Freitag, 25. Dezember 2009

Markus Orths: Hirngespinste

Martin Kranich ist Schriftsteller. In sein ersten Buch, den "Schulgeschichten", nimmt er gnadenlos das hessische Schulsystem aufs Korn. Da ist er selbst als Lehrer gescheitert. Entsprechend lustig war das Buch und entsprechend groß der Erfolg. Nun ist das Honorar fast aufgebraucht, und neben der daraus resultierenden Geldknappheit plagt ihn eine chronische Schreibhemmung. Um wenigstens das Geld für die Miete zu sparen schlüpft er bei seiner Erbtante in Heidelberg unter. Die ehemalige Hebamme hat noch einene kleine Dachwohnung in ihrem Haus frei und freut sich über gelegentlichen Besuch ihres Neffen. Doch es kommt wie es kommen muss: die Gelegenheiten, die sie nutzt, um sich von ihrem Neffen besuchen zu lassen, werden immer zahlreicher und die Schreibblockade immer größer. Als dann noch seine schwangere Schwester einzieht und ihn in die Geburtsvorbereitungen mit einbindet, wendet er sich Hilfe suchend an einen befreundeten Hirnforscher. Dieser soll mit wissenschaftlichen Methoden die Kreativbremse aus Kranichs Gehirn entfernen.

Wie schon in seinem Roman "Lehrerzimmer", ist der Held Martin Kranich wohl als literarisches Alter Ego des Autors zu verstehen. Auf 158 äußerst unterhaltsamen Seiten schildert er satirisch die Sorgen und Nöte der schreibenden Zunft. Dabei wird so gekonnt übertrieben und fabuliert, dass ich mich als Leser schon mühsam zusammenreißen musste, um nicht im Café oder auf dem Friseurstuhl laut loszusachen. Warum sich der Autor für das Titelbild im Ballettkleidchen als Nummerngirl hat ablichten lassen, wird mir jedoch immer verborgen bleiben. Ballett kommt überhaupt nicht vor.

Lesen!

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