Sonntag, 20. April 2014

Derek Meister: Flutgrab

Wir schreiben das Jahr 1394. Der Sommer in Lübeck ist ausgesprochen kühl und verregnet, Piraten blockieren den Ostseehandel der Hansestadt, es herrscht eine Hungersnot. Unter mysteriösen Umständen verschwinden mehrere Kinder, eines davon taucht wieder auf und wird kurz darauf auf bestialische Weise abgeschlachtet.

Der Patrizier Rungholt steht in der Kreide beim unbeliebten Geldverleiher d'Alghieri und kann wegen der angespannten Lage seine Schulden nicht begleichen. D'Alghieri bittet ihn im Gegenzug für seinen Langmut um einen Gefallen: Rungholt soll ihm bei der Wiederbeschaffung entwendeter Edelsteine behilflich sein. Gelingt ihm das, wird ihm weitere Zeit zur Beschaffung von Geld eingeräumt. Bleibt er erfolglos bei der Suche nach dem Dieb, gehen sein Haus, seine Brauerei und sein Schiff in den Besitz des Bankiers über.

Rungholt wähnt sich im Vorteil: Das Aufklären eines einfachen Diebstahls sollte ein Kinderspiel sein im Vergleich zu anderen Fällen, die er bereits gelöst hat. Doch ganz so einfach wie er glaubt ist der Fall nicht gelagert. Mehr und mehr Verbindungen zu den verschwundenen Kindern werden deutlich und die Zeit läuft ihm davon.

Ein ausgesprochen spannendes Buch. Der historische Hintergrund der Geschichte ist gut recherchiert  und sprachlich ist sie ein Leckerbissen.

Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Donnerstag, 3. April 2014

Derek Meister: Knochenwald

Im Jahr 1392 erreicht der Lübecker Patrizier Rungholt als Pilger München. Er ist auf der Suche nach Vergebung für seine Sünden. Außerdem will er nach seiner Tochter sehen, die Jahre zuvor den Münchener Flößer Utz Bacher geheiratet hat. Seine schlimmsten Befürchtungen bezüglich ihres sozialen Abstiegs bewahrheiten sich. Und so geraten die beiden Männer bald aneinander.

Nicht zuletzt wegen seines cholerischen Tempraments wird er aus der Wallfahrtskirche geworfen und erhält Hausverbot. In der Hoffnung, nachts von einem Goldschmied heimlich bei den Reliquien eingelassen zu werden lässt er sich darauf ein, sich auf die Suche nach der verschwundenen Frau des Handwerkers zu machen. Eine lange und gefährliche Odyssee durch das mittelalterliche München beginnt.

Ein spannendes und interessantes Buch!

Lesen, und zwar sofort.

Samstag, 15. März 2014

Sebastian Thiele: Die Hexe vom Niederrhein

Im Winter 1642 tobt am Niederrhein der Dreißigjährige Krieg. Auch die Bewohner der kleinen Stadt Kämpen fürchten um Hab und Gut, um Leib und Leben. Eigentlich geht es dem jungen Schmied Lorenz nicht schlecht in diesen Zeiten. In der Schmiede seines Vaters gibt es für ihn und seinen Bruder reichlich Arbeit, denn die Stadtwache und auch befreundete Heere wollen mit Musketen ausgestattet und ihre Pferde beschlagen werden. Außerdem retten die Brüder nach dem sonntäglichen Kirchgang die schöne Tochter des Statthalters vor zwei durchgegangenen Pferden. So kommen sie in den Genuss einer Einladung in dessen Privathaus. Aber nicht die von allen jungen Männern des Ortes angehimmelte Elisabeth hat es ihm angetan, er verliebt sich vielmehr in ihre geheimnisvolle und kluge Adoptivschwester Antonella. Doch als in der Nähe seiner Heimat ein hessisches Söldnerheer auftaucht, wir ihm der volle Ernst der Lage deutlich. Er trifft eine folgenschwere Entscheidung.

Der Horror eines lange andauernden Religionskrieges, bittere Not und Armut der Menschen in dieser Zeit sowie Aberglaube und Hexenwahn stehen in der Handlung dieses spannenden Romans im Vordergrund. Das ist eine Zeit, in der ich nicht gelebt haben möchte.

Ein gutes Buch! Unbedingt lesen!