Sonntag, 2. April 2017

Rebecca Skloot: Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks

Die Geschichte der HeLa-Zellen

Henrietta ist gerade 31 Jahre jung, als sie wegen eines Knotens am Gebärmuttermund den Gynäkologen aufsucht. Der Arzt entnimmt eine Gewebeprobe, um sie im Labor untersuchen zu lassen. Schließlich wird bei ihr Gemärmutterhalskrebs diagnostiziert. Verschiedene Therapien werden versucht, doch der Krebs wächst derart aggressiv, dass er Henriettas Immunsystem schließlich besiegt. Unter entsetzlichen Schmerzen stirbt die junge Frau. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass ihr ganzer Körper mit Metastasen durchsetzt war. Dies alles geschah im Jahr 1951. 


Die Gewebeprobe, die man ihr bei der Untersuchung entnommen hatte, macht jedoch eine ganz eigene Karriere. Es ist die erste menschliche Zelllinie, bei der eine Dauerkultur im Reagenzglas gelingt. In den folgenden Jahrzehnten werden mit den unsterblichen Zellen der Henrietta Lacks diverse medizinische Fortschritte erzielt. Die HeLa-Zellen spielten eine wichtige Rolle bei der Erforschung von Krebs und AIDS, ersetzten zahlreiche Tierversuche bei der Entwicklung von Medikamenten und Kosmetika und wurden schließlich auch in der biologischen Grundlagenforschung unentbehrlich. Weltweit sind heute ca. 11000 Patente angemeldet, die unter Verwendung der HeLa-Linie entwickelt wurden, die Gewinne mit den daraus entwickelten Produkten erzielt werden, liegen im mehrstelligen Millionenbereich, wenn nicht sogar noch höher. Ihre Familie hat von diesem Geld nie etwas gesehen. Erst Jahrzehnte nach dem Tod von Henrietta Lacks erfahren ihre Kinder aus den Medien von der Bedeutung dieser Zellen. 


Rebecca Skloot, Sachbuchautorin und Wissenschaftsjournalistin, versuchte sich im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausend an einer Analyse dieser Geschichte. Sie suchte den Kontakt zur Familie von Henrietta Lacks, erforschte Krankenakten und Forschungsberichte. Was sie zu erzählen weiß, ist weit mehr, als die Geschichte einer Zelllinie. Es ist nicht mehr und nicht weniger als die exemplarische Aufarbeitung der Geschichte der durch Bildungsentzug unmündig gehaltenen Afroamerikaner der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Diese Leute lebten seinerzeit teilweise noch in der vergammelten Hütten ihrer als Sklaven gehaltenen Vorfahren. Sie wurden auch damals noch benutzt und missachtet. Die Narben aus dieser Zeit sitzen tief, auch und vor allem in der Familie von Henrietta Lacks.



Ein großartiges, interessantes und ergreifendes Buch, das zu lesen ich unbedingt empfehle. Lesen, und zwar unbedingt und sofort!



Ein besonderer Dank gilt meinem Schüler Julius, der mir dieses Buch empfohlen hat. Danke Julius. Selten hat mich eine Buchempfehlung so bewegt.

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