Samstag, 17. Juli 2021

Ralf König: Lucky Luke - Zarter Schmelz

Lucky Luke, der Mann, der schneller zieht als sein Schatten, wird 75. Unfassbar! Ralf König zeichnet zu diesem feierlichen Anlass eine Hommage an den Comic-Klassiker des Belgiers Morris. Viele aus diesem und anderen Zusammenhängen bekannte Figuren des Wild-West-Genres geben sich ein Stelldichein. Liebevoll werden Macho-Klischees auf den Arm genommen und bekannte Spielfilme zitiert. Der Zeichner setzt sich ganz nebenbei mit den Sorgen und Nöten von gleichgeschlechtlich Liebenden in einem heterosexuell geprägten Umfeld auseinander, aber auch mit ihren Freuden und emotionalen Highlights. Schöne Natur kommt auch vor und ungewöhnlich gefärbte Kühe. Nur so nebenbei: Der Jubilar sieht für seine 75 Lenze noch immer verdammt gut aus. Und wir erfahren endlich, warum er trotz seiner Schönheit der „poor lonesome cowboy“ ist und auch immer bleiben wird.


Ich werde den Teufel tun, und hier die Handlung  eines Comic-Buchs anerzählen. Das müsst ihr schon selber lesen, denn ich empfehle es uneingeschränkt.


Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Sonntag, 4. Juli 2021

Barack Obama: Ein verheißenes Land

Dass ein Staats- oder Regierungschef nach dem Ende seiner Amtszeit die Ereignisse während seiner Regierungszeit aus seiner Perspektive darstellt, ist meines Erachtens noch nichts Besonderes. Anders sehe ich das bei diesem Mann. Solange ich denken kann hat kein amerikanischer Präsident so viele Hoffnungen geweckt wie der Vierundvierzigste, keiner hat bei seinen Gegnern ähnliche Ängste allein durch seine bloße Existenz hervorgerufen und gegen keinen anderen mir bekannten US-Präsidenten wurden bislang eine derart hemmungslose Schmutzkampagnen geführt.

Er schildert den Ablauf des Wahlkampfs und die wichtigsten Ereignisse seiner zwei Amtsperioden, er zeigt auf, welche Opfer seine junge Familie bringen musste und erläutert die Sachzwänge, welche ihm in seiner Amtszeit Kompromisse abnötigten oder die Erfüllung von Wahlkampfversprechen gar unmöglich machten. 

Dieser Blick hinter die präsidialen Kulissen erweist sich als äußerst lehrreich und lässt sich wohl - in abgewandelter Form - auch auf die Regierenden in Europa übertragen. Einmal mehr wird mir klar, dass ich als Schulmeister genau den richtigen Beruf gewählt habe. Nie und nimmer möchte ich mit einem Politiker tauschen müssen. 

Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

Freitag, 4. Juni 2021

Lena Greiner, Carola Padtberg: Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag


Von Helikopter-Eltern und Premium-Kids

Die Autorinnen betreiben eine Kolumne zu diesem Thema auf Spiegel-Online und haben in diesem Buch vieles zusammengestellt, was einen Pädagogen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen lässt. 

Und ja: Diese Art Eltern gibt es wirklich. Ich sehe sie täglich, wie sie mit ihren dicken SUVs die Kinder direkt gegenüber der Schultüre in der unübersichtlichen Kurve (im absoluten Halteverbot) aussteigen lassen und damit ihre lieben Kleinen ebenso gefährden wie andere Verkehrsteilnehmer. Sie tragen ihren Kindern die Schulranzen bis ins Klassenzimmer oder sitzen im Schulflur herum und warten auf die nächste Pause, um ihren Schützling den vergessenen Turnbeutel zu bringen. Und dabei ist diese Gattung, nennen sie wir einfach "Transporthubschrauber", noch die harmlosere Variante. Viel anstrengender sind die Kampfhubschrauber: Sie kreisen in der Nähe und stürzen sich auf jeden, der ihren Ablegern vermeintliches Unrecht tut. Niemand ist vor ihren Angriffen sicher: Nicht Mitschüler, nicht deren Eltern und schon gar nicht Lehrer*innen. Egal ob sie eine Note oder eine pädagogische Maßnahme ungerecht finden, stets drohen sie mit dem Anwalt (bzw. sind selber Juristen) oder mit ihren guten Beziehungen zu Politik und Verwaltung. Es wundert nicht, dass solche Kinder oft völlig unzugänglich für unser pädagogisches Handeln sind. Und dann gibt es noch die Rettungshubschrauber, die jede Gefahr von ihren Zöglingen abwenden wollen. Sie gehen beim Wandertag mit, selbstverständlich bewaffnet mit allerlei Lebensmitteln, Getränken und einem Erste-Hilfe-Set. Sie fahren mit auf die Klassenfahrt, kampieren gar im Wohnmobil vor der Jugendherberge, nur für den Fall, dass der liebe Kleine Heimweh bekommt. Und wenn es denn soweit ist, nehmen sie Quartier im Haus und nächtigen neben ihrem Kind. Das waren übrigens alles Beispiele, die ich NICHT dem Buch entnommen habe, sondern meinen eigenen Berufserfahrungen.

Die stetige Zunahme dieses Phänomens ist einer der Gründe, warum ich mit dem Gedanken spiele, vorzeitig aus dem Berufsleben auszusteigen. 

Wer das verstehen will, sollte das Buch lesen.