Donnerstag, 23. Juli 2020

Timothy Snyder: Über Tyrannei

Zwanzig Lektionen für den Widerstand

Wer angesichts dieses Titels an auf dem Schwarzmarkt erworbene Handfeuerwaffen und selbst gebastelte Sprengsätze denkt, der wird von diesem Buch bitter enttäuscht werden. Vielmehr ging es dem Autor darum, uns für die Schwachstellen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu sensibilisieren. Worauf müssen wir besonders achten, damit die verfassungsmäßige Ordnung nicht ausgehöhlt wird? Woran erkennen wir Angriffe auf die Demokratie?

Angesichts der Ereignisse in den USA ist dies ein erschreckend aktuelles und visionäres Buch.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Freitag, 17. Juli 2020

Tim Marshall: Im Namen der Flagge

Die Macht politischer Symbole

Uff! Endlich wieder ein spannendes Buch. Nachdem ich mehrere dicke Schwarten angefangen und nicht zu Ende gelesen habe - und das mache ich wirklich nur in äußerst seltenen Fällen - bin ich mit diesem interessanten Sachbuch endlich wieder auf etwas gestoßen, dass ich gerne bis zum Ende verschlungen habe. Tim Marshall erläutert exemplarisch die Geschichte und Bedeutung einiger National- und anderer Flaggen. Das liest sich tatsächlich viel spannender, als es klingt, denn der Autor würzt seine Erzählungen mit allerlei skurrilen und interessanten Anekdoten. Beim Lesen vergeht deshalb die Zeit wie im Flug und ich war tatsächlich etwas enttäuscht, als ich die letzte Seite gelesen hatte. Oh nöh... Schon zu Ende?!

Ein gutes Buch. Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

Freitag, 5. Juni 2020

Matthias Egersdörfer: Vorstadtprinz

Roman meiner Kindheit

Umschlagtext:
"Ich war jetzt ein kleines bisschen. Viel weniger als eine Löffelspitze Joghurt. Aber doch schon da, ich wuchs und wuchs heran, und alles war wunderbar. Ich schwappte in angenehm warmer Brühe einfach umher. Ab und zu gluckerte etwas, oder ein tiefer Bass ließ mich wohlig von oben bis unten vibrieren. Wenn mich etwas störte, weil es zu arg schwappte oder ein Sound mir missfiel, trat oder boxte ich einfach mit Schmackes ein paar Mal gegen die Wand. Sofort selige Ruhe. Keiner wollte etwas von mir, keine Termine, Vorwürfe oder Prüfungen. So hätte das bis in alle Ewigkeit weitergehen können, wenn es nach mir gegangen wäre."

Der Kabarettist und Schauspieler Egersdörfer erzählt Episoden aus seiner Embryonalzeit, seiner Kindheit und seiner Jugend. Das wäre nicht weiter spektakulär, wenn Herr Egersdörfer nicht mit einer derart überbordenden Phantasie und der gnadenlosen Beobachtungsgabe eines kamarabewehrten Polizeistaates ausgestattet wäre. Seine Metaphern stehen denen von Walter Moers in nichts nach, manche seiner kunstvoll gedrechselten Sätze und Wortgebilde könnten der Feder von Arno Schmidt entsprungen sein.

Eines der besten Bücher, das ich jemals gelesen habe.

Lesen! Unbedingt lesen. Sofort!