Sonntag, 16. September 2018

Heinz Strunk: Der goldene Handschuh

Wir befinden uns im Hamburg der 70er Jahre. Es ist die Zeit der kurzen Röcke, freizügiger Zeitschriftencover und scheinbarer sexueller Freiheit. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus in dem Viertel, wo überall noch der Muff von tausend Jahren aus der Kanalisation aufsteigt. Hier leben die Abgehängten, die Opfer und die Täter des Krieges und der Nachkriegszeit. Verlorene Seelen, die einfach nicht wieder Fuß fassen konnten: Ehemalige Soldaten, die bei der Fremdenlegion untergetaucht sind, und jetzt die traumatisierenden Bilder in ihren Köpfen nicht mehr los werden. Ein DDR-Flüchtling, der als Jugendlicher im Westen auf einem Bauernhof ausgebeutet, misshandelt und vergewaltigt wurde, eine ehemalige KZ-Zwangsprostituierte, die heute als alte Frau für eine Flasche Schnaps die Beine breit macht.

Hier lebt auch Fritz Honka, genannt Fiete. Er kehrt regelmäßig im "goldenen Handschuh" ein, einer heruntergekommenen Nebenstraßenkneipe, die man mit Fug und Recht als Spelunke bezeichnen kann. Für ein paar Mark besäuft er sich hier mit Fanta-Korn, kurz FaKo. Und hier findet er auch Frauen, die er mit in seine Wohnung nimmt, um sie dort für sich arbeiten zu lassen, sie sexuell auszubeuten und schließlich, meist im Affekt und im Suff, umzubringen. Anschließend zerstückelt er ihre Leichen und versteckt sie auf dem Dachboden, wo es mit der Zeit immer strenger riecht.

Fritz Honka war einer der bekanntesten und erschreckendsten Serientäter in der nicht mehr ganz jungen Bundesrepublik. Heinz Strunk verschafft uns mit seinem ersten nicht autobiografischen Roman einen Einblick in das Seelenleben eines Massenmörders. Und diese Aussicht ist schier unerträglich.

Lesen! Und zwar unbedingt und sofort!

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