Mittwoch, 11. April 2018

Martin Perscheid: Cartoons

Tut mir furchtbar leid, aber ein winzig kleiner Penis zählt nicht als Behinderung!

Ein sehr netter Happen zwischendurch. Ungerecht, hinterhältig, fies und gemein sind die Karikaturen aus der Feder des Meisters. Dem Leben auf's Maul geschaut und immer hart an der Grenze des guten Geschmacks. Er wird auch schon mal auf Facebook für einen Tag gesperrt und, wenn er nach der Entsperrung dann einen Screenshot von Facebooks Entschuldigungsschreiben postet, gleich noch einmal. Er nimmt alle auf's Korn, vor ihm ist nichts und niemand sicher. Er ist klug, respektlos und talentiert. Auch wenn ich viele der Karikaturen aus diesem Bändchen schon von seiner Webseite bzw. seiner Facebook-Seite kenne, so gebietet es doch der Anstand, einem Webcomiczeichner ab und zu mal ein Buch abzukaufen. Der Mann lebt schließlich davon. Deshalb habe ich es auch gleich zwei mal gekauft. Einmal, um es selber zu lesen und einmal, um es an einen Freund zu verschenken.

Ein tolles Buch!

Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

Mittwoch, 4. April 2018

Till Reiners: Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen

Begegnungen mit besorgten Bürgern

Till Reiners ist eigentlich Comedian. Trotzdem macht er sich mit seinem ersten Buch an ein sehr ernstes Thema: Er versucht, die Ängste und Sorgen der neuen Rechten zu ergründen. Er spricht mit Pegida-Anhängern, AFD-Politikern und auch mit Neonazis (die sich selbst natürlich nie so nennen würden). Er taucht völlig in diese Gedankenwelt ein und setzt sich damit auseinander. Er möchte wirklich Verstehen. Deshalb öffnen sich auch seine Gesprächspartner sehr weit, und er erhält so einen Einblick in ihre Filterblase.

Ein gutes und wichtiges Buch. Überhaupt nicht lustig.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

P.S.: Mit diesem Buch lernte ich auch eine neue Technik des Umgangs mit Büchern kennen. Ich erhielt es völlig unverhofft von einem Freund als Geschenk. Verbunden war dieses Geschenk mit zwei Auflagen:

  1. Lies es!
  2. Verschenke es dann weiter.
Ich finde, dass das eine tolle Idee ist, und habe es heute weiterverschenkt.

Montag, 26. März 2018

Christian von Ditfurth: Giftflut

Europa steht Kopf: In Berlin, Paris und London werden fast zeitgleich Anschläge verübt, die an Präzision und Professionalität kaum zu überbieten sind. Verwertbare Spuren gibt es nicht. Tausende Menschen sterben, die Aktienkurse brechen zusammen und als dann noch der Eurotunnel gesprengt wird ist klar: Hier sind absolute Profis am Werk. Das ist nicht die Handschrift irgendwelcher Fanatiker mit Sprengstoffwesten. Wer solcher Terror verbreiten will, der muss ganz tief in die Tasche greifen. Terrororganisationen können sich so etwas nicht leisten, kleine Staaten auch nicht. Dann schon eher Großmächte oder multinationale Konzerne.

Hauptkommissar De Bodt ermittelt mit seinem kleinen Team auf gewohnt eigenwillige Art und Weise. Dass im Hintergrund noch ein ursprünglich Unbeteiligter nach den Tätern fahndet, weiß er nicht.

Ich habe mir die Nägel bis zu den Schulterblättern abgekaut beim Lesen dieses Buches, so spannend ist es geschrieben.

Lesen. Und zwar unbedingt und sofort!

Donnerstag, 1. März 2018

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse

Ein Fall für Kommissar Dupin
Pont Aven in der Bretagne war Ende des 19. Jahrhunderts einmal die Sommerresidenz einiger Maler, die dann später gefeierte Berühmtheiten wurden. Die kleine Stadt weiß aus dieser Tatsache Nutzen zu ziehen und vermarktet sich touristisch als "Künstlerdorf", um sich so von den anderen Fremdenverkehrsgemeinden in der bezaubernden Bretagne abzugrenzen. Der Mord an Pierre-Louis Pennec, dem hochbetagten Besitzer des besten Hotels am Platz, überschattet die Touristenidylle jäh. Kommissar Dupin kann sich keinen Reim darauf machen, warum jemand den 92-jährigen Hotelier ermordet hat. Gänzlich absurd erscheint ihm die Tat schließlich, als er vom Hausarzt des Opfers erfährt, dass der Getötete an einer schweren Herzkrankheit litt. So schwer, dass es geradezu an ein Wunder grenzte, dass er überhaupt noch gelebt hat - er wäre innerhalb der nächsten Tage ohnehin gestorben. Dass bei noch laufenden Ermittlungen in die Gaststube des Hotels eingebrochen wird und dass schließlich ein zweiter Mord die Kleinstadt in Angst und Schrecken versetzt, macht es den Ermittlern nicht leichter.

Ein klassischer Detektivroman - man schaut dem Ermittler bei der Arbeit über die Schulter und knobelt mit ihm zusammen an dem Fall herum. Eigentlich ist das nicht so meins, aber die Beschreibungen der Landschaft und der Örtlichkeiten sind so gelungen, dass ich das Buch nicht mehr weglegen wollte. Was schließlich bleibt ist eine große Reiselust. Die Bretagne werde ich irgendwann besuchen. Das steht fest.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Montag, 12. Februar 2018

Christian von Ditfurth: Zwei Sekunden

Bei einem Staatsbesuch des russischen Präsidenten wird ein Bombenanschlag auf die Wagenkolonne der Kanzlerin verübt. Ein Wagen wird dabei völlig zerfetzt, vier Menschen sterben. Mehrere Teams ermitteln in der Sache, auch der russische Geheimdienst bietet seine Hilfe an. Doch die Untersuchungen laufen ins Leere, es gibt keine verwertbaren Spuren. Die Täter müssen absolute Profis gewesen sein. Kommissar De Bodt glaubt deshalb auch nicht, dass das Attentat missglückt ist und die Kanzlerin und der Präsidenten nur zufällig überlebt haben. Solche Leute machen keine Fehler. Als wenig später der Kanzleramtsminister in einem Café durch einen Scharfschützen getötet wird, hört sich De Bodt im Kanzleramt genauer um.

Was Herr von Ditfurth uns hier vorlegt ist ein intelligent geschriebener und rasend spannender Politthriller, den man nicht zur Seite legen möchte bevor man das letzte Kapitel gelesen hat.

Suchtstoff vom Allerfeinsten.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

Mittwoch, 24. Januar 2018

Brandon Q. Morris: Proxima Dying

Die KI Marchenko und seine beiden menschlichen Schützlinge haben sich auf Proxima Centauri b eingerichtet. In der von einem alternativen Marchenko errichteten Basis lässt es sich gut leben, es fehlt ihnen an nichts. Trotzdem drängt es sie, ihren Auftrag zu erfüllen: Die Suche nach dem Ursprung des geheimnisvollen Funksignals mit dem Hilferuf der Bewohner des Planeten, der um den sonnennächsten Stern kreist. Sie führen Suchexpeditionen durch und vermessen den Himmelskörper mit Hilfe des noch im Orbit befindlichen Schiffs. Das Überleben in dem fremdartigen Ökosystem ist kein Zuckerschlecken, aber Marchenko und seine beiden Schützlinge meistern es. Doch das größte Abenteuer steht ihnen noch bevor: Ihr Schiff entdeckt aus der Umlaufbahn heraus ein Objekt auf der dunklen Seite des Himmelskörpers. Der Seite, die nie vom Muttergestirn beschienen wird und deshalb auf eine Art und Weise lebensfeindlich ist, wie man sich das auf der Erde kaum auszumalen in der Lage ist. Und es gibt nur eine Möglichkeit, dort hinzukommen.

Das Szenario, in dem der Roman spielt, wird vom Autor präzise und gleichzeitig phantasievoll erdacht. Dabei fließen die Keplerschen Gesetze ebenso in die Überlegungen mit ein wie die aktuellen Erkenntnisse der Astronomie und der Exobiologie. Die Geographie und die Ökologie von Proxima Centauri b werden, obwohl natürlich fiktiv, so realistisch beschrieben, als wäre ein Expeditionsteam des GEO-Magazins mit an Bord. Die Handlung des Romans ist nicht weniger ausgefeilt: Rasend spannend bis zur letzten Seite. Echter Suchtstoff!

Ich will mehr!

Lesen. Und zwar unbedingt und sofort.

Mittwoch, 10. Januar 2018

Brandon Q. Morris: Proxima Rising

Dimitri Marchenko, um genauer zu sein: sein mit durch die Verschmelzung mit der Bord-KI der Enceladus-Expedition entstandenes Maschinenbewusstsein, erwacht. Da er von der zweiten Enceladus-Reise zwar Kenntnisse hat, sich aber an die eigentliche Reise nicht erinnern kann, schließt er, dass er eine durch den russischen Multimilliardär Schostakowitsch veranlasste illegale Raubkopie der Marchenko-KI darstellt. Er macht sich sofort an die Arbeit. Er befindet sich an Bord einer Mikro-Sonde, die man mittels sehr starker Laser auf ein Fünftel der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt hat. Sein Ziel ist das sonnennächste Sternensystem Proxima Centauri bzw. ein Planet, der sich in diesem System befindet. Von dort hat man auf der Erde vor einiger Zeit einen Hilferuf erhalten. Marchenkos erste Aufgabe: Interstellares Material einsammeln um das Schiff zu vergrößern und abzubremsen. Die Zweite: seine zukünftigen Passagiere aus mitgeführtem genetischem Material erschaffen. Er weiß genau, was zu tun ist, denn er hat Zugriff auf umfangreiche Datenbanken in seinen Speicherzellen.

Ein äußerst spannender Roman. Was der Autor sich hier an fantastischen Techniken für sein Szenario zusammensucht ist nicht mehr und nicht weniger als konsequent um einige Jahrzehnte in die Zukunft fortgeschriebene Technik- und Forschungstrends der Jetztzeit. Ich bin sehr gespannt auf diese Zukunft und weiß nicht, ob ich sie herbeisehnen oder mich vor ihr fürchten soll.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

Freitag, 5. Januar 2018

Brandon Q. Morris: Enceladus - Die Rückkehr

Ein russischer Oligarch und Multimilliardär tritt an die zurückgekehrte Crew der ILSE heran. Er benötigt das Schiff und seine Mannschaft, um seine für den Asteroidenbergbau und weitere Großprojekte entstandene Infrastruktur im All auszubauen. Der Crew böte sich so die einmalige Chance, nach dem auf Enceladus verbliebenen Bordarzt Marchenko zu forschen. Sie bemächtigen sich Schiffs und machen sich auf den langen und beschwerlichen Weg. Doch der Milliardär Schostakowitsch spielt ein doppeltes Spiel. Und er ist nicht die einzige Partei, die auf das Schiff und seinen Kurs Einfluss nimmt.

Ein rasend spannendes Buch und ein würdiger Abschluss der Eismond-Reihe. Ich freue mich schon auf die neue Serie, die eine mögliche erste interstellare Reise beleuchtet.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!