Sonntag, 8. September 2019

David Wallace-Wells: Die unbewohnbare Erde

In den Szenarios der in den Nachrichten, von den Wissenschaftlern des Weltklimarates und auch von der Fridays-for Future-Bewegung zitierten Klimasimulationen ist immer davon die Rede, dass wir die ungute Erwärmung der Erde bis zum Zeitpunkt XY auf einen bestimmten Wert beschränken müssen. Meist ist von maximal 2°C bis zum Jahr 2100 die Rede. Der Autor geht hier ein paar Schritte weiter. Einerseits beleuchtet er, wie realistisch das gesteckte Ziel ist (Spoiler: nicht sehr realistisch), andererseits denkt er noch weiter, über das Jahr 2100 hinaus. Denn selbst wenn wir das gesteckte 2°-Ziel im Jahr 2100 erreichen, hört die zunehmende Erwärmung ja nicht auf. Durch eine Erwärmung um 2° schieben wir Prozesse an, die sich verselbständigen werden (oder dies bereits jetzt getan haben): Gletscherschmelze führt durch Verringerung der Albedo zu fortgesetzter Erwärmung, selbst wenn die Menschen kein weiteres Kohlendioxid ausstoßen würden. Aufgetaute Permafrostböden führen zu Methanfreisetzung und einem zunehmenden Treibhauseffekt. Die Meere versauern, Meeresströmungen werden abgeschwächt, der Regenwald brennt nach wie vor lichterloh. Die Verteilungskämpfe haben bereits begonnen und die ersten Flüchtlingswellen sind bereits unterwegs. Mir wird ganz schlecht, wenn ich daran denke.

Neulich war ich bei meinem Hausarzt. Er wollte mir den Blutdruck messen. Also verwickelte er mich in ein Gespräch, wohl um die Zeit zu überbrücken, die mein Kreislauf benötigt um nach der Benutzung Treppe in den dritten Stock wieder auf ein normales Maß herunterzufahren. Er fragte mich in meiner Eigenschaft als Geograph, was ich von den Klimaprotesten der Fridays-for-Future-Bewegung halte: „Haben die Kinder vielleicht Recht?“

Nachdem ich dieses Buch gelesen habe weiß ich: Sie haben nicht Recht. Es wird alles noch viel, viel schlimmer. Mein Blutdruck hat sich während des Gesprächs naturgemäß nicht beruhigt.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

P. S.:
Nach der ebenso berührenden wie erschütternden Rede der 16-jährigen Greta Thunberg vor den Vereinten Nationen am 23. September 2019 muss ich wohl zurücknehmen, was ich weiter oben behauptet habe. Die Kinder haben Recht. Sie wissen Bescheid.

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