Freitag, 27. Dezember 2024

Metin Tolan: Die STAR TREK Physik

Warum die Enterprise nur 158 Kilo wiegt und andere galaktische Erkenntnisse

Wenn kein geringerer als der Physiker, Hochschullehrer und ehemalige Präsident der Universität Göttingen ein Buch über die Physik bei STAR TREK verfasst, dann sollte man nicht unbedingt leichte Kost erwarten. Es geht dem bekennenden Trekkie darum, möglichst viele der technischen Errungenschaften des STAR-TREK-Universums daraufhin abzuklopfen, ob sie auf der Basis der bekannten Gesetzmäßigkeiten der Physik zumindest denkbar wären. Und zwar unabhängig von ihrer ingenieurtechnischen Umsetzbarkeit und unabhängig vom notwendigen Energieeinsatz. 

Als Lehrer ist er clever genug, jedes Kapitel erst einmal weitgehend umgangssprachlich erfassbar zu gestalten, auch als nicht-Physiker konnte ich den Grundaussagen eines jeden Kapitels weitgehend folgen. Den harten Stoff, die "Physik mit Brusthaar", lagert er innerhalb jeden Kapitels aus in Abschnitte die er "Details für Besserwisser" nennt. Er baut das so auf, dass man ihm selbst dann gut folgen kann, wenn man diese "Besserwisser"-Abschnitte konsequent überspringt. 

So bekommt man eigentlich zwei Bücher in einem: Eine unterhaltsame Trekkie-Lektüre und ein überaus nerdiges Physikbuch. Und selbst wenn man die besagten Abschnitte überspringt lernt man noch eine Menge über die Relativitätstheorie und über Quantenphysik. 

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Samstag, 14. Dezember 2024

Nadia Menze: Zur Anatomie der Karikatur

Nadia Menze ist für mich der kommende Shooting Star der Karikaturenszene. Viele ihrer intelligenten und im besten Sinne bösartigen Werke kenne ich, denn sie hat bereits zahllose Illustrationen veröffentlicht. In ihrem ersten Buch erklärt sie uns so ganz nebenbei, welche Tricks sie verwendet, um gute Pointen noch besser zu machen. 

Bald werden wir sicher von ihr sprechen als "die große Nadia Menze". Dieses Attribut habe ich bisher nur einem Cartoonisten zugebilligt, aber der ist inzwischen leider viel zu früh verstorben. 

Ein wundervolles Buch!

Lesen, und zwar unbedingt und sofort. 

Dienstag, 10. Dezember 2024

John Tuson: the zoos of germany

Normalerweise äußere ich mich nicht zu Büchern, die ich nicht vollständig gelesen habe. Aber manchmal eben doch, nämlich wenn ich schon beim ersten Reinblättern merke, wie erstklassig es ist. Oder wenn es sich eher als Nachschlagewerk versteht: Einen Reiseführer oder ein Kochbuch würde man ja auch nicht verschlingen wie einen Roman, da gelten andere Regeln. In diesem Fall treffen beide Gründe zu: Es ist ein ganz wunderbares Buch und es versteht sich als Nachschlagewerk. 

Der Autor besuchte über 50 Zoos in Deutschland. Dabei entstanden oft ausgezeichnete Fotos die sich in dem prächtigen Werk bewundern lassen. Jedes Kapitel enthält zunächst einen geschichtlichen Abriss des Tierparks mit historischem Bildmaterial und ausgezeichnet recherchierten Fakten. Dabei spart er auch unbequeme und unrühmliche Kapitel nicht aus, wie zum Beispiel die unsäglichen und rassistischen "Völkerschauen" des Zoo Berlin, wo man tatsächlich lebende Menschen aus aller Herren Länder begaffen konnte. Dann erläutert er die Besonderheiten jedes Zoos, bemerkenswerte Exponate und Konzepte. In einem abschließenden Absatz zieht er ein Resümee, welches in der Regel sehr wohlwollend ausfällt. Im Anhang listet er noch die wichtigsten Wildparks Deutschlands zusammenfassend auf.

Man kann über Zoos denken, was man will. Man kann sie als Tierknäste sehen, in denen verstörte Elefanten den ganzen Tag mit dem Kopf wackeln, psychotische Raubkatzen 24/7 nur drei Meter auf und ab laufen oder hospitalistische Gorillas ohne Unterlass masturbieren. Aber es gibt nun einmal Zoos, und die erfüllen - bei aller berechtigten Kritik - auch ein paar wichtige Aufgaben. Deshalb begrüße ich es, dass der Autor ein kritisches Auge darauf wirft, lobenswerte Entwicklungen hervorhebt (vielleicht als Anregung für andere Zoos) und entsprechende Empfehlungen ausspricht. 

Ein ganz wunderbares Buch, aber das sagte ich ja bereits. Wer des Englischen einigermaßen mächtig ist: Lesen, und zwar unbedingt und sofort!