Sonntag, 26. Juli 2009

Lilo Beil: Das Licht unterm Scheffel

Im Zusammenhang mit einem Kunstraub kommen eine junge Frau und ein junger Mann zu Tode. Friedrich Gontard, der Leiter der Ludwigshafener Mordkommission, ermittelt sozusagen exterritorial, da seine Freundin Anna mit den beiden Mordopfern mehr als bekannt ist. Im Heidelberg der späten sechziger Jahre stößt er inmitten von revoltierenden Studenten auf längst vergessen geglaubtes aus der dunklen Zeit des Nationalsozialismus.
Zunächst erschien mir beim Lesen alles ein wenig zu offensichtlich. Aber Frau Beil kriegt beim Schreiben dann doch noch die Kurve, sodass das Buch bis zur letzten Seite spannend bleibt. Zeitgeist und Lokalkolorit wurden prima eingefangen, das weckt bei einem alten Sack wie mir Erinnerungen.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Peter Biron: Bella Marie

Halbdokumentarischer Roman nach einem authentischen Mordfall im Speyer der Nachkriegszeit. Dem Autor, einem Journalisten im Ruhestand, gelingt es trotz, oder gerade wegen seines sachlichen Schreibstils, ein geradezu beklemmendes Sittengemälde aus der französischen Besatzungszeit zu entwerfen. Wo das nackte Überleben zur Alltagsaufgabe wird, wo Frauen sich für ein Stück Brot und ein paar Briketts verkaufen müssen, da bleibt für Moral kein Platz mehr. Ich habe diesen kleinen Band ohne Pause gelesen, und kann es jedem nur empfehlen, es mir gleichzutun.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Harald Schneider: Schwarzkittel - ein Pfalzkrimi

Eine spannender Detektivroman in dem der Protagonist mit viel Gespür eine Mordserie im Ärztemilieu aufklärt. Offensichtlich hat das Ganze mit dem Tod mehrerer Kinder zu tun, die bei diesen Ärzten in Behandlung waren. Viele alte Bekannte aus "Ernteopfer" sind auch wieder mit von der Partie: Dietmar Becker - Archäologiestudent, nebenberuflicher Journalist, Krimiautor und sehr hilfreich, Steinbeißer und Wagner - Kollegen von Palzki und seine von ihm getrennt lebende Frau die zusammen mit seinen Kindern immer wieder für Chaos und gelegentlich für peinlich-komische Situationen sorgt.

Mit Schwarzkittel legt Harald Schneider seinen zweiten Kriminalroman vor, mehrere Kurzgeschichten hatte er zuvor in regionalen Zeitungen veröffentlicht. Eine gewisse Routine und systematische Vorgehensweise merkt man der Geschichte um den leicht verpeilten Hauptkommissar Palzki denn auch durchaus an. Die Charaktere der Figuren sind stimmig durchkonstruiert, die Geschichte wird langsam aber sicher aufgebaut, die Lösung nicht zu früh verraten, der Leser aber auch nicht durch an den Haaren herbeigezogene falsche Spuren an der Nase herum geführt. Gelegentlich gelingen sogar Überraschungen und humoristische Einlagen.

Für meinen Geschmack wirken die Dialoge stellenweise jedoch etwas hölzern und konstruiert. Man denkt ab und zu: "so redet doch kein Mensch." Viel besser gefallen mir die eingestreuten Rückblenden. Hier erkennt man den Kurzgeschichtenschreiber. So oder so: Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Ich freue mich schon auf seinen nächsten Roman.