Samstag, 2. Juli 2022

Chris Hadfield: Anleitung zur Schwerelosigkeit

Was wir im All fürs Leben lernen können

Kennen Sie Chris Hadfield? Das sollten Sie aber. Der hat vor einigen Jahren mit der Neuaufnahme eines alten David-Bowie-Songs einen Millionenhit auf YouTube gelandet. Dieses Video wurde inzwischen 51 Millionen mal angesehen, und hat mich und Andere zutiefst berührt. Er singt darauf „Space Oddity“, eine kleine Ballade über das Leben und Sterben eines Astronauten. Das wäre alles nicht weiter bemerkenswert, wenn Chris Hadfield nicht selber Astronaut gewesen wäre. Er hat diesen Song und das auf YouTube geteilte Video auf der internationalen Raumstation ISS aufgenommen, und die Zuschauer genießen während des Zuhörers und Zusehens Ausblicke, die man sich beim Hören des Originals allenfalls vorgestellt hat.

In seinem Buch schildert er, wie das so ist, als Astronaut. Und wie es dazu kam. Also im Prinzip: Kleiner Junge aus Kanada wünscht sich, in den Weltraum zu fliegen, wird deshalb in der Schule und beim Sport fleißig und gewissenhaft, macht den Pilotenschein, wird schließlich Testpilot und dann Astronaut.

So weit, so unspektakulär. Viel spannender finde ich die Teile, auf den sich die Unter-Überschrift („Was wir im All fürs Leben lernen können“) bezieht. Das hätte ich so nicht gedacht, und so mancher Führungskraft wünscht man dieses Buch unter das Kopfkissen.

Ein tolles Buch. Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

Ach ja. Fast hätte ich das vergessen:


Sonntag, 19. Juni 2022

Heribert Schwan, Tilman Jens: Vermächtnis

Die Kohl-Protokolle

Wir besprechen hier ein Buch, welches ich gleich zwei mal kaufen musste, bevor ich es vollständig lesen konnte. Es enthält nämlich zahlreiche Zitate, die aus über 600 Stunden Tonbandaufnahmen entnommen wurden, die in den Privaträumen des Altkanzlers bei Vorgesprächen zur Biographie des Staatsmanns mit seinem Ghostwriter entstanden sind. Die wörtliche Verwendung dieser Gespräche sollte, so war es vertraglich festgelegt und so ist es üblich, zunächst von Kohl autorisiert werden. Schwan entschloss sich jedoch, den Kohl-Protokollen ein eigenes Buch zu widmen und dabei die Zitate unabhängig von einer Autorisierung durch den Zitierten  zu verwenden. Er begründete das mit der zweitgeschichtlichen Bedeutung des Mannes, der über mehr als vier Legislaturperioden unser Land regiert hat. Ob man diesen Vertrags- und Vertrauensbruch gut findet, soll jeder für sich beurteilen. Und jetzt kommen wir zu dem Grund, warum ich das Werk zwei mal kaufen musste: In der zuerst erworbenen Ebook-Version waren die meisten wörtlichen Zitate unkenntlich gemacht worden. Nach der Erstveröffentlichung gab es einen längeren Rechtsstreit zwischen Kohl (bzw. seinen Erben) und den Autoren. Kurz und knapp: Die Zitate mussten geschwärzt werden. Nicht untersagt wurde jedoch der Verkauf und Vertrieb bereits ausgelieferter Exemplare. 

Da sich der kleine Adolf natürlich nicht vorschreiben lässt, ob er ein Buch in der zensierten oder in der unzensierten Version liest, habe ich mir aus diesen Beständen noch ein gedrucktes Exemplar der Erstauflage gesichert. Das Internet macht es möglich, und auf die paar Kröten, den Bimbes sozusagen, kommt es mir nicht an. Und damit haben wir dieses wundervolle pälzische Wort auch abgefrühstückt, das es dank Helmut Kohl sogar bis in den Duden geschafft hat.

Ich halte das unzensierte Werk für ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument. Es dient nicht dazu, den Altkanzler lächerlich zu machen oder seinen Ruf zu beschmutzen. Das Gegenteil ist der Fall: Es zeichnet das Bild eines klugen und gebildeten Mannes. Mit Ecken und Kanten zwar, aber im Großen und Ganzen ein Staatsmann mit Weitsicht und der Fähigkeit, auf der persönlichen Beziehungsebene auch mit ideologischen Gegnern viel zu erreichen. Wir hätten es schlechter treffen können.

Dringende Empfehlung meinerseits: Lesen, und zwar die Version ohne Schwärzungen. 

Montag, 13. Juni 2022

Michael Geiger (Hrsg.): Haardt, Weinstraße und Queichtal

Ein Geo-Führer

Dieses Büchlein befindet sich schon lange in meinem Besitz, aber erst heute komme ich dazu, es zu besprechen: Systematisch arbeiten die überaus kompetenten Autoren Landschaft, Gesteinsuntergrund, Relief, Boden, Wetter und Klima, Gewässer sowie Flora und Fauna ab. „Abarbeiten“! Das klingt so negativ! In Wirklichkeit ist es für einen geographisch oder biologisch interessierten Menschen eine Lust, dieses Buch zu lesen. So spannend kann Wissenschaft sein! Endlich halte ich hier eine geowissenschaftliches Kompendium meiner neuen Heimat in den Händen!

Im Grunde genommen werden hier fast alle Inhalte der physischen Geographie im Leistungskurs Erdkunde der 11. Klasse am Beispiel der wunderschönen Weinstraße behandelt. Das bringt mich auf eine Idee: Vielleicht kann ich dem herausgebenden Verein einen Klassensatz dieses ausgezeichneten Buches zu günstigen Konditionen für meine Schule abschwatzen. Ist ja wohl auch in deren Interesse, dass die Inhalte verbreitet werden. 

Bis dahin: Alle verfügbaren Daumen nach oben! Kaufen, lesen, genießen! Und zwar sofort!