Freitag, 18. Oktober 2013

Manfred Spitzer: Digitale Demenz

Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen

Der Psychiater und Neurowissenschaftler Spitzer erläutert in seinem umstrittenen Buch, welche negativen Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung der frühzeitige und exzessive Konsum digitaler Medien bei Kindern und Jugendlichen hat. Er legt dar, dass dieser Konsum nicht nur nicht nützlich ist, sondern kurz- mittel und langfristig äußerst schädlich. Da er seine leidenschaftlich vorgetragenen Thesen mit überprüfbaren wissenschaftlichen Quellen untermauert, besteht für mich kein Grund, ihm das nicht zu glauben. Immerhin ist er Fachmann auf dem Gebiet der Neurobiologie, und kann somit die Relevanz der zitierten Studien einschätzen.


Ein erschreckendes Buch, das zu lesen ich meinen Kolleginnen und Kollegen ebenso dringend empfehle wie Eltern von Kindern und Jugendlichen.

Freitag, 11. Oktober 2013

Andreas Izquierdo: Das Doppeldings

Einen Rennradfahrer erwischt es auf geradezu unglaubliche Art und Weise: Er fährt mit hoher Geschwindigkeit auf ein stehendes Auto auf und fällt durch die hintere Scheibe des Wagens. Dabei wird er von zahlreichen Glasscherben getroffen, eine davon bleibt in seiner Halsschlagader stecken und verschließt die dabei entstandene Wunde nach außen. Er verblutet innerlich.
Der Reporter Jupp Schmitz erscheint für das Dörresheimer Wochenblatt an der Unfallstelle. Er findet eine fremdartig aussehende, schwere Silbermünze in der Nähe des Unfallorts und steckt diese ein. Bald darauf bekommt er ebenso unerwarteten wie unerwünschten Besuch in seiner Wohnung.

Die Eifelkrimis des Herrn Izquierdo sind originell, spannend und lustig. Der Autor hält den Leser nicht künstlich dumm, sondern gibt ihm von Anfang an die gleichen Hinweise, die auch seine Protagonisten erhalten. So kann man mitknobeln und ggf. den Fall selbstständig lösen. Aber das ist nicht einfach.

Unbedingt lesen!

Freitag, 4. Oktober 2013

Josef Kraus: Helikoptereltern

"Die Jugend ist verdorben, gottlos und faul. Mit ihr wird es uns nicht gelingen, unsere Kultur zu erhalten." So steht es auf einem 5000 Jahre alten babylonischen Tonziegel zu lesen. Diese Einschätzung klingt taufrisch und aktuell, und letzten Endes hatte der unbekannte Autor sogar Recht: Die babylonische Kultur ist tatsächlich untergegangen.

Aber das Zitat zeigt noch mehr: Das Gejammer der jeweiligen älteren Generation über den Nachwuchs ist ein zeitloses Phänomen, vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Man sollte es also nicht überbewerten, wenn Jugendliche nicht in allem den Erwachsenen nacheifern und sich von diesen bewusst distanzieren. Dennoch lohnt es sich, einen kritischen Blick auf junge Menschen zu werfen, und sie nicht in allem gewähren zu lassen. Dafür sind wir schließlich Erzieher, Lehrer, Verwandte und Eltern.

Josef Kraus, Schulleiter, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und somit sicher ein Profi, widmet sich in seinem Buch den in den letzten Jahren immer häufiger zu beobachtenden Problemen wie Unselbstständigkeit, Frustrationsintoleranz sowie abnehmende Lebenstüchtigkeit bei jungen Menschen. Bei der Suche nach den Ursachen setzt er bei solchen Eltern an, die ihre Kinder überbehüten und verhätscheln. Er nimmt aber auch kein Blatt vor den Mund wenn es um die Kritik am immer weniger fordernden Bildungssystem geht.

Vieles kommt mir als Lehrer bekannt vor, einiges habe ich selbst schon erlebt und beobachtet. Mit seinen Erklärungsversuchen hat mir Herr Kraus nun wertvolle Hilfen zum Umgang mit solchen Kindern bzw. ihren Eltern an die Hand gegeben.

Ein wichtiges und spannendes Buch.

Unbedingt lesen!