Samstag, 3. November 2012

Jürgen Mathäß: Pechstein

Johann Wergers ist aufgeregt: Die Rieslingtrauben für seinen Pechstein haben sich exzellent entwickelt. Mit mit diesen Trauben kann er einen Riesling keltern, mit denen er sein kleines Weingut an die Spitze der Pfälzer Weinbauern katapultiert, ganz nach oben auf die Bestenliste der Weinjournalisten. Doch kurz vor der Ernte macht sein junger Kellermeister eine furchtbare Entdeckung: Die Trauben wurden gestohlen. Nicht nur ein paar Kilos, von gierigen Wanderern entwendet, sondern zweieinhalb Tonnen, in einer mondhellen Nacht von Hand geschnitten und heimlich abtransportiert. Hier waren keine Mundräuber am Werk, hier will jemand selbst als Spitzenwinzer reüssieren - mit den Trauben von Wergers. Der Winzer tobt! Doch hat er nicht lange Zeit, sich über den Verlust des besten Teils seiner Ernte zu grämen. Einige Zeit später findet man ihn tot auf den Stufen eines Hauses in seinem Heimatdorf Forst. Dass die Bewohnerin dieses Hauses ein Verhältnis mit dem verheirateten Winzer hatte, bringt den ermittelnden Kommissar Badenhop, soeben aus seiner Hamburger Heimat in die Pfalz versetzt, auf eine erste Spur. Doch er tut sich zunächst schwer mit den Gepflogenheiten in dem für ihn so fremdartigen Landstrich. Und dass er nicht eben ein ausgewiesener Weinkenner ist, ist in diesem Fall äußerst hinderlich, denn schließlich dreht sich in der Pfalz alles um den Rebensaft. Insbesondere in diesem Mordfall.

Von dem, was Jürgen Mathäß in seinem ersten Kriminalroman beim Emons-Verlag vorlegt, können sich viele seiner Autorenkollegen mehr als eine Scheibe abschneiden. Sein Wissen um die Pfalz und ihre Weinszene ist nicht hastig zusammenrecherchiert, sondern wurzelt in jahrzehntelanger Tätigkeit als Weinjournalist. Er ist ein ausgewiesener Fachmann, trotzdem erschlägt er den Leser niemals mit seinem Fachwissen, sondern behält immer den Kriminalfall im Auge. Dieser ist kompliziert konstruiert, spannend geschrieben und lädt durch logischen Aufbau und eingestreute Hinweise zum Mitraten ein. Zeitweise liest sich der Roman auch wie ein Restaurant- und Weinführer, vermutlich werde ich das Buch noch einmal lesen, und zwar mit einem Textmarker bewaffnet.

Ein tolles Buch!
Unbedingt lesen, und zwar sofort!

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