Montag, 18. März 2019

Bela B Felsenheimer: Scharnow

Was der Herr Felsenheimer uns als Debütroman vorlegt ist schwer zu beschreiben. Geht es um die Liebesgeschichte zwischen Hamid, dem syrischen Flüchtling und Nami, die sich anzieht und schminkt wie eine ihrer geliebten Manga-Figuren und deshalb von allen für eine Punkerin gehalten wird? Ein gut aussehender Pornodarsteller ist auch dabei, dem es Freude bereitet, ganz unscheinbaren Frauen das Abenteuer ihres Lebens zu schenken. Oder geht es um die vier Freunde, die aus hygienischen Gründen ihre Küche zugemauert haben, und eines Tages beschließen, nur mit Papiertüten auf dem Kopf bekleidet einen Supermarkt zu überfallen? Killer haben es auf kleine Hunde abgesehen, ein fliegender Mann greift ein, aber so richtig fassen kann man den Handlungsstrang nicht. Im Grunde genommen besteht der Roman auch aus sehr, sehr vielen, ziemlich abstrusen Handlungssträngen, die Herr Felsenheimer zu einem kunstvollen Geflecht miteinander verbindet. Und immer wenn man glaubt, man hat endlich verstanden, worum es geht, wird es noch einmal absurder. Und immer wieder finden sich kleine, dadaistisch anmutende literarische Perlen. Wie zum Beispiel dieser Halbsatz: 
„Für Zeitreisen war es noch zu früh...“

Großartig!

Ganz großes Kopfkino. Unbedingt lesen, und zwar augenblicklich!

Sonntag, 10. März 2019

Sebastian Fitzek: Der Insasse

Till Berghoff betrauert den Tod seines Sohns Max. Dieser wurde vermutlich das Opfer eines psychopathischen Massenmörders. Doch der sitzt inzwischen in der geschlossenen Psychiatrie ein und schweigt sich aus. Till sieht nur eine Chance, mit sich wieder ins Reine zu kommen: Er lässt sich selbst, mit falschem Namen und Legende ausgestattet, in die Psychiatrie einweisen. Er hofft, endlich Klarheit zu erhalten.

Und wieder schafft Herr Fitzek es, mich von Anfang an in seinen Bann zu ziehen. Dieser Psychothriller ist intelligent konstruiert und spannend bis zur letzten Seite.

Lesen, und zwar augenblicklich!

Donnerstag, 28. Februar 2019

Whitley Strieber: Der Kuss des Todes

sowie die Fortsetzung: Der Kuss des Vampirs

Miriam und John Blaylock auf der einen Seite, sowie Sarah Roberts und ihr Mann Tom sind zwei Paare, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Sarah und Tom sind zwei junge und hart arbeitende Ärzte an einem New Yorker Forschungskrankenhaus. In der Abteilung für Geriatrie wähnen sie sich kurz vor einem wissenschaftlichen Durchbruch im Zusammenhang mit der inneren Uhr des Alterns. Sie hoffen, dass sich diese innere Uhr, hat man ihre Funktionsweise erst einmal begriffen, manipulieren lässt. Sarah steht deshalb seit der Veröffentlichung ihres Buches über Schlaf und Langlebigkeit durchaus auch im Rampenlicht der Öffentlichkeit.
Miriam und John hingegen sind zwei augenscheinlich blutjunge, überaus wohlhabende Bohemiens die tagsüber mit der halbwüchsigen Nachbarstochter musizieren und nachts das Clubleben genießen. Außerdem sind sie Vampire und ermorden etwa einmal pro Woche zwei Menschen, um sich zu ernähren.

Die Wege der beiden ungleichen Paare kreuzen sich, als John an einer grauenvollen Krankheit zu leiden beginnt. Er findet keinen Schlaf mehr und er altert rapide, ohne jedoch zu sterben. Es scheint fast so, dass die Natur die fast vierhundert Jahre, um die er sie betrogen hat, zurückfordert. Miriam nimmt unter einem Vorwand Kontakt zu Sarah auf in der Hoffnung, mit ihren Forschungsergebnissen John helfen zu können. Sie will um Johns Gesundheit kämpfen, denn zu oft hat sie auf diese Weise schon einen Gefährten verloren.

Auch dies sind zwei Geschichten, mit denen man sich durchaus mehrfach beschäftigen kann. Deshalb habe ich mir die beiden Romane antiquarisch beschafft. Der Kuss des Todes wurde bereits 1983 unter dem Namen „The Hunger“ (deutsch: „Begierde“) mit Catherine Deneuve, Susann Sarandon und David Bowie in den Hauptrollen verfilmt. Für den Regisseur Tony Scott war dies das Spielfilmdebüt, vorher beschäftigte er sich ausschließlich mit Werbefilmen. Entsprechen opulent war die Bildersprache dieses Films, der seitdem in gewissen Kreisen durchaus Kultstatus genießt. Die Handlung kannte ich also schon seit über 35 Jahren. Trotzdem hat es mich interessiert, die Romanvorlage ebenfalls zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Für das Filmdrehbuch waren so umfangreiche Änderungen und Streichungen notwendig gewesen, dass mich der Roman immer noch überraschen und fesseln konnte.

Der Kuss des Vampirs entstand erst rund zwanzig Jahre später. Um nicht Teile der Handlung des ersten Teils zu spoilern, verkneife ich mir hier einen Anriss der Handlung. Nur so viel sei gesagt: Auch dieser Roman ist wieder ein Parforceritt durch die Jahrtausende von Miriams Leben und spannend bis zum Nägelabkauen. Bleibt noch anzumerken, dass dem Verlag beim Herstellen der gedruckten Version wohl einen Computerfehler unterlaufen ist. Mir fiel auf, dass die Handlung einen mehrere Kapitel umfassende Rückblende in den ersten Band enthielt. Mir wäre das, obwohl ich das Buch vor über zehn Jahren schon einmal als Ebook verschlungen habe, eigentlich nicht aufgefallen. Aber ich habe die Bücher aus Versehen in der falsche Reihenfolge gelesen, und deshalb kamen mir im ersten Teil nicht nur mehrere Kapitel sehr vertraut vor, ich habe sogar einen sehr auffälligen Druckfehler wiedererkannt.

Wie dem auch sei: Alle verfügbaren Daumen nach oben, lesen, und zwar unbedingt und sofort.