Freitag, 14. April 2017

Ulrich Magin: Skurriles aus der Pfalz

Seit nunmehr 18 Jahren lebe ich in der Pfalz. Ich dachte wirklich, mir könnte niemand mehr etwas beibringen, wenn es um die Pfalz geht. Inzwischen habe ich auch dem einen oder anderen gebürtige Pfälzer auf geographisch-touristischer Weise zeigen können, wo der Barthel de Most holt. Und das ist auch gut so! Immerhin lese ich so ziemlich alles, was mir über die Region, in der ich gerade lebe, in die Hände fällt. Und in der Pfalz lebe ich jetzt schon lange, der Pfalz-bezogene Teil des Bücherschranks ist entsprechend gewichtig. Ich würde mich blöd fühlen, wenn es anders wäre.

Aber nach der Lektüre dieses Buches fühle ich mich blöd. Nicht alles, was ich hier gelesen habe, überraschst mich, aber doch Einiges. Dieses Buch ist nicht mehr und nicht weniger als das  "A" bis "Z" der Kuriositäten der Pfalz. Akribisch und sachkundig trägt der Autor Seltsames und Merkwürdiges aus der Pfalz zusammen und verpackt es in ein unterhaltsames und sehr kurzweiliges Büchlein. Von diesem Stoff will ich mehr!

Einziger Wermutstropfen: Die Aufbereitung der zahlreichen Fotos für den Schwarzweißdruck sowie das Layout des Buches hätte man besser Profis überlassen.

Wer davon abstrahieren kann: Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Dienstag, 11. April 2017

DuMont Bildatlas - Pfalz

Wo Frankreich nahe ist

Auch wenn es sich bei diesem Bildatlas "nur" um eine Zeitschrift handelt, so ist er doch verblüffend edel aufgemacht. Der Einband ist aus festem Karton hergestellt und das Layout ist sehr ansprechend gestaltet. Das gibt dem Bildatlas etwas Wertiges. Der Inhalt ist sinnvoll und logisch strukturiert, immer wieder sind zur besseren Orientierung Karten eingestreut. Alle Artikel wurden mit hervorragenden Fotografien illustriert. Es ist ein Genuss, dieses Heft durchzublättern.

Dass dieser Bildatlas nunmehr in der dritten Auflage erscheint, tut dem Werk keinen Abbruch. Ich kann es auf jeden Fall sehr zur Lektüre empfehlen. Nur wer die erste oder zweite Auflage bereits besitzt, sei gewarnt: So viel neues steht nicht drin - lohnt sich nicht.

Ich habe an anderer Stelle bereits versprochen, dass ich hier nur solche Bücher bespreche, die ich auch wirklich empfehlen kann. Auch den DuMont Bildatlas "Pfalz" kann ich empfehlen. Dennoch sind mir ein paar Details aufgefallen, die mir nicht gefallen haben. Und das ist bei der dritten Auflage eines solchen Werkes ein Wenig ärgerlich. Mir ist bewusst, dass der Pressemarkt hart umkämpft ist und dass deshalb an allen Enden gespart wird. Ein Lektorat findet nicht mehr statt.

#168
Über Tippfehler kann ich deshalb hinwegsehen, auch wenn ich nicht verstehe, wie es passieren kann, dass im gleichen Artikeln in der ersten Auflage richtig "Altpörtel" steht, in der dritten aber nur das verstümmelte "Altpör".

Auch dass der Domnapf in Speyer nach wie vor zu gegebenem Anlass mit Wein gefüllt wird - man hat dafür in jüngster Zeit eigens einen hygienischen Kunststoffeinsatz maßgefertigt - finde ich nicht so bedeutsam. Wenn ein Tourist es trotz gegenteiliger Informationen aus dem DuMont-Reiseverlag dennoch erlebt, wird er freudig überrascht sein.

Dass man die Menschen aus Neustadt "Neustadter" nennt - so steht es im Duden und so wird es in jedem Neustadt des deutschsprachigen Raums gehandhabt - und nicht "Neustädter" wie bei DuMont geschehen, ist ein häufig gemachter Fehler und deshalb verzeihbar.

Aber wenn bei geographischen Fakten geschludert wird und falsches Halbwissen in die Köpfe der Leserschaft gepflanzt wird, dann rollen sich dem Geographen in mir die Fußnägel auf. Der klimatische Gunstraum an der Weinstraße entsteht nicht deshalb, weil "der Pfälzer Wald ihn vor kalten Westwinden schützt". Das ist barer Unsinn, und zwar gleich zweifach:
  1. Es gibt keine kalten Westwinde. In unseren mittleren Breiten sind Westwinde maritim beeinflusst, und somit im Winter warm und feucht. Wenn es im Winter kalten Wind geben sollte, dann kommt der aus Osten oder Norden.
  2. Im Sommer sind die Westwinde auf der Westseite des Gebirges tatsächlich zunächst etwas kühler, aber ebenfalls feucht. Und genau deshalb entsteht am Pfälzer Wald ein leichter Föhneffekt, bei dem sich die Luft beim Absinken auf der Ostseite des Gebirges trockenadiabatisch erwärmt. Dadurch lösen sich Wolken auf und die Sonneneinstrahlung nimmt zu, was die Erwärmung der Luft weiter vorantreibt.
Und das ist kein Geheimwissen, das kann man in jedem Rheinland-pfälzischen Erdkundebuch der Mittel- und Oberstufe nachlesen.

So edel der Bildatlas in der dritten Auflage auch aussieht, hätte ich mir doch etwas mehr Sorgfalt beim Inhalt gewünscht. Der Mitbewerber Jahreszeiten-Verlag macht mit seinem aktuellen Merian-Heft zum gleichen Thema vor, wie das geht.

Sonntag, 9. April 2017

Merian - Pfalz

Bereits zum vierten Mal widmet der Jahreszeiten-Verlag eine Ausgabe seiner Reisezeitschrift "Merian" meiner Wahlheimat. Für mich ist das ein Grund, mir dieses Heft einmal ganz genau anzuschauen. Hat sich seit der letzten Ausgabe "Merian - Pfalz" so viel verändert, dass es sich lohnt, nur neun Jahre später wieder ein Heft dieser Region zu widmen? Wurde vielleicht im letzten Heft so viel weggelassen? Oder ist diese Ausgabe nur ein zweiter Aufguss des 2008er-Exemplars?

Ich lebe inzwischen seit 18 Jahren hier und bilde mir ein, dass ich mir deshalb ein Urteil erlauben kann. Neustadt ist ohne Unterbrechungen länger mein Domizil, als ich in jeder anderen Stadt ohne Unterbrechungen gewohnt habe. Seit 1999 vermeide ich konsequent jede private Fernreise. Ich lebe in einer Gegend, in die Menschen reisen, um Urlaub zu machen. Warum sollte ich also ausgerechnet in den Ferien auf die Idee kommen, diese herrliche Landschaft zu verlassen? Ausgerechnet dann fliehen, wenn die Natur brummt, das Wetter am schönsten ist und die Leute am entspanntesten drauf sind? Wie blöd wäre das denn?

Und weil ich seit 1999 in jedem Sommer meine Ferien auf dem Rücken meiner 75 Pferde durch die Pfalz reitend verbringe, bin ich immer auch auf der Suche nach Anregungen für Ausflüge. Die erhoffte ich mir von diesem Merian-Heft, und deshalb beantworte ich jetzt auch die Fragen, die ich im ersten Absatz dieses Blogeintrags aufgeworfen habe:
  • Nein, soviel hat sich nicht geändert, aber etwas schon.
  • Ja, im letzten Heft wurde irre viel weggelassen. Die Pfalz ist in jeder Beziehung so vielfältig, dass sie sich nicht in knapp 150 Zeitschriftenseiten erschöpfend darstellen lässt. 
  • Nein, das Heft ist absolut kein zweiter Aufguss der 2008er-Ausgabe. 
Das Heft ist vielmehr ein äußerst gelungener "Band 2" der 2008er-Ausgabe. Wer die bereits besitzt, sollte das aktuelle Heft unbedingt auch kaufen. Es enthält viele neue Ausflugsziele und bebildert diese wunderschön. Die Autoren - einige von ihnen sind gebürtige Pfälzer - haben liebevoll und sorgfältig recherchiert. An (hochdeutscher und pfälzischer) Sprachkompetenz mangelt es ihnen nie und deshalb ist es auch ein pures Vergnügen, sich durch dieses Heft zu schmökern. Dass am Ende noch verschiedene Touristikverbände der Region reich bebilderte und sehr informative Anzeigen geschaltet haben, erhöht den praktischen Nutzwert der Zeitschrift noch. Es kommt selten vor, dass ich dem Anzeigenteil einer Zeitschrift meine Aufmerksamkeit widme - hier habe ich es gerne getan. Was ich besonders sympathisch finde: Einer der Autoren kommt zu dem Schluß, dass die von irgendeinem Tourismusmenschen erfundene Bezeichnung "die Toscana Deutschlands" im Grunde genommen eine Beleidigung darstellt. Liebe Toscana: Bitte nicht beleidigt sein. Aber die Pfalz hat es gar nicht nötig, sich als zweiten Aufguss einer anderen Landschaft in Europa zu verkaufen. Es ist so einmalig hier, die Gegend hat einen so eigenständigen Charakter, dass es schlicht "die Pfalz" ist. Punkt!

Also erhebt das Schoppenglas, alle verfügbaren Daumen nach oben: Lesen, und zwar unbedingt und sofort!