sich in der Population geradezu an. Da ist das Letzte Wort in Bezug auf das Aussterben einer Spezies noch lange nicht gesprochen.

Auch davon handelt dieses Buch. Und vom erstaunlichen Sexleben der Austern. Aber das sagte ich ja bereits.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Donnerstag, 6. August 2026

Spektrum der Wissenschaft-Redaktion (Hrsg): Massenaussterben

Reset für das Leben

Hatten wir das Thema nicht gerade noch? Richtig: Auch im Spektrum - kompakt "Paläoklima" war das ein zentraler Aspekt. Hier werden Rahmenbedingungen für Massenaussterben unter die Lupe genommen und mit den sich verändernden Rahmenbedingungen von heute in Beziehung gesetzt. Die Zentrale und quälende Frage lautet: Wird die Menschheit von einem Massenaussterben in ihrer Existenz bedroht?

Ich mache mir heute ausnahmsweise einen schlanken Fuß und lasse Spektrum-Autor Lars Fischer für mich antworten:

"Die Menschheit wird aussterben, das ist sicher Erdgeschichte zeigt nachdrücklich, dass Arten nicht unendlich lange existieren, und die Idee, dass wir durch irgendeine intrinsische Besonderheit davon ausgenommen wären, gehört eher in den Bereich der Religion. Unsicher ist nur, wann und wie das Ende kommt. Dass der Klimawandel die Menschheit aussterben lassen könnte, ist nicht grundsätzlich abwegig, einfach weil drastische Klimaveränderungen und Aussterben von Arten erdgeschichtlich vermutlich eng zusammenhängen. Ob es dabei tatsächlich die Menschheit erwischt, ist aber schwierig einzuschätzen. Derzeit leben knapp acht Milliarden Menschen auf der Erde, und die – im Stil einer filmreifen Apokalypse – durch eine große Katastrophe binnen weniger Monate oder Jahre alle umzubringen, ist nahezu unmöglich. Ein wirklich riesiger Asteroid oder die knapp 15 000 Atombomben weltweit hätten zugegebenermaßen eine faire Chance. Doch das Erste ist sehr unwahrscheinlich, und das Zweite wäre geschummelt."

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Freitag, 31. Juli 2026

Spektrum der Wissenschaft-Redaktion (Hrsg): Paläoklima

Der Blick zurück für die Zukunft

Augenblick mal: Paläoklima? Wen interessiert denn sowas?

Der Blick in die Vergangenheit lohnt sich auf alle Fälle. 

Einerseits können computergestützte Klimamodelle damit geeicht werden. Kennt man zum Beispiel die Rahmenbedingungen der letzten 1000 Jahre und den Temperaturverlauf (und das kennt man inzwischen ziemlich genau), kann ich ein Modell zu einem Zeitpunkt vor 1000 Jahren starten und bis heute rechnen lassen. Kommt es für die Jetztzeit zu realistischen Werten, haben wir es vermutlich mit einem sehr genauem Klimamodell zu tun, und die Werte, die es für die Zukunft berechnet, werden wahrscheinlich ebenfalls genau sein.

Andererseits hilft der Blick zurück die komplexen Wechselwirkungen zu verstehen zwischen der Biosphäre, der Geologie, dem Boden, den Gewässern und eben dem Klima. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen lassen sich nicht nur die Klimamodelle verfeinern, es lassen sich auch klarere Prognosen für eine sich verändernde Umwelt in der Zukunft stellen.

Die Methoden die inzwischen bei der Erforschung des Klimas vergangener Epochen zum Einsatz kommen sind beeindruckend und werden ebenfalls in diesem Themenheft angerissen. Das ist alles sehr spannend!

Wenn Ihnen also mal wieder ein rechter Klimawandelleugner unter die Nase reibt, es habe schon immer Klimaveränderungen gegeben, dann haben Sie bitte im Hinterkopf: er hat Recht. Was er allerdings verschweigt oder vermutlich auch nicht weiß ist, dass Klimaveränderungen in der Erdgeschichte immer mit dem Auslöschen ganzer Ökosysteme und den darin lebenden Arten verbunden waren. In der Paläontologie kennt man sogar inzwischen fünf Klimawandelereignisse, bei denen es zu Massenaussterben von bis zu 90% aller Arten gekommen ist. Was er ebenfalls verschweigt oder vermutlich auch nicht weiß ist, dass es noch nie eine Species gegeben hat, die alleine für ein solches Ereignis verantwortlich war und von dem die Erde sich schon fünf Mal erholt hat, dafür aber jeweils mehrere Millionen Jahre benötigt hat.

Wenn Sie also mit Klimaschwurblern diskutieren möchten, dann lesen Sie dieses Spektrum Kompakt. Wenn Sie mit solchen Leuten nicht reden, sollten Sie es ebenfalls lesen.