Sonntag, 11. März 2012

Carsten Sebastian Henn: Carpe Vinum

Auch wenn es der erste Roman aus der Eichendorf-Reihe nahe legt: Der wertvollste Besitz eines Kochs sind nicht seine Messer. Die mögen von japanischen Schwertschmieden handgefertigt sein, aus feinstem Damaststahl und mit einem Heft aus zehntausend Jahre alter Mooreiche, aber es sind doch nur Werkzeuge. Austauschbare Werkzeuge, deren Qualität für das Arbeiten in einer Küche zwar von Bedeutung ist, aber sie sind nicht der wertvollste Besitz eines Kochs. Das wertvollste im Besitz eines Kochs sind die Rezepte! Köche sammeln Rezepte und Rezeptbücher. Sie schreiben sie mit bedacht auf, eigene Kreationen werden gehütet und bewahrt. Und solche Rezeptsammlungen werden dann von Generation zu Generation weitergegeben und erweitert. Und genau so eine Familienrezeptsammlung befindet sich unter den Kochbüchern von Julius Eichendorf. Und sie wird gestohlen. Zu allem Überfluss ermordet der Dieb auch noch einen zufällig beim Einbruch auftauchenden Lieferanten der alten Eiche, und zwar auf äußerst bizarre Art und Weise. Und dann erpresst er den Koch.

Dieser Eichendorf-Krimi entwickelt sich mit rasanter Geschwindigkeit. Der Autor sprudelte mal wieder über vor Ideen, und auch das Zwerchfell kommt nicht ungeschoren davon. Und dann, mitten im Buch, ist die Geschichte um die verlorenen Rezepte auch schon zu Ende. Und man denkt "Ist das zu fassen?" und "Was soll denn das?", und dann blättert man weiter. Und dann kommen sie: Alle Rezepte aus allen Eichendorf-Krimis. Gestaltet und aufgeschrieben von den besten Köchen der Eifel (und das sind nicht wenige) und serviert von Carsten Henn. Das Buch mit der Kriminalgeschichte um verlorene Rezepte ist selbst ein Rezeptbuch, und ich bekomme schon beim Lesen Hunger. Eine bezaubernde Idee und damit verdient sich "Carpe Vinum" mindestens fünf Sterne und alle verfügbaren Daumen nach oben. Schade nur, dass ich keine Ahnung habe, wo ich es jetzt aufbewahren soll: Im Bücherschrank oder in der Küche? Egal: Ich kaufe einfach ein zweites Exemplar!

Unbedingt lesen, und zwar sofort!

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