Dienstag, 11. Dezember 2012

Carsten Sebastian Henn: Gran Reserva

Max ist ein anerkannter Modefotograf. Er lebt in einer exquisiten Kölner Wohnung und hat stets die Reichen und Schönen vor der Linse. Doch eines Tages lässt er das alles hinter sich. Er schleicht sich aus seinem Leben, verlässt sogar seine Freundin und verschwindet buchstäblich nach Spanien. In La Rioja, der Landschaft wo seine Lieblingsweine herkommen, schlüpft er bei einem alten Freund unter und will dort zu sich selbst finden. Und er findet einiges. Zunächst die bezaubernde Christina, in die er sich augenblicklich verliebt. Wenig später findet er eine Leiche. Als er die Polizei verständigen will, weiß Christina dies zu verhindern. Bald steckt er knietief in einem Kriminalfall. Es geht um kostspieligen Wein, um Frauen, um jede Menge Katzen und anderes Getier und sogar der König von Spanien spielt eine wichtige Rolle.

Mit seinen kulinarischen Krimis um den Spitzenkoch Julius Eichendorff hat Carsten Henn von nicht allzu langer Zeit mein Herz im Sturm erobert. Mit seiner neuen Serie über den kauzigen Professor Bietigheim spricht er zusätzlich noch kindliche Teile meines Gemüts an. Mit diesem Roman hat er mich erneut begeistert!
Ein spannender Detektivroman mit vielen Hinweisen zum Mitraten. Die Geschichte spielt in einem interessanten Ambiente, und die Protagonisten sind Charaktere mit Ecken und Kanten. Für mich sein bisher bestes Buch. Davon bitte mehr, Herr Henn!

Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Samstag, 1. Dezember 2012

Akif Pirinçci: SLAM

Wir schreiben das Jahr 2731. Karim und sein Ehemann Soli blicken einer hoffnungsvollen Zukunft entgegen, denn sie wurden auserwählt, das Geschenk des Lebens zu empfangen. Bald schon werden Sie ihren kleinen Sohn in den Armen halten. Doch in Karim brodelt es innerlich. Eher ahnend als wissend empfindet er eine unendliche Leere. Dabei geht es ihm gut: Kriege gibt es nicht mehr, materielle Not wurde schon vor Jahrhunderten abgeschafft, und seine Arbeit im Zentralarchiv ist spannend und wichtig. In der Welt des modernen Islam werden die Männer durch gute medizinische Versorgung und eine vernünftige Lebensweise bis zu 200 Jahre alt, und das bei guter Gesundheit. Es mangelt ihnen an nichts. Und doch sehnt sich Karim nach etwas, das er selbst in seinen Träumen nur schemenhaft wahrnehmen kann. Etwas, das anders ist, und doch zu ihm passt. Etwas... weicheres, etwas... runderes...
Nach und nach entdeckt er ein furchtbares Geheimnis in seiner Welt, der Welt des SLAM.

Da ich über die mehr als ungewöhnliche Entstehung dieses Romans schon an anderer Stelle berichtet habe, kann ich mich in diesem Punkt kurz fassen: Das Buch wurde nach einer von Akif Pirinçci erdachten Geschichte von verschiedenen Autoren gemeinsam verfasst. Pirinçci selbst fungierte hierbei als zentrales Nervensystem des Autorenkollektivs, Facebook als das Rückenmark. SLAM entstand so als Gemeinschaftsleistung in weniger als zwei Monaten von der Idee bis zur Veröffentlichung als eBook.
Der Roman versetzt uns in eine Welt, in der der Islam gesiegt und sich schließlich in eine Art wohlfühl-ZEN-Buddhismus weiter entwickelt hat. Doch der schöne Schein trügt. Der Romanheld wagt einen Blick hinter die Kulissen und sieht sich mit einem äußerst rigiden Unterdrückungssystem konfrontiert. So perfide gestrickt, dass die Unterdrückten ihre eigene Unfreiheit nicht einmal erkennen.
Und wie in jedem guten Science-Fiction geht es hier nicht nur um die Zukunft, sondern wir lernen auch vieles über die Gegenwart.

Ein tolles Buch, das unbedingt verfilmt werden sollte. Und zwar von den Wachowski-Geschwistern. Oder von Tom Tykwer. Oder von allen zusammen.

Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Freitag, 30. November 2012

Peter Wohlleben: Naturschutz ohne Natur

Der Naturschutz in Deutschland verdient nicht diesen Namen. Wer sich ernsthaft mit den ökologischen, evolutionären und auch mit den juristischen Implikationen des Themas auseinandersetzt, wird bald zu einer frustrierenden Erkenntnis kommen: Der so genannte Naturschutz in Deutschland dient allen möglichen Interessen, nur nicht der Natur. Er spielt der Agrarlobby in die Hände, den Jagd- und Fischereiverbänden sowie der Tourismusindustrie. Die Interessen der Natur werden dabei in geradezu zynischer Weise der Verkehrspolitik geopfert, wirtschaftlichen Abwägungen untergeordnet und auf dem Altar der Dummheit geschlachtet.

Peter Wohlleben kennt sich aus mit ökologischen Zusammenhängen. Auch im Naturschutzrecht ist er bewandert und kann einiges erzählen zum Thema Bewirtschaftung von Wäldern, denn er ist gelernter Förster und leidenschaftlicher Naturschützer. Trotz, oder vielleicht wegen seines souveränen Fachwissens bedient er sich einer auch für Laien verständlichen Sprache, argumentiert messerscharf und logisch.

Dem kann ich nichts hinzufügen. Vielen Dank für diese klaren Worte.

Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Sonntag, 25. November 2012

Carsten Sebastian Henn: Die letzte Reifung


Professor Dr. Dr. Adalbert Bietigheim macht Urlaub. Zusammen mit seinem Foxterrier Benno von Saber erkundet er kulinarische Höhepunkte im schönen Burgund. Und weil er sich dabei viel Zeit lassen möchte, benutzt er natürlich das Fahrrad. Seine erstes Ziel ist die legendäre Käserei von Madame Poincaré. Die alte Dame stellt hier seit Jahrzehnten ihren berühmten Vacherin d'Epoigey her, und er möchte sie unbedingt persönlich kennen lernen. Als er endlich bei ihr ankommt findet er die Käserin tot vor, eines ihrer eigenen Käsemesser steckt in ihrem Rücken. Das sieht nicht nach Unfall oder Selbstmord aus. Trotzdem versucht der Bürgermeister der kleinen Gemeinde, den Fall zu vertuschen. Ein großes Käsefest steht vor der Tür, und er möchte die Touristen nicht verschrecken. Also ruft Bietigheim seinen Freund Pit zu Hilfe, und beginnt auf eigene Faust mit Ermittlungen. Das wird recht bald auch für ihn gefährlich.

In diesem ersten Teil der Reihe um den seltsamen Kulinaristik-Dozenten lernt man gleich mehrere neue Figuren im Krimi-Universum der Herrn Henn kennen und augenblicklich schätzen. Sie erinnerten mich an geliebte Charaktere des belgischen Comiczeichners Hergé. Die detektivischen Untersuchungen des Professors könnten wiederum aus der Feder von Agatha Christie höchstselbst stammen. Ein rundum gelungener Lesespaß, den ich uneingeschränkt empfehlen kann. Ich möchte aber vorschlagen, die Reihenfolge der Bücher einzuhalten. Ich selbst habe es nicht getan, und mich damit möglicherweise um den einen oder anderen Lacher gebracht. Aber glauben Sie mir: Es waren noch genug davon übrig.

Lesen, und zwar sofort!

Sonntag, 18. November 2012

Carsten Sebastian Henn: Der letzte Aufguss

Professor Dr. Dr. Adalbert Bietigheim, Inhaber des Lehrstuhls für Kulinaristik der Universität Hamburg, springt kurzfristig für einen verhinderten Kollegen in Cambridge ein. Genauer gesagt ist der Kollege nicht im herkömmlichen Sinn verhindert. Er ist tot. Er wurde ermordet und dann in einem mit weißem Darjeeling gefüllten Punting-Boot regelrecht eingelegt. Seinen Vorgänger hat man übrigen ein halbes Jahr zuvor auf die gleiche Art vom Leben zum Tod befördert. Bietigheim kann sich Ermittlungen in dieser Mordsache nicht verkneifen, denn der Schluss liegt nahe, dass er bald selbst ins Visier des Mörders gerät. Außer ihrer Inhaberschaft des Lehrstuhl hatten seine beiden toten Vorgänger nämlich so gut wie keine Gemeinsamkeiten. Gut, dass der exzentrische Akademiker einen Freund hat. Dieser ist ihm extra aus Hamburg nachgereist und hilft nicht nur bei den Ermittlungen, sondern leistet auch als Bodyguard gute Dienste. Und so beginnt die Mörderjagd.

Auch in diesem zweiten Teil der Serie um den skurrilen Kulinaristikprofessor Bietigheim und den eher bodenständigen Rockertaxifahrer Pit kommt das Zwerchfell nicht ungeschoren davon. Trotzdem handelt es sich bei diesem Roman um einen ausgewachsenen, geradezu klassisch aufgebauten Kriminalroman, der den Leser zum Mitknobeln anregt und der bis zur letzten Seite spannend ist.

Lesen! Und zwar sofort.

Sonntag, 4. November 2012

Akif Pirinçci: SLAM


"Im Jahre 2100 hat der Islam global gesiegt. Es gibt auf allen Kontinenten noch Widerstandsnester von Terroristen und Rebellen anderer Religionen. Aber ihr Ende ist nah und unaufhaltsam.
Im Jahre 2200 ist die ganze Welt lückenlos islamisiert, weil auch Angehöriger anderer Religionen und Ethnien die Liebe zum einzigen Propheten und zu Allah verinnerlicht haben. Allerdings hat man fast ein ganzes Jahrhundert verloren, weil innerreligiöse Kriege stattgefunden haben. Dies neigt sich nun dem Ende zu.
Im Jahre 2300 kommt es durch epochemachende technische Erfindungen zu einem bis jetzt nie da gewesenen Wohlstand. Vor allem in der Medizin sind atemberaubende Fortschritte zu verzeichnen. Auch findet der Durchbruch zur Herstellung künstlich hergestellter Nahrung statt, die aussieht und schmeckt wie echte. Die Weltbevölkerung schrumpft auf zwei Milliarden Bewohner. Tiere, auch Haustiere verschwinden nach und nach aus dem Blickfeld und dem Straßenbild. Die Menschen arbeiten eigentlich nur noch, weil es ihnen sonst langweilig ist. Das System HAVVA2 (Eva2) übernimmt die medizinische Versorgung der Menschen, die nun bei guter Gesundheit bis zu 200 Jahre alt werden können. Es ist ein global agierendes, eigenständig forschendes, mit fast uneingeschränkten Befugnissen ausgestattetes Programm, das Zugriff auch auf technische Bereiche und auf die Infrastruktur besitzt. HAVVA1 wurde übrigens nur für die Frauenmedizin ersonnen.
Im Jahre 2400 kennen die Menschen das Wort Gewalt oder gar Krieg nur von Hörensagen. Frieden und Wohlstand sind überall zu besichtigen, und viele fragen sich, weshalb es im Paradies eigentlich so anders sein sollte. Bis in der Mitte des Jahrhunderts zirka 5000 Menschen in einer Nacht durch ominöse Unfälle ums Leben kommen. Es handelt sich dabei ausschließlich um hohe Würdenträger, Politiker und Imame. Die Fälle werden nie aufgeklärt, es wächst Gras darüber.
Im Jahre 2500 hat der vorherrschende Islam mit den Erscheinungen, wie wir sie heute kennen, kaum mehr etwas zu tun. Er ist zu reiner Spiritualität transformiert, ähnelt eher dem Wohlfühl-Buddhismus unserer Tage, und wird in gigantischen Moscheen modernster Architektur als Event und Erweckungserlebnis abgefeiert. Vor allem ist er vollkommen friedlich. Mangels wirtschaftlicher Sorgen sind die Menschen ausschließlich mit der Religion beschäftigt, von der sie sich in der Tat zu göttlichen Spähren geleitet wähnen. Sogar der Name der ursprünglichen Religion hat sich gewandelt. Sie nennt sich inzwischen nicht Islam, sondern SLAM. So geht es die 200 Jahre weiter …


Und hier, im Jahre 2731 beginnt unsere Geschichte von Karim, unserem Romanhelden, der einem schier unvorstellbaren Geheimnis auf die Spur kommt …" (Akif Pirinçci)

Was sich wie der Prolog zu einem bizarren Science-Fiction-Roman liest ist genau das: der Prolog zu einem bizarren Science-Fiction-Roman. Geschaffen wird dieses Buch von einem Autorenkollektiv unter der Federführung von Akif Pirinçci, der das ganze Projekt ins Leben gerufen hat und über Facebook koordiniert. 

Und damit wären wir beim zweiten Teil von "bizarr": Wo gibt es denn sowas? Einer denkt sich eine Geschichte aus, und andere müssen sie für ihn schreiben. Na hier. Und allein die Entstehungsgeschichte liest sich, soweit man sie auf der Facebookseite des durch seine Katzenkrimis bekannt gewordenen Romanautors verfolgen kann, selbst schon spannend wie ein Krimi. Einerseits veröffentlicht er die Handlungsskizzen portionsweise, sodass man sich als Außenstehender jederzeit ein Bild vom aktuellen Stand der wachsenden Geschichte machen kann. Andererseits dokumentiert er auch den Entstehungsprozess der vielen Dinge, an die man als Leser zunächst nicht denkt, wenn man an das Werden eines Buches denkt: Das Finden eines aussagekräftigen Titels oder das mühevolle Lektorat, welches Pirinçci hier ebenso selbst übernimmt wie die Gestaltung eines ansprechenden Covers. Nicht zuletzt auch das Promoten eines Buches, welches als unabhängiges Projekt in Form eines eBooks über Amazon vertrieben werden soll, ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit, die sonst von den Verlagen übernommen wird. Und dazu möchte ich mit diesem Blogeintrag gerne beitragen.

Kauft, Leute! Kauft!

...sobald es fertig ist....

Weitere Informationen findet man auf dem Blog des Autors,
den aktuellen Stand der Dinge verfolgt man am besten auf der Facebookseite von Akif Pirinçci.

Samstag, 3. November 2012

Jürgen Mathäß: Pechstein

Johann Wergers ist aufgeregt: Die Rieslingtrauben für seinen Pechstein haben sich exzellent entwickelt. Mit mit diesen Trauben kann er einen Riesling keltern, mit denen er sein kleines Weingut an die Spitze der Pfälzer Weinbauern katapultiert, ganz nach oben auf die Bestenliste der Weinjournalisten. Doch kurz vor der Ernte macht sein junger Kellermeister eine furchtbare Entdeckung: Die Trauben wurden gestohlen. Nicht nur ein paar Kilos, von gierigen Wanderern entwendet, sondern zweieinhalb Tonnen, in einer mondhellen Nacht von Hand geschnitten und heimlich abtransportiert. Hier waren keine Mundräuber am Werk, hier will jemand selbst als Spitzenwinzer reüssieren - mit den Trauben von Wergers. Der Winzer tobt! Doch hat er nicht lange Zeit, sich über den Verlust des besten Teils seiner Ernte zu grämen. Einige Zeit später findet man ihn tot auf den Stufen eines Hauses in seinem Heimatdorf Forst. Dass die Bewohnerin dieses Hauses ein Verhältnis mit dem verheirateten Winzer hatte, bringt den ermittelnden Kommissar Badenhop, soeben aus seiner Hamburger Heimat in die Pfalz versetzt, auf eine erste Spur. Doch er tut sich zunächst schwer mit den Gepflogenheiten in dem für ihn so fremdartigen Landstrich. Und dass er nicht eben ein ausgewiesener Weinkenner ist, ist in diesem Fall äußerst hinderlich, denn schließlich dreht sich in der Pfalz alles um den Rebensaft. Insbesondere in diesem Mordfall.

Von dem, was Jürgen Mathäß in seinem ersten Kriminalroman beim Emons-Verlag vorlegt, können sich viele seiner Autorenkollegen mehr als eine Scheibe abschneiden. Sein Wissen um die Pfalz und ihre Weinszene ist nicht hastig zusammenrecherchiert, sondern wurzelt in jahrzehntelanger Tätigkeit als Weinjournalist. Er ist ein ausgewiesener Fachmann, trotzdem erschlägt er den Leser niemals mit seinem Fachwissen, sondern behält immer den Kriminalfall im Auge. Dieser ist kompliziert konstruiert, spannend geschrieben und lädt durch logischen Aufbau und eingestreute Hinweise zum Mitraten ein. Zeitweise liest sich der Roman auch wie ein Restaurant- und Weinführer, vermutlich werde ich das Buch noch einmal lesen, und zwar mit einem Textmarker bewaffnet.

Ein tolles Buch!
Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Montag, 29. Oktober 2012

Bernd Franzinger: Todesnetz

Hauptkommissar Tannenberg verbringt mit seiner Familie einen vergnüglichen Abend auf dem Dürkheimer Wurstmarkt. Der Spaß wird jäh beendet als Nichte Marieke bemerkt, dass ihr die Handtasche mit Ausweisen und Wohnungsschlüsseln abhanden gekommen ist. Zuhause stellt sie voller Entsetzen fest, dass ein Einbrecher sich mit diesen Schlüsseln Zugang zu ihrer Wohnung verschafft hat. Zum Glück wurden nur zwei Laptops gestohlen, aber der Schreck sitz tief.
Am nächsten Tag wird Tannenberg dann ein Mord gemeldet. Ein Jogger wird im Wald bestialisch mit einem Messer niedergemetzelt. Erst als viel später in einem Entführungsfall um eine vermisste Studentin ermittelt wird, bemerkt die Kripo Kaiserslautern einen Zusammenhang: Die Studentin wurde mit einer Email in eben dieses Waldstück gelockt, und zwar genau zu der Zeit, als man den Jogger ins Jenseits befördert hat. Der Absender dieser Email ist Tannenbergs Nichte.

Als ich an dieser Stelle des Buches angekommen war, vielleicht auch ein paar Seiten später, schoss mir durch den Kopf: "Oh nein! Nicht schon wieder ein durchgeknallter Serienkiller, der es auf Tannenbergs Familie abgesehen hat. Das ist doch total unrealistisch. So viele Bekloppte kann es doch selbst in Kaiserslautern nicht geben!" Ich spielte schon mit dem Gedanken, es wegzulegen. "Eigentlich schade", dachte ich, denn bisher hatte es mir ganz gut gefallen: Vertraute Protagonisten, die sich witzige Wortgefechte liefern sowie knifflige Probleme, die bei den Ermittlungen zu lösen sind. Ich entschied mich also, dem Roman noch eine Chance zu geben. Und dann viel es mir wie Schuppen von den Haaren, doch dazu muss ich etwas ausholen.

Vor kurzem habe ich einen Krimi nicht zu Ende gelesen. Welcher das ist, verrate ich nicht. Die Erklärung für mein Tun findet sich hier. Die Autorin dieses Romans, selbst eine forensische Anthropologin und erfahrene Ermittlerin, schrieb hier über einen Fall in einem interessanten Umfeld. Offensichtlich hatte sie diese Geschichte zumindest teilweise selbst erlebt, denn sie schilderte detailgetreu die persönlichen Empfindungen ihrer Protagonistin, stellte deren Arbeit glaubwürdig und akribisch dar, ließ auch die vielen Misserfolge bei kriminaltechnischen Untersuchungen nicht aus. Zwischendurch funkten der Heldin auch noch andere Behörden bei der Arbeit dazwischen und es nervte die Presse. Alles sehr detailverliebt und sicher auch absolut realistisch erzählt. Aber im Grunde genommen auch stinklangweilig.

Wenn ich einen Krimi lese, dann will ich spannend unterhalten werden. Spannend-lustig wie bei Harald Schneider, spannend-interessant wie bei Lilo Beil oder eben spannend-lustig-gruselig wie in diesem Buch. Die Realität jedoch ist oft gänzlich unspannend und alles andere als unterhaltsam.

Das "Todesnetz" hingegen ist ein überaus spannender Krimi, und zwar bis zur letzten Seite. Da darf dann ruhig auch die Phantasie der Handlung die Sporen geben. Bitte, Herr Franzinger: denken Sie sich noch viele wahnsinnige Serienkiller aus, die Tannenberg, seiner Familie und seinen Freunden das Leben schwer machen. Und erzählen Sie weiter so fesselnd wie in diesem Buch. Selbst wenn es dann nicht ganz so realistisch ist. Ich mag das!

Ein tolles und spannendes Buch: Lesen!

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Terry Pratchett: Das Mitternachtskleid

Obwohl alle gerne die Hilfe einer Hexe in Anspruch nehmen, sei es in Sachen Altenpflege, Tiermedizin oder gegen allerlei menschliche Wehwehchen, erfreuen sich diese weisen Frauen in letzter Zeit immer geringerer Beliebtheit. Das bekommt auch Tiffany Weh, eine Nachwuchshexe im Teenageralter, zu spüren. Misstrauen und Vorurteile schlagen ihr entgegen.
Ausgerechnet in diesen für Trägerinnen spitzer Hüte so unsicheren Zeiten erwacht eine uralte, unaussprechlich böse Kraft, um Tiffany den Garaus zu machen. Ein Kampf beginnt, bei dem ihr niemand helfen kann.

Wie immer bei Terry Pratchett gibt es auch in diesem Roman wieder viel zu lachen. Trotzdem ist die Geschichte um die junge Hexe voller Weisheit und Spannung. Ein schönes Buch!

Unbedingt lesen!

Montag, 8. Oktober 2012

Elke Pistor: Eifler Zorn

Bei Abrissarbeiten an einem alten Anwesen in Gemünd entdeckt eine Baggerführerin die Fettwachsleiche eines jungen Mannes. Der Körper weist Spuren schwerer Misshandlungen auf und es fehlen beide Hände. Natürlich wird die Kripo eingeschaltet, doch schon am nächsten Tag findet sich an derselben Stelle schon wieder eine männliche Leiche der man die Hände abgetrennt hat. Letztere ist jedoch frisch. Das kann Sandra Kobler, eine der Polizeibeamtinnen vor Ort, mit Sicherheit bestätigen, noch bevor die Spurensicherung oder der Gerichtsmediziner eingeschaltet wurde. Es ist ihr Mann Arno.

Auch im dritten Eifelkrimi von Elke Pistor ermittelt wieder die ehemalige Kriminalhaupkommissarin Ina Weinz als einfache Polizistin nur inoffiziell. Was sie zusammen mit den ermittelnden Kriminalbeamten ans Tageslicht bringt, lässt dem Leser dieses spannenden Romans mehr als einmal die Haare zu Berge stehen. Geschickt mischt die Autorin Handlungs- und Zeitebenen, und führt uns einen menschlichen Abgrund nach dem anderen vor Augen.

Ein tolles Buch! Unbedingt lesen!

Wer mag, kann sich auf der Webseite der Autorin eine Leseprobe aus diesem Buch zu Gemüte führen. Außerdem kann man sich auch einen Teil des Buches von Frau Pistor persönlich vorlesen lassen. Darüber hinaus hat sich die Autorin als besonderen Leckerbissen noch ein Gewinnspiel ausgedacht.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Ralf König: Götterspeise


"ABRAHAM! ICH KÖNNTE MAL WIEDER EIN OPFER VERTRAGEN!"

"Oh. Aber ich habe Dir doch erst gestern den Widder... Davon müsste doch noch was übrig sein?!"

"ACH. WIDDER, WIDDER!!! IMMER NUR WIDDER!!! ICH HAB KEINE LUST FÜR DEN REST DER WOCHE DIESEN ALTEN WIDDER..."

"Verstehe... Soll ich Dir einen Frischen...?"

"NEIN. MIR IST MAL NACH WAS ANDERM! OPFER MIR DEINEN SOHN."


Allein für diesen kleinen, blasphemischen Dialog zwischen dem biblischen Abraham und seinem Schöpfer lohnt es sich, das Comicbuch zu kaufen. Deshalb gibt es hier auch nur einen kleinen Auszug. Ich will ja niemandem den Spaß verderben.

Neben Parodien von biblischer Geschichten und Heiligenlegenden enthält es auch noch eine herrliche Verunglimpfung der Evolutionslehre (Gerechtigkeit muss sein), königlichen Kniefällen vor William Shakespeare und dem eher traditionellen Splatter-Horrorfilm, ein paar Klassiker sowie einige neue Episoden mit Konrad und Paul. Alles in allem eine gelungene und lustige Mischung aus der Feder des Meisters.

Unbedingt lesen, und zwar sofort!

P.S.:
Wer mag, kann sich zwei der Geschichten aus diesem Buch von Ralf König höchstpersönlich auf YouTube vorlesen lassen. Das ist überaus erbaulich, denn er macht das wirklich ganz toll, ersetzt aber nicht den vollständigen Band:



Freitag, 28. September 2012

Ralf König: Elftausend Jungfrauen

Die britannische Prinzessin Ursula pilgerte um 300 unserer Zeitrechnung zusammen mit zehn Freundinnen zum Papst nach Rom und erlitt bei ihrer Rückkehr vor den Toren der Stadt Köln das Martyrium. So steht es in den Heiligenlegenden über die Kölner Schutzpatronin. Bei Ralf König werden aus den elf Jungfrauen elftausend, was für sich genommen schon einem Wunder gleich kommt, denn in der Spätantike dieses Comics geht es ausgesprochen frivol zur Sache. Auch und vor allem in den Klöstern und Kirchen. So wundert es nicht, dass auch der heilige Vater eher ein sabbernder Grabscher ist denn ein frommer Stellvertreter Christi.

Auch dieses Buch des Herrn König habe ich von meinem Bücherdealer abgeholt und zunächst in der Originalverpackung belassen. So lange, bis ich mir Sicher war, dass ich die Zeit finde, es in einem Rutsch zu lesen. Und dieser Tag war heute: Folie abreißen, Einband betrachten, über das Lesebändchen freuen und abtauchen. Eben bin ich wieder aufgetaucht, und mir ist noch immer ganz schwindelig vom vielen Kichern. Meine Beine sind mit blauen Flecke übersät vom vielen Schenkelklopfen und meine Nachbarn halten mich jetzt vermutlich endgültig für verrückt.

Und ja: Man darf über religiöse Institutionen und auch über Religionen selbst lachen. Daran ist nichts beleidigendes, und das ist gute, alte Tradition im Rheinland und auch anderswo.

Ein tolles Buch! Unbedingt lesen, und zwar sofort.

Akif Pirinçci: Göttergleich

Der schnurrhaarige Klugscheißer Francis überlebt nur knapp einen Unfall. Seitdem ist nichts mehr wie es war. Immer wieder läuft die Zeit ein Stück rückwärts, Geschehenes wir ungeschehen und alternative Handlungsabfolgen werden möglich. Als haben die Verletzungen des Unfalls ein Tor aufgestoßen, nimmt Francis auf einmal Dinge wahr, von denen er früher nicht einmal geträumt hätte. Und er ist nicht allein. Bald kommt er einer Verschwörung auf die Spur, in die selbst höchste Regierungskreise verstrickt sind.

Die Entwicklung der Handlung eines anderen Romans von Akif Pirinçci verglich ich vor einiger Zeit mit dem langsamen aber stetigen Hochschalten eines Rennrads. Dieses Buch entwickelt eine andere Dynamik, die mir eher wie die Beschleunigung einer U-Bahn vorkommt. In einem atemberaubenden Tempo jagt sie durch den Tunnel und nimmt den Leser mit zur nächsten Haltestelle. Dort kann man ganz kurz verschnaufen, dann rast sie wieder los.

Dieses Buch ist außergewöhnlich, faszinierend, spannend und phantastisch. Ich wünsche ihm noch viele Leser, die ebenso begeistert sind wie ich.

Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Samstag, 8. September 2012

Judith Merchant: Nibelungenmord

Unweit des idyllischen Königswinter, in einem kleinen Seitental des Rheins, befinden sich Höhlen. Genauer gesagt sind es ehemalige Basaltsteinbrüche, die später als Weinkeller und auch als Luftschutzbunker benutzt wurden. Heute werden die "Drachenhöhlen" nur noch selten betreten, hier spielen allenfalls noch Kinder. Und genau in so einer Höhle wird eine Frau entdeckt: Auffallend gut gekleidet, und auffallend tot.
Weil zeitgleich die Gattin eines wohlhabenden Notars verschwindet, glaubt Kommissar Jan Seidel zunächst, nur eins und eins zusammenzählen zu müssen. Der Notar hat seit Jahren eine Geliebte, die exzentrische Künstlerin hätte also ein Motiv gehabt, und ein glaubwürdiges Alibi hat sie auch nicht.
Doch der Fall ist viel komplexer, als zunächst angenommen, und bald gerät auch der Kommissar in Lebensgefahr.
Frau Merchant gestaltet ihre Protagonisten nicht wie zweidimensionale Scherenschnitte. Sie haben Ecken, Kanten und auch ein Leben nach Feierabend. Das ist es, was diesen Roman so interessant, die Handlung so überzeugend werden lässt. Der interessante und mit viel Liebe zum Detail gestaltete Krimiplot trägt seinen Teil zur Qualität dieses Buches bei, und auch sprachlich bewegt sich die Autorin auf hohem Niveau. 

Ein tolles Buch! Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Noch ein Tipp: Ich habe die beiden Romane von Frau Merchant in der falschen Reihenfolge gelesen. Das schmälert etwas den Genuss bei den Nebenhandlungen. Deshalb empfehle ich, die Reihenfolge einzuhalten.

Mittwoch, 29. August 2012

Judith Merchant: Loreley singt nicht mehr

Vater Rhein ist alt geworden. Eingezwängt in ein Betonkorsett hat er viel von seiner einstigen Größe und Kraft eingebüßt. Nur ein-, zweimal im Jahr, wenn seine Nebenflüsse bei lang anhaltenden Regenfällen oder Schneeschmelze anschwellen, erhebt er sich und gewinnt vorübergehend seine alte Macht zurück. Dann reißt er vieles mit sich, was ursprünglich nicht für ihn bestimmt ist: Gartenhäuser tanzen dann auf seiner silbrigen Oberfläche, Fahrräder werden weggespült, Baumstämme treiben dahin. Und ab und zu eben auch ein Mensch. Den umschlingt er dann mit seinen nassen und kalten Armen und lässt ihn erst einmal nicht mehr los.

Kommissar Jan Seidel wird mit der Lösung eines seltsamen Falles beauftragt: Eine Leiche wurde nachts an Land gespült. Sie liegt nun, mit mehreren Dutzend Knicklichtern gelbgrün illuminiert als bizarr dekoriertes Treibgut an einer Buhne und wartet darauf, von der Spurensicherung untersucht zu werden. Eine flüchtige Begutachtung der Situation lässt zunächst an einen Selbstmord denken, doch Seidel merkt schnell, dass er tiefer in den Fall eindringen muss. Zu viele Details sind nicht stimmig, zu viele Widersprüche machen diese erste Hypothese unglaubwürdig.

Frau Merchant erzählt einen komplizierten Kriminalfall, der mit vielen Hinweisen und Spuren zum Mitknobeln anregt. Immer wieder glaubt man, eine Lösung vor Augen zu haben, aber dann wird man doch wieder überrascht und blickt in noch einen tieferen Abgrund. In diesem sprachlich ausgefeilten und spannenden Roman fehlt nichts, was einen guten Krimi ausmacht.

Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Freitag, 17. August 2012

Harald Schneider: Pilgerspuren

Bei einem privaten Besuch im Dom zu Speyer rettet Kriminalhauptkommissar Reiner Palzki zwei ihm bis dahin unbekannten Personen das Leben. Ohne Palzkis Hilfe wären sie von einem schweren Gegenstand erschlagen worden, den man offensichtlich mit Absicht von der Orgel heruntergeworfen hat. Und so schlittert der zerstreute Polizist unversehens in die Ermittlungen eines Falls, in dem es erfreulicherweise (noch) keinen Toten gegeben hat. Um sich in den Gebäuden des bischhöflichen Ordinariats, des kirchennahen Verlags Peregrinus sowie dem Dom selbst freier bewegen zu können, wird ihm bei den Ermittlungen ein ranghoher Kirchenmitarbeiter zur Seite gestellt. Palzki entdeckt viel für ihn Neues unter den Dächern der Kirche und deckt sogar einen peinlichen, kleinen Skandal auf. Doch im Fall selbst kommt er zunächst nicht weiter. Irgendwann hat er die entscheidende Idee, mit der er alle losen Fäden verbinden und den Attentäter überführen kann.

Auch in diesem Roman des Herrn Schneider kommt das Zwerchfell nicht ungeschoren davon. Immer wieder tritt Palzki im kirchlichen Umfeld wegen seiner dürftigen Halbbildung in Fettnäpfe. Seine ungesunden Essgewohnheiten (Liebe Kinder: Bitte nicht nachmachen!) sind teilweise ebenso zum Brüllen wie die von seinem Nachwuchs verursachten Peinlichkeiten. Schließlich taucht auch noch der verlorene Sohn seiner nervigen Nachbarn auf. Trotz jahrelangen Aufenthalts in der Berliner Punkerszene ist der ein waschechter Pfälzer geblieben, zumindest sprachlich. Palzkis frühreife Tochter ist augenblicklich verwirrt. Ob Dr. Metzger da helfen kann?

Als Bonus legt Harald Schneider noch einen Rätselkrimi und eine Kurzgeschichte bei - was will man mehr? Ein lustiges Buch!

Lesen!

Mittwoch, 8. August 2012

Terry Pratchett: Der Club der unsichtbaren Gelehrten

Trevor und Nutt leben ein bescheidenes Leben als Kerzentropfer in den unterirdischen Gewölben der Unsichtbaren Universität von Ankh-Morpork. Doch beide haben besondere Talente, die im Verborgenen Schlummern. Trevor Likely ist Sohn eines legendären Straßenfußballspielers und hat einiges an Talent für diese ungewöhnlich brutale Sportart geerbt. Da sein Vater jedoch einst bei einem dieser Spiele ums Leben kam, spielt er selbst nicht. Nutt hingegen ist ein Goblin, und als solcher ungewöhnlich belesen. Er ist geradezu ein wandelndes Lexikon und zudem handwerklich äußerst geschickt. Leider gibt es an ihm auch eine dunkle Seite, von der er zunächst jedoch selber nichts weiß. Eines Tages übernimmt er das Training der universitären Fußballmannschaft, und so nehmen ungewöhnliche und wunderbare Ereignisse ihren Lauf.

Die Scheibenwelt des Terry Pratchett ist ein Paralleluniversum, in dem Magie einen ähnlich hohen Stellenwert besitzt wie Naturgesetze. Hier tummeln sich völlig selbstverständlich Zwerge und Trolle zwischen den menschlichen Stadtwächtern, Vampire und Wehrwölfe leben friedlich mit den Mitgliedern der Diebes- oder Assassinengilde zusammen. Was vordergründig wie ein kindliches Fantasy-Spektakel klingt, ist in Wirklichkeit ein äußerst humorvoller und intelligent geschriebener Roman mit immer neuen, überraschenden Wendungen.

Lesen!

Donnerstag, 12. Juli 2012

Bruno Paulot: Ein gewagter Coup

Pierre Burgenstahler soll sich eigentlich von einer Schussverletzung erholen. Liebevoll kümmert sich seine Frau Maria, selbst ehemalige Polizistin und in seinen Fällen immer eine große Hilfe, um ihn. Doch der Polizeipräsident kann nicht auf seinen Hauptkommissar verzichten. Auf einen Architekten wurde ein Mordanschlag verübt, der so geschickt als Suizid getarnt war, dass sich darauf nur eine Schlussfolgerung ableiten lässt: Hier waren Profis am Werk. Bald erkennt das Ermittlerteam um was es geht: Millionenbeträge wurden unterschlagen und die organisierte Kriminalität hat offensichtlich auch ihre Finger im Spiel. Ein komplizierter Fall! Einmal mehr wird mir klar, wie beschämend schlecht unsere Polizisten für ihre gefährliche Arbeit bezahlt werden.

Sprachlich ausgefeilt und psychologisch einfühlsam erzählt Herr Paulot eine spannende Kriminalgeschichte, die Lust auf die Pfalz macht. Deshalb zieht es mich jetzt auch nach draußen: Ein Ausflug an die nördliche Weinstraße wäre ein gelungener Abschluss dieses tollen Romans.

Lesen!

Mittwoch, 4. Juli 2012

Markus Orths: Lehrerzimmer

Studienassessor Kranich, Englisch, Deutsch, meldet sich zum Dienst. Gleich am ersten Tag wird er von seinem neuen Schulleiter kräftig in die Zange genommen. Oberstudiendirektor Höllinger fordert Residenzpflicht ein und wundert sich, dass Kranich dieser nicht schon von selbst nachgekommen ist. Schließlich wisse er doch schon seit zwei Wochen von seiner Anstellung in Göppingen. Außerdem bemäkelt er Kranichs Gesprächsführung im Unterricht (er hat sich eine Videoaufzeichnung einer seiner Lehrproben angesehen und analysiert) sowie seine Vornoten. Auch seine mangelnde Bereitschaft, im ersten Berufsjahr eine Klassenleitung zu übernehmen kommt zur Sprache.
Man ahnt schon, wie es weitergeht, aber es kommt alles noch viel schlimmer: Die kommenden Tage entwickeln sich für den Junglehrer zu einer Achterbahnfahrt bei der es immer nur steil bergab geht. Das Kollegium entpuppt sich als Panoptikum von gescheiterten Existenzen, die Schule als ausgeklügelte Bespitzelungsmaschinerie, und immer wenn man denkt "Noch schlimmer kann's aber jetzt nicht werden!" setzt Orths noch einen drauf.

Markus Orths hat selbst als Lehrer gearbeitet, bevor er sich ganz der Schriftstellerei verschrieb. Er weiß also, wovon er schreibt. Und so lernt man in diesem brillanten satirischen Roman den Lehrerberuf einmal aus einer anderen als der ewig gleichen Feuerzangenbowlen-Sichtweise eines ehemaligen Schülers kennen. Hier schreibt ein Insider, der alle Aspekte unseres Berufes aus eigener Anschauung kennt. Methodenfeuerwerke übereifriger Referendare, Raumpiraterie und Schlüsselklau habe ich schon öfter erlebt, als man sich als Außenstehender vorstellen kann. Auch pingelige Lehrbuchbewacher, bürokratisches Verwaltungspersonal oder kafkaeske Besuche durch die Schulaufsichtsbehörde kennt jeder meiner Kollegen. Zwar ist dies hier alles ziemlich überspitzt dargestellt und zeitlich stark verdichtet, aber im Prinzip gibt es solche Typen und Situationen durchaus. Gottseidank nicht so geballt, wie an dem im Roman dargestellten Gymnasium.

Ein zum Brüllen komisches Buch, das zu lesen ich uneingeschränkt empfehle. Auch meinen Kolleginnen und Kollegen! Nehmen Sie sich ein Beispiel an mir, meine Damen und Herren: Ich habe es inzwischen zum dritten Mal in mich hineingefressen.

Montag, 2. Juli 2012

Rudolf Jagusch: Eifelheiler

In einer kleinen Eifelgemeinde wird eine ältere Frau in ihrem Haus auf bestialische Weise mit einem Messer niedergemetzelt. Fast das ganze Haus ist besudelt mit den Spuren des Verbrechens, der Mörder muss buchstäblich im Blut des Opfers gewatet haben. So mordet nur, wer großen Hass verspürt! Trotzdem galt die Ermordete als beliebt und geachtet, alle sagen nur Gutes über sie. Sie war eine Heilerin, die Menschen gesundbeten konnte. Doch irgendwann merken die Ermittler Horst Fischbach und Jan Welscher, dass da etwas faul ist in der Eifel. Und das stinkt gewaltig!

Auch im zweiten Teil der Eifelkrimi-Reihe von Herrn Jagusch muss ein kniffliger und spannender Kriminalfall gelöst werden, der durch geschickt eingestreute Hinweise zum Knobeln verführt. Man fühlt sich fast als Teil des Ermittlerteams. Auch in diesem Krimi gibt es wieder komödiantische Anteile. Gerade oft genug, um die Spannung zwischendurch einmal aufzulockern. Aber nicht so viele, dass die Ermittler dadurch zu drittklassigen Laurel-und-Hardy-Parodien degradiert würden. Die Protagonisten behalten trotz allem Slapstick ihre Würde und ihre Glaubwürdigkeit.

Und als ob das noch nicht genug wäre, gibt es einen weiteren roten Faden, den man sonst in einer Serie nicht findet: Die beiden Ermittler werden ganz behutsam weiter entwickelt und bekommen erst nach und nach Konturen. In jedem Buch dieser Reihe kommt man den Charakteren etwas näher, freundet sich mit ihnen an. Doch lernt man sie, und so ist es im richtigen Leben ja auch, niemals ganz kennen, es bleiben immer noch Geheimnisse. Und darum möchte ich sofort den nächsten Band der Reihe lesen. Und zwar sofort!

Meine Empfehlung: Daumen hoch und alle verfügbaren Sterne! Lesen! Und zwar erst den ersten, dann den zweiten Teil!

Samstag, 16. Juni 2012

Bernhard Jaumann: Steinland

Der namibische Farmer Gregor Rodenstein wird erschossen auf seiner Farm aufgefunden. Clemencia Garises, Kriminalispektorin der Polizei Windhoek, erfährt, dass dies bei einem Überfall einer kleinen Gangsterbande geschehen ist. Bei dieser Gelegenheit wurde außerdem der Sohn der Familie entführt. Schon bald trifft ein Erpresserbrief ein, mit dem die Farmer der Gegend aufgefordert werden, ihre Ländereien an den namibischen Staat zu verkaufen.
Clemencia nimmt Witterung auf und sucht nach den Tätern. Doch zunächst muss sie ein mehrlagiges Lügengespinst zerschneiden, in das auch ihre Familie verstrickt ist. Es wird gefährlich für alle Beteiligten, und ihr wird schließlich klar, dass nichts ist, wie es scheint.

Nach "Die Stunde des Schakals" legt Herr Jaumann erneut einen spannenden und intelligent geschriebenen Namibia-Roman vor. Der Fall ist kompliziert und hat aktuelle politische und historische Bezüge. Die Figur der Kommissarin Clemencia ist so interessant und vielschichtig, dass man sich weitere Fortsetzungen dieser Reihe wünscht.

Unbedingt lesen!

Freitag, 1. Juni 2012

Gisbert Haefs: Die Rache des Kaisers

1519: Der 15jährige Jakob muss mit ansehen, wie sein Dorf und seine ganze Familie durch marodierende Landsknechte grausam ausgelöscht wird. Ein orientalischer Edelmann nimmt sich des Knaben an und adoptiert ihn. Jakob erhält Bildung und wird auch in verschiedenen Waffentechniken unterwiesen. Doch die Gesichter der Mörder kann er nicht vergessen. Nach vielen Jahren macht er sich auf die Suche nach ihnen. Er will Informationen über die Hintergründe der grausamen Tat, aber er will auch Rache. Um den Mördern auf die Spur zu kommen, schließt er sich, nun ebenfalls Söldner, verschiedenen Heeren an. Und so wird sein Leben eine Art Roadmovie durch die Kriege des 16. Jahrhunderts kreuz und quer durch Europa und die Neue Welt.

Auch dieser Roman des Herrn Haefs lässt uns wieder eintauchen in eine längst vergangene Zeit, die wir uns so heute eigentlich gar nicht mehr vorstellen können. Selbst bekannte Orte und Landschaften wirken wie aus einem Paralleluniversum, wenn man sie so sieht, wie sie vor einem knappen halben Jahrtausend aussahen. Wir sehen eine längst vergangene feudale Gesellschaft, in der weite Teile der Bevölkerung in unvorstellbarer Armut lebten und unerträgliches Leid erdulden mussten. Wir sehen Kriege, die mit unglaublicher Brutalität geführt wurden. Wir sehen aber auch, dass selbst unter solchen Verhältnissen Freude und Glück nicht unmöglich waren.

Ein tolles Buch!
Lesen!

Donnerstag, 24. Mai 2012

Gisbert Haefs: Das Labyrinth von Ragusa

Es war nicht immer leicht im Europa des 16. Jahrhunderts: Die erste Belagerung Wiens durch das Osmanische Reich konnte zwar abgewehrt werden, aber die türkische Armee mit ihren gefürchteten Janitscharenkriegern rüstet bereits zum Gegenangriff. Jakob Spengler, Veteran dieser ersten Belagerung, hatte bereits viele Abenteuer überstanden als er sich in Venedig niederließ, um mit einer wohlhabenden Venezianerin eine Familie zu gründen. Doch das geruhsame Leben ist nur von kurzer Dauer, denn die osmanischen Flotte schneidet die Handelsmacht Venedig von ihren Wasserstraßen ab und bereitet die Rückeroberung einiger Stützpunkte in der Adria vor. Spengler reist ins damals zum osmanischen Reich gehörende Ragusa, das heutige Dubrovnik, um nach verschwundenen Mittelsmännern der Venezianer zu suchen. Gleichzeitig möchte er dort noch eine alte Rechnung begleichen. Ein spannendes Verwirrspiel beginnt.

Ich kenne und schätze die historischen Romane des Herrn Haefs nun schon lange. Er schafft es immer wieder, moderne Romangenres völlig glaubwürdig in der Vergangenheit anzusiedeln. In diesem Fall handelt es sich um einen regelrechten Agententhriller, der durch eine alte Blutfehde zusätzlich verkompliziert wird. Gisbert Haefs lässt sich Zeit damit, die Charaktere zu zeichnen. Genau deshalb wird es aber nie langweilig, und irgendwann möchte man diesen gelungenen Roman nicht mehr aus der Hand legen. Leider habe ich erst beim Lesen bemerkt, dass es sich hier bereits um den zweiten Band einer Reihe handelt. So gesehen weiß ich also schon, wie der erste Band ausgeht. Ich bin mir aber sicher, dass es trotzdem ein Vergnügen sein wird, ihn zu lesen.

Was soll ich lange drumherum reden: Daumen hoch, fünf Sterne und die Empfehlung: "unbedingt lesen"!

Sonntag, 20. Mai 2012

Ralf König: Dschin Dschin

...und zwar beide Teile:
  1. Der Zauberer des Schabbar
  2. Schleierzwang im Sündenpfuhl
Einst lebte im Land Washmit-Dash in der Oasenstadt Jammerjalla der Mufti Abdullah Abba Schachmatt. Der war ein sittenstrenger Miesepeter. Das Volk, seine drei Eheweiber und auch seine Kinder fürchteten ihn deshalb sehr. Nach einer Mahlzeit aus Reis und offensichtlich verdorbenem Hammelfleisch durchwacht er,  von heftigen Leibschmerzen geschüttelt, die Nacht. Da erscheint ihm der Erzengel Hirsemeel. Dieser findet, dass das Volk noch immer zu übermütig ist und erlässt kurzerhand noch ein paar Gebote, die der um sich greifenden Fröhlichkeit ein Ende bereiten sollen. "Denn das Leben ist grausam und hart, und darob jedes Vergnügen ein Greul!" betont der Erzengel, und der Mufti stimmt ihm unterwürfig zu. Und so zieht Schachmatt aus, um dem Volk das Fußballspielen, die Flötentöne, und das Rasieren zu verbieten. Doch er hat die Rechnung ohne den Zeichner gemacht: bald findet er sich in einer ungewohnten Rolle wieder. Einer für ihn sehr ungewohnten Rolle.

Ralf König nähert sich der Figur des Mufti ebenso frech, wie er mit der arabischen Erzähltradition respektvoll umgeht. Ganz im Stil eines Hâkawâti erzählt er eine komplex verschachtelte und Jahrhunderte umspannende Geschichte, wie sie ebenso in "Tausendundeine Nacht" stehen könnte. Allerdings nur in der unzensierten Fassung, nicht in der für Kinder. Es wäre schließlich kein "echter König", wenn es nicht wieder deftig zur Sache gehen würde.

Zwei überaus lustige Bücher, die durchaus auch kritische Töne anklingen lassen.

Lesen!

Mittwoch, 16. Mai 2012

Ralf König: Hempels Sofa

Martin ist ein Landkind. Der junge Mann ist in der fränkischen Provinz aufgewachsen, hilft fleißig auf dem Bauernhof seiner Eltern und erfreut sich an seinem Hobby, einer gradezu monumentalen Carrerabahn. Doch so richtig glücklich ist er nicht. Sein Bruder wird den Hof übernehmen, mit Frauen hat er, trotz seines daraus ansehnlichen Äußeren, kein Glück - kurz: Er ist einsam und will raus aus dem Trott.

So beschließt er, für ein paar Wochen nach Berlin zu gehen. Dort schlüpft er bei einem alten Schulfreund unter, sucht Kontakt zu einer Frau, die er über das Internet kennen gelernt hat und will seine in Jahrzehnten zusammengekaufte Carrerabahn an einen Sammler verkaufen. Er will endlich erwachsen werden.

Dieses Buch wäre kein echter "Ralf König", wenn es nicht bald drunter und drüber gehen würde. Die erotischen Verstrickungen entwickeln sich vielfältig und zahlreich, alles kommt anders, als gedacht. Und doch ersinnt Herr König eine wunderbare, gradezu hinreißend romantische Liebesgeschichte.

Lesen!

Montag, 14. Mai 2012

Ralf König: "Sie dürfen sich jetzt küssen"

Konrad und Paul möchten, nach 15 Jahren wilder Ehe, endlich heiraten. Jetzt geht das ja. Die Freunde sind neugierig, das war klar. Die Eltern sind allesamt entsetzt, auch das war zu erwarten. Nur Pauls Großmutter reagiert völlig anders als vermutet. Und ausgerechnet jetzt lernt Paul einen türkischen jungen Mann kennen, der nicht so recht weiß, ob er sich eher zu Frauen oder zu Männern hingezogen fühlen soll. Da steuert Paul natürlich gerne handfeste Entscheidungshilfen bei.

Die Figuren Konrad und Paul sind inzwischen auch schon echte Klassiker. Unzählige Abenteuer hat Ralf König sie bisher durchleben lassen. Konrad, der sensible und eher häusliche Pianist stellt dabei den ruhenden Pol dar und ist gelegentlich ziemlich genervt. Paul, der kleinwüchsige, promiskuitive Nimmersatt, ist eher der quirlige Teil des ungleichen Paars. Im Grunde sind die beiden wie Jack Lemmon und Walter Matthau, nur eben in schwul und mit Knollennasen. Eine herrlich erzählte Geschichte mit filmreifen Rückblenden und Zukunftsvisionen. Mal radikale Zwerchfellmassage und gelegentlich durchaus mit Tiefgang.

Ein Wort nur: Lesen!

Sonntag, 6. Mai 2012

Cedric Arnold: Volltreffer

Arthur lebt in beschaulichen und geordneten Verhältnissen. Sein Vater, einst berühmter und erfolgreicher Schriftsteller, hat ihm ein Erbe hinterlassen, welches ihm bei besonnener Lebensführung ein sicheres Auskommen ohne geregelte Arbeit garantiert. Man könnte sagen, dass er von Beruf Erbe ist, und zwar ein recht erfolgreicher. Das väterliche Anwesen, eine schon etwas heruntergekommene Villa mit großem Garten, erspart ihm die Miete, auch der vom Erzeuger geerbte Wagen wird sicher noch eine ganze Weile seinen Dienst verrichten. Sonntags pflegt er das väterliche Grab und für einen wöchentlichen Besuch bei einer Prostituierten reicht das Geld auch noch. So lebt er ein unaufgeregtes Leben in ländlicher Umgebung. Bis eines Tages im Haus gegenüber eine junge und bildschöne Frau einzieht. Sie hat es ihm sofort angetan und ab sofort bekommt sein Leben eine andere Taktung. Und das nicht nur wegen Susi. Bald geht alles drunter und drüber, finstere Gestalten geben sich die Klinke in die Hand, und nichts ist mehr, wie es noch Stunden vorher schien.

Als Student hatte ich einst ein Rennrad. Mit der richtigen Technik konnte ich mit der 21-Gangschaltung damals erstaunliche Geschwindigkeiten erzielen, ohne mich dabei sonderlich anzustrengen. Ich startete mit der kleinsten Übersetzung, arbeitete mich langsam und gemütlich zu deren Endgeschwindigkeit vor, und schaltete dann genau einen Gang nach oben und so fort. Schon im zehnten Gang konnte ich seinerzeit mühelos mit einem Mofa mithalten, im 21. Gang schwamm ich ganz locker im Autoverkehr einer Großstadt mit.

Dieses Buch beschleunigt mit einer vergleichbaren Technik:
(...und ja! Ich weiß, dass der Vergleich an den Haaren herbei gezogen ist.)
Im ersten Kapitel stellt uns der Autor seinen Protagonisten vor, eine Figur, die unspektakulärer nicht sein könnte. Und von Kapitel zu Kapitel steigert sich die Geschwindigkeit der Erzählung, immer irrwitziger wird die Handlung, immer abstruser die Einfälle des Autoren. Irgendwann nimmt dieser Kriminalroman derart Fahrt auf, dass man ihn nicht mehr aus der Hand legen möchte. Und dann fängt man an, zu begreifen. Und diese Aha-Erlebnisse halten an bis zur letzten Zeile. Erst da versteht man, warum der Autor für dieses Buch extra ein Pseudonym erfunden hat, denn auch das gehört zur Handlung.

Ein tolles und sehr unterhaltsames Buch, das unbedingt verfilmt werden sollte.
Und zwar von Bernd Eichinger.
Mit Leonardo Di Caprio.

Bis dahin sollten Sie es lesen. Und zwar unbedingt und sofort!

Donnerstag, 26. April 2012

Walter Landin: Eiswut

Hauptkommissar Lauers Sohn geht sehr fürsorglich mit seinem Vater um: Zum Geburtstag schenkt er dem als Single lebenden Polizisten ein Halbjahresabonnement für eine lokale Singlebörse. Es soll nicht vereinsamen sondern lieber aktiv nach einer Partnerin suchen - meint er. Lauer tut wie ihm geheißen und lässt sich auf die Partnersuche ein. Bald wird er fündig und lernt eine nette Dame kennen. Dumm nur, dass diese gleichzeitig auch Zeugin in seinem aktuellen Mordfall ist. Auch das Opfer war auf www.mannheim-flirtet.de aktiv, er und Lauers neue Flamme waren einmal kurzzeitig liiert. Und so vermischt sich Berufliches und Privates, eine emotionale Achterbahnfahrt für den Ermittler beginnt.

Walter Landin zeigt die Menschen, wie sie sind. Mit guten Seiten und auch mit ihren Schwächen. Er erschafft Charaktere, keine Skizzen. So begreift man ihre Handlungen und die dahinter stehende Motivation. Auch die des Täters, der letztendlich auch nur ein Opfer ist. Viele verschiedene Handlungsstränge fügen sich in diesem Roman zu einem logischen Gesamtbild. Ein tolles und vielschichtiges Buch.

Lesen!

Montag, 16. April 2012

Rudolf Jagusch: Eifelbaron

Der junge Kommissar Welscher wird vom lebenslustigen Köln in die frostige Eifel versetzt. Ausgerechnet! Dabei glaubte er, dem dörflichen Mief seiner alten Heimat schon vor vielen Jahren endgültig entwischt zu sein. Zu allem Überfluss knirscht es auch noch in seiner Beziehung. Ein Umstand, der durch das tägliche Pendeln auch nicht gerade vereinfacht wird.

Sichtlich genervt nimmt er sich seines ersten Falls an seiner neuen Dienststelle an: ein örtlicher Unternehmer wird mit einem Kopfschuss ermordet aufgefunden. Genauer: von dem Kopf ist so gut wie nichts mehr übrig. Sofort stößt ihm die völlig unprofessionelle Vorgehensweise seiner Provinzkollegen sauer auf. Als die dann auch noch einen vermeintlichen Lokalreporter, der mitten im Winter auf einer Harley-Davidson angetuckert kommt, zum abgesperrten Tatort durchwinken, platzt ihm beinahe der Kragen. Doch es kommt anders als vermutet: der kälteresistente Motorradfahrer entpuppt sich als Hauptkommissar Horst "Hotte" Fischbach, sein neuer Chef.

Der Roman von Herrn Jagusch steckt voller bizarrer Ideen, der Krimiplot ist äußerst kompliziert und die Handlung spannend bis zur letzten Seite. Trotzdem kommt der Humor nicht zu kurz. Besonders lobend hervorheben möchte ich, dass der Autor dem Leser viel Zeit gönnt, seine Charaktere zu entdecken. Die fallen nicht wie ein Schimanski mit der Türe ins Haus, sondern sind vielschichtig und stecken voller Überraschungen. Auch wenn der Fall am Ende des Buches vollständig aufgeklärt wird, so bleiben noch viele Fragen zu den Protagonisten offen. Viel Potenzial für eine Fortsetzung. Und auf die freue ich mich schon sehr.

Ein tolles Buch! Unbedingt lesen!

Mittwoch, 11. April 2012

Ralf König: Antityp

Paulus ist wirklich kein einfacher Mensch, im Grunde genommen ist er seit seinem Pferdesturz ein ziemlicher Spinner. Den anderen Aposteln geht er derart auf die Nerven, dass sie seine Idee, fortan die Heiden zu missionieren, begeistert unterstützen. Sie würden sich weiterhin um die Juden kümmern, er solle es mit den Griechen und Römern versuchen. Die Apostel atmen hörbar auf, als er ihnen endlich den Rücken kehrt und sich nach Griechenland einschifft.

Schon die Überfahrt ist abenteuerlich und kitzelt am Zwerchfell. Ich werde jedoch hier nicht den Fehler begehen, und Pointen vorwegnehmen. Diese Geschichte sollte man schon selbst lesen.

Ja. Dieses Buch kritisiert das Christentum. Aber das kann man dümmlich und primitiv tun, oder respektvoll und mit einem Augenzwinkern. Ralf König tut es eher respektvoll, indem er sich vieler Originalzitate bedient. Und die werden, in aller gebotenen Kürze, sogar im richtigen Kontext dargestellt. Er reiht nicht einfach eine Plattitüde an die andere, sondern setzt sich mit der Geschichte um den Apostel Paulus auseinander. Und zwar ernsthaft. Nur so kann man sich die für eine glaubwürdige Kritik notwendige Sachkunde aneignen. Und erst dadurch wird es komisch.
Und augenzwinkernd kritisiert er... Nun, wie sollte man einen Apostel mit Knollennase nicht augenzwinkernd meinen? Die Figur ist einfach zu drollig - man muss sie einfach gern haben!

Wer sich durch dieses Buch in seinen religiösen Gefühlen verletzt fühlt, der ist selbst schuld. Gemeint ist es so nicht, das glaube ich Herrn König.

Lesen, und zwar sofort!

Ralf König: Archetyp

Noah, ein fünfzigjähriger Familienpatriarch von kleinem Wuchs und mit fusseligem Bart, neigt zum Herumfrömmeln und Moralisieren. Regelmäßig besucht er die Städte Sodom und Gomorrha, um die Verderbtheit seiner Einwohner zu studieren. Dann kommt er frühmorgens sturzbetrunken nach Hause, schläft bis in die Puppen und strapaziert am nächsten Morgen völlig verkatert die Geduld seiner Frau und seiner Söhne. Kurzum: er nervt! Und zwar nicht nur seine Familie, sondern auch seine Nachbarn. Selbst Gott höchstpersöhnlich verdreht wohl die Augen, wenn Noah mit ihm sprich. Nur, dass man das in diesem Buch nicht sehen kann. Aber man liest aus seinen Antworten heraus, als Noah eines Tages zu ihm kommt, und die Apokalypse zur Vernichtung aller Sünder verlangt. Völlig enerviert von Noahs Gezeter lässt Gott sich darauf ein. Doch schon bald schließt er einen Pakt mit Noahs listiger Frau, um dem alten Nöhlkopf eine Lehre zu erteilen.

Was wie eine Verhonepiepelung der Biblischen Geschichte klingt (und vielleicht aus so gemeint ist), mündet schließlich in eine äußerst liebevolle Hommage an die Schöpfung. Und die ist ja wirklich schön, ob man nun an einen Schöpfer glaubt oder nicht.

Auch dieser zweite Teil von Ralf Königs Bibeltrilogie ist wieder eine bezaubernde Neuinterpretation einer alten Geschichte. Mit viel Witz und Augenzwinkern, aber das hätte ich vom Schöpfer eines Knollennasennoah wie diesem auch nicht anders erwartet.

Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Und jetzt noch schnell den dritten Teil ;-)

Ralf König: Prototyp

Was genau ist eigentlich passiert, nachdem der erste Mensch in eine Frucht vom Baum der Erkenntnis gebissen hat? Nun - er begann, Fragen zu beantworten:

Gott: "Wieso fiel der Apfel vom Baum?"
Adam: "Wegen der Gravitation! Jede Masse zieht jede andere Masse mittels der Schwerkraft an!
[...]

Luzifer: "Die Erde ist ein Ball?! Ketzerei!!! Die Sterne sind Sonnen?! Blasphemie!!! Der Weltraum ist unendlich?! Ketzerei!!! Hab ich was vergessen?!!"
Adam: "Die Erde bewegt sich um die Sonne!!"
[...]

Eva: "Gibt es eine andere Frau?" [...]
Adam: "Aber Nein! Es gibt doch nur Dich! Du bist die Einzige!" [...]
Eva: "Entschuldige, dass ich gefragt habe! Natürlich gibt es keine andere Frau!"
Adam: "Eben. Die kann ich mir ja nicht aus den Rippen schneiden!"

Um diese und andere tief schürfende Fragen geht es in der König'schen Version des Schöpfungsberichts. Die Antworten sind oft ebenso verblüffend wie originell!

Ich freue mich schon auf die Teile zwei und drei der Comic-Trilogie.

Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Sybille Zimmermann (Hrsg.): Riesling-Leichen

Wer ist das kleine Mädchen mit den schönen Haaren, das in Duttweiler die Dorfsprechanlage sabotiert hat? Welche Bedeutung haben die erotischen Tagträume der Kommissarin, denen sie sich während eines Verhörs hingibt? Warum halten auf einmal alle die die unscheinbare Lilly für ihre beste Freundin, die schöne Margot?
Wenn 23 Autoren gemeinsam ein Buch mit Kurzgeschichten füllen, dann kann sich der Leser auf so manche Überraschung gefasst machen. Das Buch ist ein Füllhorn für teils humorvolle, teils auch gruselige Geschichten von völlig unterschiedlicher Machart. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind pointiert, voller verblüffender Ideen und sie spielen allesamt in den Weinanbaugebieten des deutschen Südwestens.

Lesen!

Montag, 9. April 2012

Ralf König: Der dicke König

Es trägt seinen Namen völlig zu recht: das großformatige Comicbuch ist mit seinen über 300 Seiten so dick und so schwer wie ein Telefonbuch. Da ich die relativierende Wirkung der Comics von Ralf König auf mein Zeitempfinden kenne, habe ich es nach dem Erwerb nicht ausgepackt und bis zu den Osterferien in meinem Lesezimmer liegen gelassen. Heute war es endlich so weit:
Nach dem Abreißen der Folie fiel mir zunächst die opulente Ausstattung auf: fester Einband, Lesebändchen, sogar die Vorsatzseiten sind mit Bildern gestaltet. Schweres Papier und der brillante Farbdruck machen einen wertigen Eindruck. Ich liebe es, schöne Comicbücher auszupacken! Es folgt ein Vorwort des Journalisten und Literaturkritikers Denis Scheck. Und obwohl ich Vorworte sonst überspringe, habe ich mir dieses genüsslich durchgelesen - ich wollte die Vorfreude noch ein Wenig genießen.

Dann habe ich mich über viele wunderschöne und liebevoll gestaltete Comic-Kurzgeschichten aus dem Universum der Knollennasenmännchen hergemacht. Ab und zu tauchen darin sogar Frauen auf, aber das ist wirklich sehr selten. Immer lustig, teilweise aber auch durchaus nachdenklich, nimmt Herr König hier den Alltag von Homosexuellen unter die Lupe, ihr älter Werden und andere ihrer Sorgen und Nöte. Es finden sich auch Hommagen an Literaturklassiker - allein ein ganzes Kapitel ist dem wunderbaren Wilhelm Busch gewidmet. Die großen Weltreligionen und ihr Bodenpersonal kommen ebenfalls nicht ungeschoren davon.

Ich habe den "dicken König" fast in einem Stück verschlungen, lediglich eine Kaffeepause am frühen Nachmittag habe ich mir gegönnt. Und ich habe fast die ganze Zeit dabei geschmunzelt, gelacht, gekichert und mir vor Vergnügen auf die Schenkel geschlagen. Zugegeben: Es geht teilweise recht deftig zu in den Comics des Herrn König. Einem Kind würde ich dieses Buch deshalb nicht unbedingt empfehlen. Aber es wird vom Ehapa-Verlag vertrieben und steht im Comicbuchladen nicht im Giftschrank - ganz so schlimm kann es also nicht sein. Da waren Ralf Königs Frühwerke von ganz anderem Kaliber.

Alle verfügbaren Daumen nach oben und fünf Sterne.
Ein tolles, geradezu bezauberndes Buch, das ich jedem aufgeklärten Menschen zu Lesen ans Herz legen möchte.

Montag, 2. April 2012

Lilo Beil: Die Mauern des Schweigens

Auf dem Heidelberger Philosophenweg wird eine Leiche gefunden. Ein Mann wurde zunächst erstochen, dann in ein barockes Kostüm gesteckt und entsprechend der Mode des Barock geschminkt. Kommissar Melzer erhält in diesem Zusammenhang einen anonymen Brief, der in derart altertümlicher Sprache verfasst wurde, dass die Vermutung eines Zitats nahe liegt. Und richtig: Es handelt sich um ein Schreiben, welches die damalige Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans, auch bekannt als Liselotte von der Pfalz, im Jahr 1705 verfasst hat. Sein Freund Gontard, der eigentlich schon den Ruhestand genießt, bietet ihm seine Hilfe an. Und so kommt es, dass Friedrich Gontard wieder ermittelt. Bald stellt sich heraus, dass der Tote selbst ein Täter war, dass auch er in der Vergangenheit Leben zerstört hat. Doch darüber hat damals niemand gesprochen.

Der Protagonist Gontard ist kein Actionheld, kein wild um sich schießender Draufgänger oder gar Raufbold. Er ist ein in die Jahre gekommener Ex-Polizist, der ebenso so ruhig wie besonnen ermittelt. Diese Ruhe und Besonnenheit sind es, die ihm das Vertrauen der in den Fall verstrickten Personen einbringt. Nach und nach öffnen sie sich und es kommen furchtbare Geheimnisse zum Vorschein.

Auch in diesem Gontard-Krimi widmet sich Frau Beil einem überaus heiklen Thema, welches in der Vergangenheit gerne totgeschwiegen wurde. Geschickt verflicht sie mittels eingestreuter Briefe mehrere Zeitebenen. Die Figuren des Romans werden so greifbarer und glaubwürdiger.

Unbedingt lesen!

Mittwoch, 28. März 2012

Christian Bartel: Für eine Handvoll Kamelle - Rheinland (ein Heimatbuch)

"Das Rheinland gilt als größte zusammenhängende Frohnatur
Europas und zieht mit seinen reizvollen Umgehungsstraßen und voll verklinkerten Ortschaften mehr Touristen an als Nowosibirsk und der Mond zusammen. Auch Landschaft ist vorhanden. Sie besteht aus Kohlfeldern, etwas Gebüsch und einem Fluss, dessen Ränder vollkommen mit Burgruinen überkrustet sind.
An den neblichten Ufern des Rheins wurde einst die Romantik
erfunden, die der Rheinländer seither mithilfe von prächtigen Karnevalsumzügen zu vertreiben versucht. Karneval ist eine Art Bürgerkrieg in lustig und neben obergärigem Bier die größte eigenständige Kulturleistung der Rheinländer. Der Dom zählt nicht, den haben die Preußen zu Ende gebaut.
Aber auch bedeutende Zivilisationen haben ihre Spuren entlang des Rheins hinterlassen: Die Römer haben Köln gegründet und wieder aufgegeben, die Bundespolitik dagegen eine Hauptstadt namens Bonn, geblieben ist immer bloß der Rheinländer."


Allein die Tatsache, dass Herr Bartel nicht die recht eng gefasste Definition des eingebürgerten Südtirolers und Wahlrheinländers Konrad Beikircher für sein Buch zu Grunde legt, mag die Eingeborenen der Städte Koblenz oder Düsseldorf zunächst für das Buch einnehmen. Laut Beikircher umfasst das Rheinland im engeren Sinne nämlich nur die Uferstreifen zwischen Leverkusen im Norden, und dem Vinxtbach im Süden. Und zwar vor Allem der linke Uferstreifen, der rechte wird schon als "Schäl Sigg" verunglimpft. Im Norden grenzt man sich so ab vom niederrheinischen Kappeskopp, der den ganzen Tag mit offenem Mund auf dem Acker steht, nach Norden gafft und auf die Flut wartet. Der kleine Bach zwischen Bad Breisig und Burgbrohl hingegen stellt tatsächlich eine wissenschaftlich definierte Dialektgrenze dar. Bartel ist da etwas großzügiger. Das versöhnt den Öcher, den Düsseldorfer und den Koblenzer zunächst einmal.
Sie kuscheln sich sozusagen ein in das warme Gefühl, nun doch wieder anerkannt dazu zu gehören. Bis sie folgendes lesen: "Der Rheinländer ist genauso ein Arschloch wie jeder andere auch und das Rheinland liegt nicht gerade hinterm Mond. Außerdem lässt die affirmative Rheinländerbetrachtung die Theodizeefrage außer Acht: Wie kommt all das Böse und Rheinland, wenn der Rheinländer so gut ist?" Damit hat der Öcher nicht gerechnet, und der Koblenzer empört sich. Der Düsseldorfer rümpft distinguiert die Nase, nur dem Kölner ist das drissejaal. 



In diesem Buch aus der Reihe "Heimatbuch" des Conbook-Verlags nimmt Herr Bartel alle mir bekannten Vorurteile über das Rheinland im Allgemeinen, und über den Rheinländer im Besonderen unter die Lupe und auseinander. Heraus kommt eine krude Mischung aus Reiseführer und kabarettistischer Betrachtung, die ich jedem als Zwerchfelltraining zu studieren empfehle. Auch und besonders meinen Landsleuten aus dem Rheinland.

Unbedingt lesen!

Sonntag, 11. März 2012

Carsten Sebastian Henn: Carpe Vinum

Auch wenn es der erste Roman aus der Eichendorf-Reihe nahe legt: Der wertvollste Besitz eines Kochs sind nicht seine Messer. Die mögen von japanischen Schwertschmieden handgefertigt sein, aus feinstem Damaststahl und mit einem Heft aus zehntausend Jahre alter Mooreiche, aber es sind doch nur Werkzeuge. Austauschbare Werkzeuge, deren Qualität für das Arbeiten in einer Küche zwar von Bedeutung ist, aber sie sind nicht der wertvollste Besitz eines Kochs. Das wertvollste im Besitz eines Kochs sind die Rezepte! Köche sammeln Rezepte und Rezeptbücher. Sie schreiben sie mit bedacht auf, eigene Kreationen werden gehütet und bewahrt. Und solche Rezeptsammlungen werden dann von Generation zu Generation weitergegeben und erweitert. Und genau so eine Familienrezeptsammlung befindet sich unter den Kochbüchern von Julius Eichendorf. Und sie wird gestohlen. Zu allem Überfluss ermordet der Dieb auch noch einen zufällig beim Einbruch auftauchenden Lieferanten der alten Eiche, und zwar auf äußerst bizarre Art und Weise. Und dann erpresst er den Koch.

Dieser Eichendorf-Krimi entwickelt sich mit rasanter Geschwindigkeit. Der Autor sprudelte mal wieder über vor Ideen, und auch das Zwerchfell kommt nicht ungeschoren davon. Und dann, mitten im Buch, ist die Geschichte um die verlorenen Rezepte auch schon zu Ende. Und man denkt "Ist das zu fassen?" und "Was soll denn das?", und dann blättert man weiter. Und dann kommen sie: Alle Rezepte aus allen Eichendorf-Krimis. Gestaltet und aufgeschrieben von den besten Köchen der Eifel (und das sind nicht wenige) und serviert von Carsten Henn. Das Buch mit der Kriminalgeschichte um verlorene Rezepte ist selbst ein Rezeptbuch, und ich bekomme schon beim Lesen Hunger. Eine bezaubernde Idee und damit verdient sich "Carpe Vinum" mindestens fünf Sterne und alle verfügbaren Daumen nach oben. Schade nur, dass ich keine Ahnung habe, wo ich es jetzt aufbewahren soll: Im Bücherschrank oder in der Küche? Egal: Ich kaufe einfach ein zweites Exemplar!

Unbedingt lesen, und zwar sofort!

Freitag, 9. März 2012

Carsten Sebastian Henn: Vino Diavolo

Julius ist am Ende: Seinem Restaurant droht mangels Gästen der Bankrott. An einem eiskalten Novembermorgen erwacht er mitten in einem Weinberg. Der Schädel brummt ob exzessiven Weingenusses am Vorabend, er weiß beim besten Willen nicht, wie er dort hin gekommen ist - Filmriss. Und ausgerechnet in diesem Weinberg wird nun unweit von Julius Schlafstatt sein schärfster Konkurrent ermordet aufgefunden. Von den Arbeitern der Eisweinlese wird er zudem auch noch gesehen, da ist leugnen zwecklos. Bald zweifelt er selber an seiner Unschuld. Ist Eichendorf ein Mörder?

Auch in diesem kulinarisch-oenologischen Roman muss der Sternekoch wieder einen verzwickten Fall lösen. Nicht zum ersten mal gerät er dabei selber ins Fadenkreuz der Ermittler. Die Geschichte ist spannend erzählt, es ist eine Freude, diesen Roman zu lesen. Und auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Lesen!

Montag, 20. Februar 2012

Harald Schneider: Blutbahn

Als wären Karneval und Fastnacht nicht ohnehin schon Albtraum genug, treibt ausgerechnet in dieser Zeit ein als Teufel verkleideter Serienmörder in der Metropolregion sein Unwesen. In der S-Bahn lauert er seinen Opfern auf und ersticht sie in Anwesenheit dutzender Zeugen mit einem Dreizack. Trotzdem bleibt er in seiner Maskierung unerkannt und kann immer wieder fliehen. Dumm, dass die beiden ersten Opfer nichts miteinander gemein haben, außer ihrem Namen und der Art und Weise ihres Ablebens. Hauptkommissar Palzki tappt im Dunkeln. Dass ihm unerwartet immer wieder alte Bekannte über den Weg laufen, macht die Ermittlungen nicht gerade einfacher.

Auch in Palzkis sechstem Fall geht es wieder turbulent zu. Seine Kinder atakkieren ebenso die Lachmuskeln wie Palzkis Ungeschicklichkeit und seine ausgeprägte Affinität zu Fast-Food. Auch sein Vorgesetzter und Dienststellenleiter Diefenbach, der bizarre Guerilla-Arzt Dr. Metzger und seine geschwätzige Nachbarin tragen ihren Teil zum Lesespaß bei. Doch Herr Schneider geht noch einen Schritt weiter: Immer wieder begibt sich Palzki auf die Metaebene. Journalist Becker schreibt nämlich Krimis über die Fälle des Hauptkommissars, und der kommt ob allzu getreulicher Schilderung seiner Missgeschicke in diesen Romanen nicht besonders gut weg. Immer wieder beklagt Palzki sich darüber, dass ein derartiger Tollpatsch niemals erfolgreich bei der Polizei arbeiten könne, nur um im nächsten Augenblick mal wieder über seine eigenen Füße zu stolpern.
Obwohl es in dem Roman teilweise drunter und drüber geht, gelingt es Herrn Schneider dennoch, mit "Blutbahn" einen spannenden Krimi zu erzählen, der bis zum Schluss zum Mitraten anregt. Wenn ich nicht ohnehin schon alle Palzki-Krimis gelesen hätte, würde ich sie spätestens jetzt kaufen.

Unbedingt lesen!

Sonntag, 12. Februar 2012

Carsten Sebastian Henn: Vinum Mysterium

Eine Mordserie erschüttert das Ahrtal, leert seine Weinstuben und Restaurants, beraubt es seiner wirtschaftlichen Grundlage - dem Tourismus. Die Opfer scheinen allesamt Weintrinker zu sein, wahllos hingerichtet von einem wahnsinnigen Serienkiller. Dieser macht sich anscheinend einen Spaß daraus, jeden Mord 24 Stunden zuvor anzukündigen und den Namen des nächsten Opfers in Form eines Weinrätsels bekannt zu geben. Das geschieht ausgerechnet in der Zeit, da der Papst seinen Besuch angekündigt hat und vom Koch der "alten Eiche" bekocht zu werden wünscht. Erst nach und nach erkennt Julius Eichendorf die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Morden. Schließlich helfen ihm sein alter Freund Antoine Carême und seine seine beiden Kater. Der Koch beim Zusammenstellen des Papstmenüs, die beiden Samtpfoten bei der Entlarvung des Mörders.

Wieder gelingt es Herrn Henn, Lokalkolorit des Ahrtals wunderbar einzufangen und dabei ganz nebenbei noch einen spannenden Krimi zu erzählen. Immer wieder erkennt man Orte oder Personen wieder, das verleiht der Geschichte zusätzlichen Pfiff. Und wer sich im Ahrtal nicht auskennt, der möge die Romane dieser Reihe als Anregungen für den nächsten Urlaub verstehen. Ein Besuch in meiner Heimat lohnt sich auf jeden Fall.

Lesen!

Sonntag, 22. Januar 2012

Carsten Sebastian Henn: In Dubio Pro Vino

Im beschaulichen Ahrtal wird gemordet, als gäbe es kein Morgen mehr. Dieses Mal sind die Weinköniginnen der Region dran. Eine nach der Anderen findet ein grausiges Ende. Julius Eichendorf, Spitzenkoch und privater Ermittler, geht der Sache auf den Grund. Was er an Fakten zu Tage fördert, versetzt nicht nur gestandene Polizisten in Erstaunen, sondern lässt auch Historiker aufhorchen. Ganz ungefährlich ist auch dieser Fall nicht für Eichendorf und sein Team aus der "alten Eiche".

Spannend wie immer, detailversessen und streckenweise auch urkomisch ist dieser dritte Band aus Carsten Henns "Eichendorf"-Reihe. Für jeden Krimigourmet ist dieser Roman ein absolutes "Muss" und für jeden Kenner des Ahrtals ein Riesenspaß.

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Mittwoch, 4. Januar 2012

Carsten Sebastian Henn: Nomen est Omen - Aqua et Vinum

Die Bunkeranlage bei Marienthal ist ein Relikt aus der Zeit des kalten Kriegs. Hier sollte die Bundesregierung im Falle eines Falles einen Atomschlag überleben und für mindestens dreißig Tage die Amtsgeschäfte weiterführen können. Nun soll die Anlage abgerissen werden. Bei einer der letzten Besichtigungstouren durch den riesigen Komplex wird ein Ermordeter aufgefunden. Er befindet sich in einem verschlossenen Raum. In einem von innen verschlossenen Raum ohne weiteren Ausweg. Julius Eichendorf schlittert im winterlichen Ahrtal eher zufällig in diesen Kriminalfall, doch schon bald steckt der Koch knietief in den Ermittlungen. Ein neues, gefährliches Abenteuer beginnt.

Auch im zweiten Fall der Reihe geht es um die Ermittlungen in einem äußerst rätselhaften Mordfall. Die Geschichte ist logisch aufgebaut und viele eingestreute Hinweise regen zum Mitknobeln an. Ein paar Nebenhandlungen lassen die Protagonisten greifbarer und glaubwürdiger wirken, ohne vom eigentlichen Kriminalfall abzulenken. Auch der Humor kommt nicht zu kurz in diesem Buch.

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Bleibt lediglich zu erwähnen, dass der Roman inzwischen mit anderem Cover beim Heyne-Verlag unter dem Namen "Aqua et Vinum", dem ehemaligen Untertitel, verlegt wird.