Dass ausgerechnet im Jahr 1980 ein Buch auf den Markt gebracht wird, welches das soeben zerstörte alte Neustadt von seiner besten Seite zeigt, ist schon ein kleines Bisschen ironisch. Das Vorwort dieses Buches allerdings, von niemand anderem als dem damaligen Chef-Flächensanierer und Neustadter Oberbürgermeister Wolfgang Brix höchstpersönlich verfasst, ist an Zynismus kaum noch zu überbieten.
Es kommt mir vor, als würde uns hier einer der Hauptverantwortlichen dieses denkmalschützerischen Kahlschlags eine lange Nase drehen.
Wie dem auch sei: Die Bildauswahl des Herrn Berzel ist hervorragend, fast alle hübschen und ehemals hübschen Ecken der Altstadt sind in dem Buch vertreten. Schade, dass dieses schöne Buch nur noch antiquarisch zu erstehen ist.
Wer als Neustadter die Gelegenheit erhält, seiner habhaft zu werden, der sollte unbedingt zugreifen.
Sonntag, 27. November 2011
Samstag, 19. November 2011
Waldemar Lyszio: Lust auf Neustadt
Der seit 60 Jahren in Neustadt lebende Autor wagt ein Experiment: Er kombiniert historische Aufnahmen aus dem Stadtarchiv Neustadt mit aktuellen Fotografien der Stadt in Form von verblüffenden Fotomontagen. Erst durch die Montage werden Lagebziehungen von verschwunden Teilen der historischen Altstadt deutlich. Erst durch diesen Trick wurde mir das ganze Ausmaß der Zerstörung meiner Wahlheimat, v. A. in den 70er Jahren, ganz bewusst. Aber dieses Buch ist nicht nur eine Anklage. Es zeigt auch Perspektiven auf und ist somit ein leidenschaftlicher Appell an die zuständigen Stadtplaner, sich von historischen Gegebenheiten inspirieren zu lassen. Als Beispiel sei hier der behutsamen Rückbau der Verrohung des Speyerbachs genannt, der heute ja nur noch ein kümmerliches Dasein als Kanalbewohner fristet.
Ein schönes und wichtiges Buch, dass ich jedem Freund dieser immer noch schönen Stadt wärmstens empfehlen möchte. Und zwar nicht nur, weil mein Mopped drin vorkommt ;-)
Hier seien wieder einmal ein paar Zeilen in eigener Sache erlaubt:
Wer das Datum dieses Eintrags mit dem des letzten besprochenen Buches vergleicht, dem fällt vielleicht die für meine Verhältnisse recht große Zeitspanne zwischen diesen beiden Einträgen auf. Nur damit sich niemand Sorgen macht: Ich lese immer noch viel, bin immer noch der alte Bücherfresser. Leider habe ich aber neulich bei einem Spontankauf in einer Bahnhofsbuchhandlung einen Schmöker erwischt, den langweilig zu nennen wohl noch geschmeichelt wäre. Viel zu lange habe ich mich mit diesem Werk herumgequält, bevor ich mir eingestanden habe, dass ich es nicht zuende lesen werde. Nur der Anstand und mein selbst gefasster Vorsatz, hier keine Verrisse zu schreiben, verbieten es, den Titel des Buches hier an den Pranger zu stellen. Danach habe ich mir die spannende und sehr umfangreiche Biographie von Steve Jobs vorgenommen. Doch das braucht halt seine Zeit. Zwischendurch werde ich immer wieder mal etwas von mir hören lassen, indem ich kleinere oder weniger textlastige Bücher bespreche.
Ein schönes und wichtiges Buch, dass ich jedem Freund dieser immer noch schönen Stadt wärmstens empfehlen möchte. Und zwar nicht nur, weil mein Mopped drin vorkommt ;-)
Hier seien wieder einmal ein paar Zeilen in eigener Sache erlaubt:
Wer das Datum dieses Eintrags mit dem des letzten besprochenen Buches vergleicht, dem fällt vielleicht die für meine Verhältnisse recht große Zeitspanne zwischen diesen beiden Einträgen auf. Nur damit sich niemand Sorgen macht: Ich lese immer noch viel, bin immer noch der alte Bücherfresser. Leider habe ich aber neulich bei einem Spontankauf in einer Bahnhofsbuchhandlung einen Schmöker erwischt, den langweilig zu nennen wohl noch geschmeichelt wäre. Viel zu lange habe ich mich mit diesem Werk herumgequält, bevor ich mir eingestanden habe, dass ich es nicht zuende lesen werde. Nur der Anstand und mein selbst gefasster Vorsatz, hier keine Verrisse zu schreiben, verbieten es, den Titel des Buches hier an den Pranger zu stellen. Danach habe ich mir die spannende und sehr umfangreiche Biographie von Steve Jobs vorgenommen. Doch das braucht halt seine Zeit. Zwischendurch werde ich immer wieder mal etwas von mir hören lassen, indem ich kleinere oder weniger textlastige Bücher bespreche.
Samstag, 8. Oktober 2011
Heinrich Steinfest: Die Haischwimmerin
"Fußball ist eine Krankheit, die über die Welt gekommen ist. Die Eleganz, die Grazie, die Intelligenz dieses Spiels ist ein Gerücht, das sich tagtäglich im Fernsehen als bloßes entlarven lässt. Es braucht auch nicht zu verwundern, dass selbst hochbezahlte Profis sich am Spielfeld und anderswo auf die schändlichste Weise benehmen und vor aller Augen Tätlichkeiten begehen. Das Begehen dieser Tätlichkeiten stellt ja den Sinn dieses Sports dar, wie die dauernden strukturgebenden Unterbrechungen beweisen. Die Spieler einer Mannschaft sind weniger auf das eigene Spiel konzentriert, das eigene Ballvermögen, als auf die Behinderung des Spielflusses des Gegners. Sogenannte geniale Spielzüge, Doppelpässe, Dribbeleien, famose Sturmläufe etc. sind ein Begleitprodukt, ein aus dem Handlungszwang der ballbesitzenden Mannschaft resultierendes Ornament. Die eigentliche Aktion allerdings geht immer von jenem Team aus, welches sich eben nicht im Ballbesitz befindet. Wenn ein Tor entsteht, dann dadurch, daß ein angreifender Spieler nicht rechtzeitig gefoult wurde. Die einzige Raffinesse besteht im Fußball darin, Gemeinheiten zu begehen, sich aber nicht erwischen zu lassen, beziehungsweise vorzutäuschen, Opfer einer solchen Gemeinheit geworden zu sein. Fußball spiegelt die leidenschaftlich-kriminelle Verankerung des Menschen wider."
Lilli Steinbeck, die schöne Polizistin mit der Klingonennase ist wieder da. Also eigentlich war sie immer schon da, war aber in dem bizarren Krimiuniversum des Herrn Steinfest zeitweise nicht sichtbar. Gerüchten zufolge wurde sie entführt und gefangen gehalten. Folgerichtig beginnt der Roman auch in weit zurück liegender Vergangenheit. Er klärt uns darüber auf, wie Lilli zu ihrer beeindruckenden Gesichtsverformung und zu einer weiteren, ebenso schlecht heilenden wie unsichtbaren Verwundung gekommen ist. Diese Vorgeschichte verbindet sich über einen großen, mehrere Jahrzehnte umfassenden Bogen mit der Gegenwart der Romanhandlung. Ivo, ein früherer Freund und Liebhaber Lillis, ist inzwischen ein Baumpfleger. Eine international anerkannte Koryphäe auf seinem Gebiet, der in der Regel seinen Pfleglingen nicht mit Säge und Axt zu Leibe rückt, sondern mit der puren Überzeugungskraft des gesprochenen Wortes. Er verständigt sich mit seinen Patienten, überredet sie, in eine andere als die den Straßenbau behindernde Richtung zu wachsen, erklärt ihnen die Notwendigkeit der Abwehr von Schädlingen oder Ähnliches. Wegen dieser besonderen Fähigkeit erhält er einen geheimnisvollen Auftrag, der ihn in die Weiten Sibiriens führt. Dort soll er eine besondere Lärche suchen und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln nach Europa bringen. Doch er findet weit mehr: Gemeinsam mit Ivo tauchen wir als Leser ein in ein surreales Science-Fiction-Szenario. Immer wieder fühlt man sich als Leser versetzt in Welten, wie man sie aus Filmen wie Blade-Runner oder Matrix kennt, belgische Comichelden fügen sich in die Erzählung ebenso selbstverständlich ein wie eine sibirische Suppenschamanin. Als Soundtrack empfiehlt sich amerikanische Minimalmusic (John Adams: Short Ride in a fast Machine) und gereicht wird hierzu ein Pilzgericht aus Amanita muscaria. So sieht's aus!
Auf jeden Fall lesen, aber vorher unbedingt anschnallen!
Lilli Steinbeck, die schöne Polizistin mit der Klingonennase ist wieder da. Also eigentlich war sie immer schon da, war aber in dem bizarren Krimiuniversum des Herrn Steinfest zeitweise nicht sichtbar. Gerüchten zufolge wurde sie entführt und gefangen gehalten. Folgerichtig beginnt der Roman auch in weit zurück liegender Vergangenheit. Er klärt uns darüber auf, wie Lilli zu ihrer beeindruckenden Gesichtsverformung und zu einer weiteren, ebenso schlecht heilenden wie unsichtbaren Verwundung gekommen ist. Diese Vorgeschichte verbindet sich über einen großen, mehrere Jahrzehnte umfassenden Bogen mit der Gegenwart der Romanhandlung. Ivo, ein früherer Freund und Liebhaber Lillis, ist inzwischen ein Baumpfleger. Eine international anerkannte Koryphäe auf seinem Gebiet, der in der Regel seinen Pfleglingen nicht mit Säge und Axt zu Leibe rückt, sondern mit der puren Überzeugungskraft des gesprochenen Wortes. Er verständigt sich mit seinen Patienten, überredet sie, in eine andere als die den Straßenbau behindernde Richtung zu wachsen, erklärt ihnen die Notwendigkeit der Abwehr von Schädlingen oder Ähnliches. Wegen dieser besonderen Fähigkeit erhält er einen geheimnisvollen Auftrag, der ihn in die Weiten Sibiriens führt. Dort soll er eine besondere Lärche suchen und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln nach Europa bringen. Doch er findet weit mehr: Gemeinsam mit Ivo tauchen wir als Leser ein in ein surreales Science-Fiction-Szenario. Immer wieder fühlt man sich als Leser versetzt in Welten, wie man sie aus Filmen wie Blade-Runner oder Matrix kennt, belgische Comichelden fügen sich in die Erzählung ebenso selbstverständlich ein wie eine sibirische Suppenschamanin. Als Soundtrack empfiehlt sich amerikanische Minimalmusic (John Adams: Short Ride in a fast Machine) und gereicht wird hierzu ein Pilzgericht aus Amanita muscaria. So sieht's aus!
Auf jeden Fall lesen, aber vorher unbedingt anschnallen!
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