Samstag, 4. November 2017

Flake: Der Tastenficker

An was ich mich so erinnern kann

In seinem ersten Buch beschreibt der Keyboarder Christian Lorenz seine Jugend und seine Lehr- und Wanderjahre als Punkmusiker im zweiten deutschen Staat. Die Einblicke die er uns dabei gewährt, sind ausgesprochen lehrreich. Von diesem Aspekt der Deutschen Demokratischen Republik wusste ich bisher so gut wie nichts.

Noch aufschlussreicher wird das Buch durch die Schilderung der Ereignisse um den Mauerfall und die Wiedervereinigung. Aus der Perspektive eines in Ostberlin aufgewachsenen Menschen sehen diese historischen Begebenheiten nämlich ganz anders aus, als durch die Brille eines Wessis aus dem Rheinland. Obwohl ich selbst wenige Jahre nach der Wende für fünf Jahre in den neuen Bundesländern gelebt und gearbeitet habe, ist mir dieser Aspekt der deutschen Vereinigung nicht hinreichend bewusst geworden: Der Westen hat den Osten einfach geschluckt und den Menschen dort ihre Identität geraubt. Das muss man einfach einmal so klar aussprechen. Flake sagt das übrigens nicht so, das tue ich jetzt an seiner Stelle. Ich lese das eher zwischen seinen Zeilen. Letzten Endes dürfen wir uns nicht darüber wundern, dass einige dieser Leute nun, fast dreißig Jahre nach dem Mauerfall, immer noch sehr unzufrieden mit ihrer Situation sind.

Ein tolles Buch. Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Freitag, 20. Oktober 2017

Flake: Heute hat die Welt Geburtstag

Christian Lorenz ist unter dem Namen Flake der Keyboarder der deutschen Band Rammstein. In diesem Buch erzählt er, wie das so ist, als Keyboarder von Rammstein. Er tut dies in einem lapidaren Schreibstil, als sei es das normalste von der Welt, Keyboarder bei Rammstein zu sein. Für ihn ist es das ja auch. Nicht zuletzt durch den lapidaren Schreibstil und durch diesen Perspektivwechsel (nämlich in die Perspektive eines Menschen, für den es das normalste auf der Welt ist, der Keyboarder von Rammstein zu sein) ist dies ein sehr lustiges, stellenweise zum Schreien komisches Buch. Ein grundsympathischer Bursche, mit dem man gerne befreundet wäre.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

Samstag, 7. Oktober 2017

Brandon Q. Morris: Enceladus

Sechs Menschen machen sich zu einer langen und nie da gewesenen Reise auf. Jahre zuvor schickte eine Jupitersonde eindeutige Beweise für die Existenz organischer Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus, die Astronauten sollen sich nun mittels eines Bohrschiffs einen Weg durch den Eispanzer des Saturntrabanten suchen und der Sache buchstäblich auf den Grund gehen. Doch die Expedition steht unter keinem guten Stern. Schon bald treten lebensbedrohliche Probleme auf und die Kommandantin muss zusammen mit der Crew eine Entscheidung treffen.

Der unter einem Pseudonym schreibende deutsche Autor ist Physiker und kennt sich mit der Raumfahrt bestens aus. Er orientiert sich bei seinem Szenario an aktuellen technischen Entwicklungen und dem Stand der Forschung. So entsteht ein beklemmend realistisches Bild von der alltäglichen Monotonie und den Gefahren in einem Raumfahrzeug, in dem die Astronauten für mehrere Jahre gefangen sind. Was hier erzählt wird, ist gar nicht so weit von uns entfernt.

Ein bis zum Nägelabkauen spannendes Buch. Science-Fiction mit einer besonderen Betonung des Wortes "Science". Unbedingt lesen, und zwar sofort!