Erfolgreicher Naturschutz
Nach all den apokalyptisch anmutenden Themenheften zum Thema Massenaussterben hatte ich mich regelrecht gefreut auf dieses Heft. "Endlich auch mal gute Nachrichten!" dachte ich. "Endlich mal ein Heft, das nicht von Tod und Verderben und der Auslöschung ganzer Lebensgemeinschaften handelt." Ein Hoffnungsschimmer!
Ab er da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. So einfach ist das leider nicht. Bei einem relativ robusten Nahrungsopportunisten wie der Europäischen Auster mag die Wiederansiedlung im ursprünglichen Lebensraum noch funktionieren. Austern sind Filtrierer, die organische Schwebstoffe aus dem Wasser sieben. Ob diese Schwebstoffe aus einem intakten Ökosystem kommen oder nicht, ist ihnen Wurst - sie gedeihen.
Wo wir gerade bei diesem Thema sind: Austern haben eine sehr interessante Sexualität. Da habe ich echt noch etwas gelernt. Man könnte sagen, dass sie es mit der sexuellen Orientierung nicht so genau nehmen. Fast so wie in Ursula K. Le Guins Roman "Winterplanet" - den könnte ich auch noch einmal lesen.
Ich schweife mal wieder ab.
Aber: Auch wenn eine Auswilderung von Tieren oder Pflanzen in ihrem natürlichen Lebensraum zunächst geling, heißt das nicht, dass diese langfristig erfolgreich ist. Einerseits sind die Lebensräume oft viel zu stark vom Menschen beeinflusst, zerschnitten und destabilisiert. Andererseits gehen die ausgewilderten Populationen oft nur aus wenigen Individuen hervor. In der Evolution nennt man das einen Genetischen Flaschenhals. Inzucht bleibt nicht aus und vererbbare Krankheiten reichern sich in der Population geradezu an. Da ist das Letzte Wort in Bezug auf das Aussterben einer Spezies noch lange nicht gesprochen.
Auch davon handelt dieses Buch. Und vom erstaunlichen Sexleben der Austern. Aber das sagte ich ja bereits.
Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

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