Sonntag, 14. August 2011

Cody McFadyen: Die Blutlinie

"Ich bin dem schwarzen Zug, wie ich ihn nenne, während meines ersten Falles begegnet. Er ist schwierig zu beschreiben. (...) Er fährt auf Gleisen, die aus zerbrechlichen, empfindlichen Dingen gemacht sind. Es ist der Zug, auf dem Typen wie Jack Junior fahren. Ein Zug voller Mord und Sex und Schreie. Eine große, schwarze, bluttrinkende Schlange auf Rädern. (...) Wenn man auf den schwarzen Zug aufspringt und sich durch die Leichenwagen nach vorne arbeitet, trifft man schließlich auf den Zugführer. Er ist das Monster, das man jagt, und er taucht in vielerlei Gestalt auf. Er kann klein und kahlköpfig und vierzig sein. Oder groß und blond und jung. Manchmal - selten - ist er auch eine Sie. An Bord des schwarzen Zuges sieht man den Zugführer so, wie er wirklich ist, hinter seinem falschen Lächeln und dem dreiteiligen Anzug. Du starrst in die Dunkelheit, und in diesem Moment, wenn Du hinsiehst, ohne zu blinzeln, verstehst Du."

Smoky Barret ist FBI-Agentin in einer Spezialabteilung für Kindesentführung und Serienmorde. Sie hat eine steile Karriere hinter sich, denn sie ist eine der Besten auf diesem Gebiet. Was sie jedoch nicht davor schützt, selbst Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden. Sie verliert ihren Mann und ihre Tochter, muss selber schreckliche Folterungen und Verstümmelungen erleiden. Nun ist sie auf dem Weg zurück in die Normalität. Sie beginnt, ihre Depressionen zu überwinden und sich mit der Traumatisierung zu arrangieren. Sie will wieder arbeiten, denn das ist das Einzige, was ihr geblieben ist. Ihr erster Fall nach der Genesung befasst sich ausgerechnet die Ermordung ihrer besten Freundin aus Highschool-Zeiten. Doch muss sie bald feststellen, dass ihr eigenes Unglück und das ihrer Freundin eng miteinander verbunden sind.

Cody McFadyen gelingt es, die Innenwelten seiner Protagonisten so gnadenlos auszuleuchten, dass einem als Leser mehr als einmal der Atem stockt. Man will dann dieses Buch nicht mehr weiterlesen. Zu schaurig sind die Abgründe, die sich vor einem auftun. Doch irgendwann packt es einen wieder, man will wissen, wie es weitergeht. Und dann legt man diesen Roman nicht mehr aus der Hand.

Für Kinder: Finger weg!
Für Erwachsene: Unbedingt lesen!

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