Samstag, 8. August 2020

Ralf König: Roy und Al

Es ist tatsächlich passiert!

Mein Bücherdealer hat sich gemeldet: Alle bestellten Werke von Ralf König sind lieferbar, außer "Frankenstein", der erscheint erst im Herbst. Und heute bin ich, bewaffnet mit meinem Einkaufsrucksack, zur Ernte angetreten. Das war auch notwendig, denn ohne Rucksack hätte ich den Stapel nicht transportieren wollen. Ist ja klar, was jetzt passiert, oder? Alle anderen Bücher werden auf "Pause" geschaltet. Vielleicht schaffe ich diesen Berg neuer Comics so noch in der verbleibenden Woche der Sommerferien.

Den Anfang macht, ins Thema habe ich mich ja erst kürzlich eingelesen, "Roy und Al". Das ist quasi das Prequel zu "Roy und Al machen Männchen" oder der erste Teil einer zweiteiligen Serie, von der es hoffentlich noch viele Fortsetzungen geben wird. Das Buch schildert, wie Al seinen Dosenöffner kennengelernt hat, die erste Begegnung mit Roy und viele rasend komische Abenteuer, immer aus der besonderen Perspektive des Zwerfellterriers erzählt. Einer meiner Bücherdealer hat da wohl auch schon seine Nase reingesteckt und ist den Kollegen und Kolleginnen dabei durch übermäßiges Gekicher aufgefallen. 

Ich nehme hier gar nichts vorweg und sage nur: Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Donnerstag, 6. August 2020

Ralf König: Roy und Al machen Männchen!

Al ist ein reinrassiger Zwerchfellterrier. Ja, so etwas gibt es. Ich habe das überprüft. Er lebt zusammen mit seinem Kumpel Roy, einem dicklichen Mischlingsrüden. Also eigentlich geht Roy die meiste Zeit Al tierisch auf die Nerven, aber er ist unsensibel genug, um das nicht zu merken. Und nein: die beiden sind kein Paar, es sind klassische Heten. Al träumt von läufigen, jungen Terrierweibchen, die es ihm tüchtig besorgen. Zumindest meistens - das scheint zwischen Roy und Al noch nicht endgültig geklärt zu sein.

Ach ja: ihre beiden Herrchen leben auch mit ihnen zusammen. Die sind allerdings ein Paar. Und die tun, was Paare so tun: Sie lieben sich, sie streiten sich und sie versuchen sich fortzupflanzen. Da man sich gegenüber seinem Haustier in der Regel ungezwungener gibt, als gegenüber menschlichen Besuchern, können Roy und Al das sehr genau beobachten und kommentieren. Letzteres meist kopfschüttelnd. Diese und andere saukomische Abenteuer füllen dieses prächtige Comicbuch, das zu lesen ich hiermit dringend empfehle.

Bleibt nur noch anzumerken, dass ich einige der Comics aus der Feder des Meisters, die im Klappentext angepriesen werde, tatsächlich noch nicht kenne. Das beschämt mich, denn gegenüber dem Autor habe ich immer behauptet, ich habe ALLES von ihm gelesen. Aber da ich seit über 20 Jahren nicht mehr in einer Großstadt lebe, ist mein Zugriff auf einschlägige Fachgeschäfte sehr eingeschränkt. Mir fehlen zum Beispiel der Bonner Comicbuchladen oder die Bahnhofsbuchhandlung Chemnitz mit ihrer liebevoll bestückten Comicbuchabteilung. So sind mir vermutlich in den letzten Jahren einige Veröffentlichungen des Herrn König durch die Lappen gegangen. Das muss sofort nachgeholt werden. Den Bücherdealer meines Vertrauens wird es freuen.

Und jetzt: Lesen! Und zwar Zack-Zack!



Sonntag, 2. August 2020

Dirk Steffens, Fritz Habekuß: Überleben

Zukunftsfrage Artensterben: Wie wir die Ökokrise überwinden

Das brandaktuelle Buch der beiden Wissenschaftsjournalisten gliedert sich grob in zwei Teile:

Zunächst lehren die Autoren den Leser das Staunen über die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten. Exemplarisch öffnen sie uns die Augen für die Komplexität einiger Ökosysteme, über das in Jahrmillionen ausbalancierte Zusammenwirken verschiedener Arten, die letzten Endes auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen sind. Sie zeichnen ein Bild grenzenloser Schönheit über das der Betrachter nur andächtig staunen kann. Im zweiten Teil klären uns die Autoren dann über das Ausmaß der menschlichen Eingriffe in diese komplexen Systeme auf. Hatte man eben noch die Tränen der Rührung in den Augen, so sind es im zweiten Teil Tränen des Zorns und der Trauer.

Wir haben inzwischen derart brutal in das Leben auf unserer Erde eingegriffen, dass es fast schon an ein Wunder grenzen würde, wenn wir das Ruder noch herumreißen könnten. Klimaerwärmung ist nur ein Aspekt, nur ein Symptom. Wir steuern mit Volldampf auf eine ökologische Katastrophe zu, die unumkehrbar zu einem Ausnahmezustand führen wird, der den Corona-Shutdown wie einen Waldspaziergang an einem lauen Frühlingstag erscheinen lässt.

Glücklicherweise lassen die Autoren ihre Leser nicht mit dieser Erkenntnis alleine. Sie zeigen auch Möglichkeiten auf, wie die Katastrophe noch abzuwenden ist. Aber ich bin da ja eher skeptisch.

Ein tolles und wichtiges Buch. Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Donnerstag, 23. Juli 2020

Timothy Snyder: Über Tyrannei

Zwanzig Lektionen für den Widerstand

Wer angesichts dieses Titels an auf dem Schwarzmarkt erworbene Handfeuerwaffen und selbst gebastelte Sprengsätze denkt, der wird von diesem Buch bitter enttäuscht werden. Vielmehr ging es dem Autor darum, uns für die Schwachstellen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu sensibilisieren. Worauf müssen wir besonders achten, damit die verfassungsmäßige Ordnung nicht ausgehöhlt wird? Woran erkennen wir Angriffe auf die Demokratie?

Angesichts der Ereignisse in den USA ist dies ein erschreckend aktuelles und visionäres Buch.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Freitag, 17. Juli 2020

Tim Marshall: Im Namen der Flagge

Die Macht politischer Symbole

Uff! Endlich wieder ein spannendes Buch. Nachdem ich mehrere dicke Schwarten angefangen und nicht zu Ende gelesen habe - und das mache ich wirklich nur in äußerst seltenen Fällen - bin ich mit diesem interessanten Sachbuch endlich wieder auf etwas gestoßen, dass ich gerne bis zum Ende verschlungen habe. Tim Marshall erläutert exemplarisch die Geschichte und Bedeutung einiger National- und anderer Flaggen. Das liest sich tatsächlich viel spannender, als es klingt, denn der Autor würzt seine Erzählungen mit allerlei skurrilen und interessanten Anekdoten. Beim Lesen vergeht deshalb die Zeit wie im Flug und ich war tatsächlich etwas enttäuscht, als ich die letzte Seite gelesen hatte. Oh nöh... Schon zu Ende?!

Ein gutes Buch. Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

Freitag, 5. Juni 2020

Matthias Egersdörfer: Vorstadtprinz

Roman meiner Kindheit

Umschlagtext:
"Ich war jetzt ein kleines bisschen. Viel weniger als eine Löffelspitze Joghurt. Aber doch schon da, ich wuchs und wuchs heran, und alles war wunderbar. Ich schwappte in angenehm warmer Brühe einfach umher. Ab und zu gluckerte etwas, oder ein tiefer Bass ließ mich wohlig von oben bis unten vibrieren. Wenn mich etwas störte, weil es zu arg schwappte oder ein Sound mir missfiel, trat oder boxte ich einfach mit Schmackes ein paar Mal gegen die Wand. Sofort selige Ruhe. Keiner wollte etwas von mir, keine Termine, Vorwürfe oder Prüfungen. So hätte das bis in alle Ewigkeit weitergehen können, wenn es nach mir gegangen wäre."

Der Kabarettist und Schauspieler Egersdörfer erzählt Episoden aus seiner Embryonalzeit, seiner Kindheit und seiner Jugend. Das wäre nicht weiter spektakulär, wenn Herr Egersdörfer nicht mit einer derart überbordenden Phantasie und der gnadenlosen Beobachtungsgabe eines kamarabewehrten Polizeistaates ausgestattet wäre. Seine Metaphern stehen denen von Walter Moers in nichts nach, manche seiner kunstvoll gedrechselten Sätze und Wortgebilde könnten der Feder von Arno Schmidt entsprungen sein.

Eines der besten Bücher, das ich jemals gelesen habe.

Lesen! Unbedingt lesen. Sofort!

Sonntag, 17. Mai 2020

Martin Sonneborn: Herr Sonneborn geht nach Brüssel

Abenteuer im Europaparlament

Herr Sonneborn ist der Abgeordnete meines Vertrauens im Europaparlament. Gekonnt gibt er in Brüssel den Hofnarren. Als fraktionslosem Abgeordneten steht ihm im Plenum nur wenig Redezeit zu, deshalb sind seine offiziellen Ansprachen von erfrischender Kürze und beißender Schärfe. Doch er kann noch mehr. Als Mitglied des Europaparlaments stehen ihm Informationen und Einblicke hinter die Kulissen zur Verfügung, die dem Normaleuropäer normalerweise verborgen bleiben. Daran lässt er uns teilhaben und schärft so unseren Blick für Korruption und Vetternwirtschaft. Ich weiß nicht, ob ich dieses Buch brisant oder urkomisch finden soll - vermutlich ist es beides.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Mittwoch, 6. Mai 2020

Renate Alf: Cartoons für LehrerInnen

Ein sehr netter Happen zwischendurch.
Frau Alf weiß als gelernte Pädagogin genau, worum es in meinem Beruf geht. Gekonnt und pointiert nimmt sie die Freuden und Leiden des Lehrerberufs auf's Korn und auf die Schippe.

Selbstverständlich kenne ich die meisten dieser Cartoons aus den sozialen Netzwerken. Frau Alf ist sehr sehr großzügig und veröffentlicht viele ihrer Zeichnungen kostenlos. Und genau deshalb ist es für mich ebenfalls selbstverständlich, immer wieder eines ihrer Bücher zu kaufen. Die Kollegin lebt schließlich davon.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Mittwoch, 12. Februar 2020

Peter Hofmeister: Neustadt und seine 9 Weindörfer

Portale im 16. - 19. Jahrhundert

Fotodokumentation mit kurzen historischen Erläuterungen

Der (Unter-)Titel ist eigentlich selbsterklärend. Das Buch, welches der Autor im Jahr 2014 im Selbstverlag publiziert hat, enthält auf fast 150 Seiten zahlreiche Farbbilder von bemerkenswerten Türen und Toren in Neustadt und seinen Vororten. Die Bildunterschriften sind knapp, aber erhellend, die Qualität der Fotos hervorragend.

Das Büchlein gibt es leider nur noch antiquarisch oder als Restposten bei einigen wenigen Buchhändlern. Selbst der Bücherdealer meines Vertrauen scheute den Aufwand, es mir noch zu besorgen und verwies mich an den Mitbewerber, der noch ein einzelnes Exemplar im Fenster liegen hatte.

Ein schöner Bildband!

Montag, 3. Februar 2020

Martin Perscheid: Zur Plage der Nation

Sehr netter Happen zwischendurch:

Die Karikaturen von Martin Perscheid sind böse, pointiert hintersinnig, einfallsreich und irrsinnig komisch. Sie richten sich gegen Schwurbeltum und Religion, gegen besorgte Bürger und gegen unbesorgte. Jeder hat das Recht, von Martin Perscheid beleidigt zu werden.

Natürlich kenne ich (fast) alle Cartoons in diesem Buch aus dem Netz. Herr Perscheid ist sehr großzügig, und verteilt sie kostenlos über soziale Medien. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, halte ich es für richtig, ab und zu eines seiner Bücher zu kaufen. Oder zwei: Eines zum Selberlesen, das Zweite, um es zu verschenken.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

Sonntag, 26. Januar 2020

Matthias Glaubrecht: Das Ende der Evolution

Der Mensch und die Vernichtung der Arten

Was der Zoologe, Evolutionsforscher und Wissenschaftsjournalist Glaubrecht in diesem dicken Buch an Fakten zusammengetragen hat, ist nicht mehr und nicht weniger als die unbequeme Wahrheit: Wir laufen nicht Gefahr, ein Massenaussterben auszulösen. Wir haben es bereits ausgelöst, und die Vernichtung von hunderttausenden von Spezies ist bereits in vollem Gange. Und ja: Der Titel des Buches ist überspitzt formuliert. Selbstverständlich wird es auf der Erde Evolution geben, solange auch nur ein replizierendes Makromolekül Kopien von sich selbst erzeugt. Aber wir, ja: wir, vernichten ganze Evolutionslinien, zerstören in Jahrmillionen ausbalancierte Systeme, wir fucken die Meere ab, wir planieren Landschaften in kontinentalen Dimensionen und wir hören einfach nicht auf, machen immer weiter und weiter. In so geballter Form hat mir das noch niemand um die Ohren gehauen.

Ich mache jetzt etwas, was ich noch nie getan habe, seit ich über gelesene Bücher schreibe: Ich breche ab und bespreche ein nicht bis zum Ende gelesenes Buch. Ich ertrage es nicht mehr. Ich habe ein abgeschlossenes Hochschulstudium in Biologie und einen Abschluss in Geographie. Ich bilde mir ein, dass ich beurteilen kann, ob ein Buch zu diesem Thema hysterische Panikmache darstellt oder nicht. Und dieses Buch enthält nach meinem Dafürhalten nichts als Fakten. Ich breche nach über fünfhundert von mehr als tausend Seiten ab, denn ich habe Angst um meine geistige Gesundheit.

Ich kann das nicht bis zum Ende lesen, obwohl es ein sehr gutes Buch ist.

Wer immer noch glaubt, dass wir die ökologischen Problem schon irgendwie in den Griff bekommen, der sollte hier mal seine Nase reinstecken.