Montag, 18. März 2019

Bela B Felsenheimer: Scharnow

Was der Herr Felsenheimer uns als Debütroman vorlegt ist schwer zu beschreiben. Geht es um die Liebesgeschichte zwischen Hamid, dem syrischen Flüchtling und Nami, die sich anzieht und schminkt wie eine ihrer geliebten Manga-Figuren und deshalb von allen für eine Punkerin gehalten wird? Ein gut aussehender Pornodarsteller ist auch dabei, dem es Freude bereitet, ganz unscheinbaren Frauen das Abenteuer ihres Lebens zu schenken. Oder geht es um die vier Freunde, die aus hygienischen Gründen ihre Küche zugemauert haben, und eines Tages beschließen, nur mit Papiertüten auf dem Kopf bekleidet einen Supermarkt zu überfallen? Killer haben es auf kleine Hunde abgesehen, ein fliegender Mann greift ein, aber so richtig fassen kann man den Handlungsstrang nicht. Im Grunde genommen besteht der Roman auch aus sehr, sehr vielen, ziemlich abstrusen Handlungssträngen, die Herr Felsenheimer zu einem kunstvollen Geflecht miteinander verbindet. Und immer wenn man glaubt, man hat endlich verstanden, worum es geht, wird es noch einmal absurder. Und immer wieder finden sich kleine, dadaistisch anmutende literarische Perlen. Wie zum Beispiel dieser Halbsatz:
„Für Zeitreisen war es noch zu früh...“

Großartig!

Ganz großes Kopfkino. Unbedingt lesen, und zwar augenblicklich!

Keine Kommentare:

Kommentar posten