Samstag, 13. September 2014

Derek Meister: Todfracht

Im Jahr 1393 wird der Handel in Lübeck durch Piraten blockiert, große Not herrscht unter der Bevölkerung, denn Lebensmittel werden schier unbezahlbar. In einer Sickergrube wird die Leiche einer jungen Hübscheren gefunden, gerade so, als habe man sie nach Gebrauch entsorgt. Die Folterspuren an ihrem drangsalierten Körper sind für den Fachmann Rungholt unübersehbar. Nicht zuletzt weil ihn sein alter Widersacher Kerkring mit der Preisgabe seiner dunkelsten Geheimnisse und Sünden aus früherer Zeit erpresst, nimmt der Bluthund seine Spur auf. Bald erkennt er, dass es um mehr geht als um eine ermordete Prostituierte. Um viel mehr. Für Rungholt und seine Helfer werden die Ermittlungen lebensgefährlich.

Ich will es kurz machen: Eine bis zum Nägelkauen spannende Kriminalgeschichte, eingebettet in ein überzeugendes historisches Szenario. Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Mittwoch, 27. August 2014

Jürgen Mathäß: Kastanienbusch

Es ist kurz vor einem großen Fest an der Weinstraße, dem "Birkweiler Weinfrühling". Die Zelte für das Verköstigen der Gäste mit kulinarischen und flüssigen Spezialitäten sind schon aufgebaut, die südliche Weinstraße ist bereit für den Ansturm der Gäste. Kurz nach Sonnenaufgang wird von einem der Helfer in einem Wingert der Lage Kastanienbusch ein ermordeter junger Mann aufgefunden. Komissar Jan Badenhop, erst vor weniger als einem Jahr an die Weinstraße versetzt, ermittelt nun schon in seinen zweiten Fall im Winzermilieu. Ein Wenig fremd ist ihm diese Welt immer noch, aber er hat sich inzwischen gut eingelebt.

Die Ermittlungen decken nicht nur Details in einem immer rätselhafter werdenden Mordfall auf, sie beleuchten auch halblegale bis illegale Machenschaften eines Winzers der seine Cuvés aus zugekauften spanischen Weinen als sortenreinen Riesling vermarkten will. Der Fall wird immer kniffliger.

Herr Mathäs versteht es, so viel Insiderwissen und Lokalkolorit in einen spannenden Kriminalroman einzuflechten, dass sich das Lesevergnügen glatt verdoppelt. Seine Beschreibungen von gastronomischen Highlights an der Weinstraße sind so einladend und präzise, dass ich seine beiden Romane nicht zuletzt auch als kulinarischen Führer durch meine Wahlheimat interpretiere und auch nutze. Auch vor meiner nächsten Visite in Barcelona werde dieses Buch sicher noch einmal durchblättern und mir dabei Notizen machen. Sehr zu empfehlen, fünf goldene Kochmützen und alle verfügbaren Daumen nach oben.
Lesen, und zwar zackig!

Sonntag, 17. August 2014

Bernd Franzinger: Schultheater

Irene Graupeter, Lehrerin in Kaiserlautern, wird besonders grausam ermordet: Am Ende des Schuljahres in eine Toilettenkabine ohne Wasser eingesperrt, muss sie qualvoll verdursten. Sie wird erst am Ende der Ferien entdeckt. Tannenberg grenzt den Kreis der Verdächtigen ein auf eine Gruppe von etwa gleich alten Personen aus dem Umfeld der Ermordeten, die sich alle schon sehr lange kennen. Doch zunächst erkennt er nicht, welches der gemeinsame Nenner ist, der diese Personen wirklich verbindet.

Tannenberg hatte in vielen seiner früheren Fälle wahnsinnige Serientäter zu entlarven. Eine Weile trägt das eine Krimiserie, aber nicht ewig. Irgendwann wird auch der Umgang mit irren Mördern langweilig. Deshalb freut es mich, das es in diesem Roman um einen vergleichsweise "normalen" Mordfall geht  - sofern man bei Mord überhaupt von "normal" sprechen kann. Über die Unkenntnis des Autoren, an welche gesetzlichen Rahmenbedingungen sich ein Vertretungsplaner zu halten hat, kann ich als Fachmann lächelnd hinwegsehen, zumal der Autor in seine Handlung ein paar durchaus klare Worte zur Entwicklung des Rheinland-Pfälzischen Bildungssystems einfließen lässt.

Ein unterhaltsames und gut geschriebenes Buch. Lesen!