Montag, 9. November 2020

Ralf König: Stutenkerle


Und weiter geht es in der Reihe "von mir verbumfiedelte Ralf-König-Comics":

In diesem Band aus dem Jahr 2008 ist eine deutliche Tendenz erkennbar. Natürlich drehen sich auch in "Stutenkerle", der Titel lässt es erahnen, viele Geschichten um den schwulen Alltag. Aber der Meister hat sein Repertoire und seine Interessen erweitert. Ab und zu erzählt er auch Geschichten aus dem Leben ganz gewöhnlicher, rassistischer Heten. Auch Religionskritik findet sich in dem Band, und zwar nicht zu knapp. Das alles ist rasend komisch, tiefsinnig, albern und manchmal auch zutiefst romantisch.


Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Mary Shelley, Ralf König: Frankenstein


Ein alternder Mediziner lebt in selbst gewählter Abgeschiedenheit das karge Leben eines Bestatters und Leichenwäschers irgendwo in der Provinz. Das verschafft ihm die notwendige Ruhe, um seine privaten Forschungen zu betreiben. Ihm fällt Mary Shelleys Roman in die Hände, den er in nur einer Nacht verschlingt. Zutiefst von der Geschichte berührt und aufgewühlt beschließt er, sich in einem Brief der Autorin anzuvertrauen. Er und der Romanheld Viktor Frankenstein teilen eine geheime Leidenschaft. 

Ralf König nimmt sich behutsam eines Klassikers an. Was dabei herauskommt ist ein ernstes Buch und eine knietiefe Verbeugung vor Frau Shelley.

Ein tolles Buch. Unbedingt lesen, und zwar sofort.

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Beate Knappe: knappe70

 Fotografien - mein Leben

Und wieder ist mir etwas dazwischen gekommen. Ich wollte doch den Comic-Stapel abbauen! Ich habe ein Paket abgeholt. Bei UPS. Hier in Neustadt ist das reichlich umständlich, weil der Tabakladen, der als UPS-Abholstation fungiert, weit vom Stadtzentrum entfernt ist. Aber ich habe ja jetzt wieder ein Fahrrad. Also Rucksack auf und ab dafür. 

"Kann nicht allzu groß sein." sage ich ahnungslos zur Tabakhändlerin, als sie anfängt, im Regal zu suchen. "Ist nur eine Büchersendung!" Was sie mir dann in die Hand drückt, ist verblüffend groß und schwer. Das kann doch unmöglich Beates Ausstellungskatalog sein! Hoffentlich passt das in den Rucksack. Beim Frühstücken in einem meiner Lieblingscafés (Ja: Neustadt ist zwar klein, aber die Kaffeehausszene ist äußerst vielfältig - ich habe also mehrere Lieblingscafés!) öffne ich den großen Karton. Was ich herausziehe, übertrifft alle meine Erwartungen: Das Buch ist riesig. Wie ein Telefonbuch (die Älteren unter uns werden sich erinnern), nur mit Hardcover. Und in Schwarz. Als junger Mann habe ich mehrere Jahre lang konsequent nur schwarze Kleidung getragen. Ich liebe Schwarz!

Viele von Beates Bildern aus analogen Zeiten kenne ich schon, denn sie teilt diese recht großzügig auf diversen social-media-Plattformen. Aber das Buch hat mich trotzdem völlig erschlagen. Die Druckqualität ist spektakulär. Das sind die besten Schwarzweißdrucke seit Barytpapier. Man kann die Bilder förmlich ertasten. Und das schwere Papier riecht so gut! Beate erklärt in kurzen Einleitungstexten jedes Kapitel und die Kapitel spiegeln jeweils eine Schaffensperiode der Fotografin wieder. Es beginnt mit ihren fotografischen Anfängen: Als blutjunge Frau hat sie mit einer zweiäugigen Rolleiflex zu fotografieren begonnen. Quadratfotos. Menschen waren und sind ihr Lieblingsthema, deshalb hat sie Verwandte und Bekannte abgelichtet. Erstaunlich einfühlsame Portraits sind dabei herausgekommen. "Menschen" zieht sich als Thema wie ein roter Faden durch ihre Arbeit: Prominente, Straßenszenen, Reportage... Fast immer stehen Menschen im Mittelpunkt ihrer Bilder. Und fast immer in Schwarzweiß. 

Und dann kamen noch Bilder, die ich noch nie gesehen hatte. Bei Bildern von den großen Demonstrationen in den späten 70ern und frühen 80ern und bei einigen Straßenszenen hatte ich schließlich feuchte Augen. Vor über dreißig Jahren hat Beate auch Teile meines Lebens festgehalten. Und da kannte ich sie noch nicht einmal.

Ein großartiges Buch. 

Kauft, Leute, kauft. Und das meine ich wirklich ernst. Geht in die Ausstellung, wenn ihr könnt.