Freitag, 7. September 2018

John Connolly: Stan

Mit seinem Roman wagt der irischen Autor eine Nacherzählung des Lebens- und Leidenswegs des besten und wohl auch berühmtesten Komikerduos der Filmgeschichte. Dabei berichtet er so ganz nebenbei von einer unglaublich tragischen Liebesbeziehung. Mister Laurel und Mister Hardy waren zwar beide den Frauen durchaus zugetan, liebten aber letzten Endes nur einander. Als Oliver Hardy nach einer Serie von Schlaganfällen der Fähigkeit zu sprechen beraubt war, hörte auch sein Freund Stan Laurel auf, sich der Sprache in dessen Anwesenheit zu bedienen. Beide verständigten sich fortan nur noch mimisch und gestisch. Wie in einem Stummfilm. Nach Babe Hardys Tod schrieb Stan noch jahrelang Drehbücher und Sketche für sich und seinen Freund. Drehbücher und Sketche, die nie verfilmt wurden, weil sie ohne Babe nicht funktioniert hätten. Und weil Stan Laurel ohne Babe Hardy nicht mehr hätte arbeiten wollen.

Ich habe beim Lesen dieses biographischen Romans laut gelacht und leise geweint. Kopfkino vom Allerfeinsten. Was will man mehr?

Lesen. und zwar unbedingt und sofort!

Montag, 27. August 2018

Flix: Spirou in Berlin

Spirou, Fantasio und Fips verschlägt es in diesem Abenteuer ins noch geteilte Berlin kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte folgt den bekannten Handlungsmustern der Serie und es tauchen neben zeitgeschichtlich bedeutsamen Personen auch die aus der Reihe bekannten Protagonisten auf. Was mich gleichermaßen irritiert und begeistert ist die Vertrautheit der Spielorte und des Zeitgeistes. Eigentlich hätten wir uns durchaus begegnen können, denn als junger Mann war ich sehr oft in Berlin, so auch innerhalb des Zeitfensters, in dem diese Geschichte spielt.

Dass ein deutscher Zeichner sich des traditionsreichen frankobelgischen Comicepos annehmen darf, ist alleine schon eine Sensation. Wie brillant und souverän er in das Ökosystem um den ehemaligen Hotelpagen und seinen Journalistenfreund einsteigt, merkt man erst garnicht. Man liest die Geschichte, und fühlt sich sofort zuhause. Flix setzt die Serie ohne Bruch einfach nahtlos fort, und vermittelt dabei auch noch Kenntnisse über einen Teil der jüngeren deutschen Vergangenheit. Die sensible und dem Thema angemessene Farbgestaltung des Commiczeichnerkollegen Marvin Clifford trägt dabei zum stimmigen Gesamtbild wesentlich bei.

Ich wünsche diesem wunderschönen Comicbuch so viele Leser, wie Menschen auf diesem Planeten leben!

Samstag, 25. August 2018

Peter James: Stirb ewig

Der erste Fall für Roy Grace
Bei seinem Junggesellenabschied wird Michael ein makaberer Streich gespielt: Er wird von seinen Freunden in einen mit einem Luftschlauch versehenen Sarg gelegt und lebendig begraben. Ein paar Stunden wollen sie ihn in der Kiste schmoren lassen, als Rache für vergangene Streiche, die er selbst auf dem Kerbholz hat. Keine halbe Stunde später werden die vier Junggesellenkumpels auf dem Weg in den nächsten Pub in einen Unfall verwickelt und sind augenblicklich tot. Niemand mehr da, der Michael aus seiner prekären Lage befreien könnte. Außerdem fängt es an zu regnen, und in dem halb zugeschaufelten Grab steigt der Wasserspiegel. Die Zeit wird knapp. Doch alles kommt noch schlimmer. Viel schlimmer.

Ein bis an den Rand des Herzinfarkts spannender Roman, aus dem Hitchcock zweifellos einer brillanten Film gemacht hätte. Ihn zwischendurch wegzulegen ist nahezu unerträglich. Fast schon zu spannend. Ich weiß nicht, ob ich solche Bücher mehr als einmal im Jahr verkrafte.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!